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Im März 2008 wurde Dirk Nowitzki (l.) nach einem Foul an Andrej Kirilenko gesperrt © getty

Bei Dirk Nowitzki brennen in Utah die Sicherungen durch. Eine Reaktion auf die üblichen Provokationen - oder doch mehr?

Von Julian Ignatowitsch/Rainer Nachtwey

München - Dirk Nowitzki steigt zum Rebound hoch, wird aber vom bulligen Körper des Ukrainers Kyrylo Fesenko zur Seite gedrückt.

Der Center bringt den Ball im Korb unter und Nowitzki kassiert gleich nochmal einen Stoß, diesmal von Matt Harpring. Jetzt brennen beim deutschen Vorzeigeprofi die Sicherungen durch.

Mit dem rechten Arm schlägt er nach hinten in Richtung des Gegenspielers. Er trifft Harpring mit der Hand im Gesicht.

Wohl nicht ganz unabsichtlich, denn wie die Schiedsrichter gleich erkannten: Nowitzkis Faust war geschlossen, was auf einen gewissen Vorsatz schließen lässt und den Referees keine andere Wahl ließ als ihn sofort vom Platz zu schicken.

Eine Szene, die so untypisch für Dirk Nowitzki ist. Doch bei der 88:97-Niederlage (zum Spielbericht) in Utah ließ sich der Würzburger in der hitzigen Atmosphäre der EnergySolutions Arena zu einer Tätlichkeit hinreißen.

Nowitzki äußert sich nicht

Warum nun diese Unsportlichkeit? Das weiß Nowitzki wohl nicht mal selbst. Denn sowohl nach dem Spiel, als auch den im Teamhotel wartenden Journalisten verweigerte der 30-Jährige die Stellungnahme.

Wohl auch weil er weiß, dass ein Flagrant 2-Foul - wie es gegen ihn gepfiffen wurde - eine Untersuchung der NBA nach sich zieht und es sich im Moment noch um ein "schwebendes Verfahren" handelt

Gegen Clippers wohl dabei

Laut "Fort Worth Star-Telegram" steht der Würzburger mit der Liga in Kontakt, eine Entscheidung über eine mögliche Sperre seitens der NBA steht jedoch noch aus.

Deshalb wird er voraussichtlich auch beim Auswärtsspiel bei den Los Angeles Clippers vorerst auflaufen dürfen.

Die Chancen, dass Nowitzki verschont bleibt, stehen jedoch äußerst gering. Denn bereits zu Saisonbeginn wurden Kevin Garnett und Andrew Bogut wegen eines ähnlichen Vorfalls für ein Spiel gesperrt und mussten eine Strafe angemessen an ihr Gehalt zahlen.

Bei Nowitzki würde dies 164.344,58 Dollar betragen.

"Netter, kleiner Schwinger"

Die Tatsache, dass er an diesem Abend immer wieder provoziert wurde, sowohl von seinen Gegenspielern als auch von den Zuschauern, kann man wohl nicht zählen lassen. Denn das sollte für den Deutschen nichts Neues sein.

"Wir sind unter dem Korb leicht zusammengestoßen. Aber warum er so frustriert reagiert hat - keine Ahnung", schilderte Harpring. "Es war ein netter kleiner Schwinger, den er da verteilt hat."

Provokation gehört zum Geschäft

"Was hätte ich machen sollen? Ich bin ruhig geblieben, ich wollte ja keine Strafe kassieren. Außerdem hat er sich damit nur selbst ein Bein gestellt."

Trash-Talk und Show gehören in der NBA genauso dazu wie körperbetontes Spiel. Die Top-Spieler trifft es gemeinhin am härtesten.

Spieler wie Steve Nash, der in den Playoffs 2007 von Robert Horry böse in die Bande gecheckt wurde, oder LeBron James, der im gleichen Jahr eine Attacke von DeShawn Stevenson einstecken musste, können davon ein Lied singen.

Wie schon im März

Dennoch sticht eine Auffälligkeit sofort ins Auge: Schon im März dieses Jahres leistete sich Nowitzki eine Unbeherrschtheit beim Gastspiel der Mavs in Utah.

Damals riss er Andrej Kirilenko zu Boden, und wurde für das harte Foul nachträglich ein Spiel gesperrt.

Er entschuldigte sich anschließend und beteuerte, dass die Aktion keine Absicht gewesen sei. Diesmal schwieg er.

War da vielleicht doch mehr?

Coach Rick Carlisle meinte zwar, dass der Schlag seines Schützlings "völlig untypisch und sicherlich nur aus Versehen passiert" sei.

Trotzdem hätte man von dem fairen Sportsman Nowitzki eigentlich sofort eine persönliche Entschuldigung erwartet.

Und deshalb bleibt die Frage: War da vielleicht doch mehr?

Zusätzliche Bedenkzeit

Nowitzki hat die Kameras sehr bewusst gemieden und sich damit zusätzliche Bedenkzeit verschafft.

Ist tatsächlich mehr vorgefallen als die Medien bisher wissen, kann er sich nun überlegen, ob er die Öffentlichkeit darüber informieren möchte, um seine Position zu rechtfertigen.

Rückkehr in einem Monat

Abgeschlossen wäre das Kapital damit aber noch nicht. Schon in gut einem Monat wird es wieder laut werden.

Denn am 5. Februar geht es für die Mavericks ein weiteres Mal an die elektrisierende Ostküste des Großen Salzsees.

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