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LeBron James wurde 2004 zum Rookie des Jahres gewählt © getty

James bereut nach einem turbulenten Jahr die "Decision" und denkt an Cleveland. Dirk Nowitzki hat ihm "das Herz gebrochen."

Von Eric Böhm

München - Die "Decision" ist Vergangenheit, vergessen ist sie deshalb aber noch lange nicht.

Knapp eineinhalb Jahre nach seinem zum TV-Event hochstilisierten Wechsel zu den Miami Heat lässt der 8. Juli 2010 Lebron James immer noch nicht los.

In seinem ersten großen Interview seit den verlorenen NBA-Finals gegen Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks sucht der "gefallene King" von Cleveland immer noch nach Rechtfertigungen für seine Flucht an die Strände Floridas.

"Ich wurde oft kritisiert, aber Magic Johnson hatte bei den Lakers Kareem (Abdul-Jabbar, Anm. der Red.). Michael Jordan hatte auch Pippen und später Rodman", lamentiert James beim englischen "Guardian".

James denkt an Jordan und Bird

Dabei scheint es in erster Linie James selbst zu sein, der immer wieder versucht, sich selbst einzureden, dass es die richtige Entscheidung war.

Zwar meldeten sich tatsächlich einige Kritiker wie Jordan oder Charles Barkley zu Wort, doch nach dem Start der vergangenen Saison war es "LBJ", der das Thema immer wieder ins Gespräch brachte.

"Die Bulls wurden um Jordan gebaut. Genauso lief es in Boston mit Larry Bird. Ich kenne die Historie des Spiels. Ein Superstar allein hat es noch nie geschafft, einen Titel zu gewinnen", lädt der zweimalige MVP zur Geschichtsstunde.

Vergleiche hinken

Während der Verweis auf Magics Lakers durchaus nachvollziehbar ist - abgesehen davon, dass der Point Guard von L.A. gedraftet wurde - hinkt sein Vergleich zu Jordan doch erheblich.

Als Scottie Pippen 1987 in Chicago ankam, deutete noch wenig auf die Karriere hin, die der fantastische Verteidiger an der Seite des wohl besten Spielers aller Zeiten hinlegen würde.

Nicht zuletzt Jordan spornte ihn und den Rest des Teams an, ihr Potenzial auszuschöpfen. Als Dennis Rodman verpflichtet wurde hatte "His Airness" schon drei Ringe.

West als Vorbild?

Die nächste NBA-Saison - wann auch immer sie stattfinden wird - wird im Übrigen schon James' neunte Spielzeit sein, in der er einer Meisterschaft hinterherläuft 484167(DIASHOW: Die 20 besten NBA-Spieler).

Doch auch dafür hat der siebenmalige All Star ein prominentes Beispiel parat: "Ich habe noch Zeit. Nur wenige Leute wissen, dass Jerry West erst bei seiner neunten Finals-Teilnahme den Titel gewann."

Insofern hat James noch sieben Versuche bis er die Lakers-Legende einholen kann, ob das Liga-Logo dann auch nach seinem Vorbild gestaltet wird, bleibt fraglich.

Finals tun noch weh

Um einen Vergleich mit Nowitzkis Leidenszeit zu ziehen, saß der Stachel offenbar noch zu tief.

"Diese Niederlage hat mich mehrere Monate begleitet. Es hat mir das Herz gebrochen. Ich hoffe, es macht mich zu einem besseren Spieler und Menschen", sagt James mit dem Abstand von fünf Monaten über das 2:4 gegen die Mavericks.

LeBron bereut "Decision"

Auch wenn der außergewöhnliche Athlet sportliche Selbstkritik - seine schwachen Leistungen im Playoff-Viertelfinale 2010 sowie in den Finals 2011 gäben dazu Anlass - vermissen lässt, bereut er inzwischen das mediale Brimborium um die "Decision".

"Wenn ich zurückblicke, verstehe ich, wieso einige Leute damit ein Problem hatten. Dafür entschuldige ich mich. Ich wollte niemanden verletzen", gesteht LeBron.

Immerhin kamen die Erlöse einem guten Zweck zu Gute. "Trotzdem werde ich oft als gierig oder egoistisch hingestellt, aber damit musst du als Sportler klarkommen."

Hoffen auf Lockout-Ende

Zum andauernden Lockout-Streit kann der Forward dagegen nur wenig mehr als die üblichen Floskeln beitragen.

"Ich denke, beide Seiten wollen fair sein und einen Deal aushandeln. Die Fans haben eine Saison verdient. Ich gebe die Hoffnung nicht auf", gibt der Olympiasieger von 2008 zu Protokoll.

Ausland ist kein Thema

Für ihn komme außerdem ein Engagement außerhalb der USA nicht infrage. Dafür denkt er an eine Versöhnung mit Cleveland.

"Es ist nichts unmöglich. Ich liebe die Stadt immer noch. Ich trage viele schöne Erinnerungen im Herzen", sagt James auf eine mögliche Rückkehr in seinen Heimatstaat angesprochen.

Die zurückgelassenen Anhänger und Teambesitzer Dan Gilbert sehen das vermutlich anders. Da scheint ein NBA-Titel mit den "Superfreunden" Dwyane Wade und Chris Bosh realistischer.

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