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Michael Jordan (r.) gewann mit den Chicago Bulls sechs Meisterschaften © getty

Die NBA macht sehr viele Zugeständnisse an die Großen. Miami jagt zwei Nowitzki-Kollegen. Jordans Hardliner schauen in die Röhre.

Von Eric Böhm

München - Der neue Tarifvertrag zwischen NBA, Teambesitzern und Spielern is noch nicht einmal unterschrieben, da brodelt es schon wieder.

Im Bemühen, den Saisonausfall doch noch zu verhindern, hat die Liga es verpasst mehr Chancengleichheit zu gewährleisten. Denn die finanzkräftigen Teams profitieren sehr stark von der Einigung.

Besonders die Miami Heat wollen die unverhofften Freiheiten offenbar nutzen, um bei den Dallas Mavericks zu wildern.

Dwyane Wade gab via Twitter bekannt, dass er von Caron Butler einen "deutlichen Hinweis" bekommen habe, dass der Forward an eine Rückkehr zum Vizemeister nach Miami interessiert sei.

Auch Chandler auf der Liste

Nach einem Riss der Patellarsehne verpasste Butler den fantastischen Lauf von Dirk Nowitzki und Co. zum Meistertitel.

Außerdem steht in Miami ein neuer Center auf der Wunschliste - Free Agents können ab dem 9. Dezember unter Vertrag genommen werden.

Neben Samuel Dalembert, Eddy Curry, Nene oder Kwame Brown wird Mavs-Schlüsselspieler Tyson Chandler als möglicher Kandidat genannt (BERICHT: Neue Mavs-Stars im Anmarsch?).

Dalembert will nach Florida

Da der Lockout formell noch besteht, dürfen sich die Verantwortlichen nicht über Spieler äußern, doch das gilt eben nicht für die Spieler.

Der "South Florida Sun Sentinel" berichtet, dass zumindest Dalembert gern nach Miami wechseln würde.

Heat als Gewinner?

Doch wie können sich die Heat - das aktuelle Gehaltsvolumen beträgt 65 Millionen Dollar - diese Shopping-Tour überhaupt leisten?

Am Beispiel des Starensembles um Wade und LeBron James zeigen sich eindrucksvoll die reichhaltigen Zugeständnisse der Liga an die großen Klubs.

Denn neben diversen Ausnahmen - sie erlauben es, vertragslose Spieler trotz ausgeschöpften Salary Caps zu holen - gibt es einige neue Regelungen, die zumindest kurzfristig zum prassen einladen.

Miller als Klausel-Opfer?

Die wichtigste Neuerung im zehnjährigen Collective Bargaining Agreement (CBA) ist die sogenannte "Amnesty-Klausel" (BERICHT: Hand drauf: NBA-Saison startet Weihnachten!).

Damit kann 1 bestehender Vertrag bis Saisonstart aufgelöst werden und belastet die Gehaltsliste nicht mehr. Am Beispiel der Heat wäre Scharfschütze Mike Miller der ideale Kandidat, denn ihm stehen in den nächsten vier Jahren noch 24 Millionen Dollar zu.

Umgekehrt dürfen alle Teams mit Cap-Spielraum ein Angrbot für diese entlassenen Spieler unterbreiten.

Spekulationen über Davis

Im Gegenzug könnte zum Beispiel Point Guard Baron Davis nach Miami gehen, denn Cleveland wird sich den 32-Jährigen wohl nicht mehr leisten wollen.

"Ich weiß, mein Name ist mit dieser Amnesty-Sache aufgetaucht. Ich freue mich auf jede Herausforderung", meint Davis bei "ESPN".

Damit wird bereits klar, dass die von der NBA als Ziel ausgegebene größere Ausgeglichenheit zwischen großen und kleinen Märkten auch in Zukunft schwer erreichbar sein dürfte (BERICHT: Mehr Ausgeglichenheit - kein harter Salary Cap).

Paul und Howard auf dem Sprung

Die großen Namen werden auch weiterhin zu den Heat, Mavericks oder L.A. Lakers dieser Welt streben.

Denn auch die "Sign-and-Trade-Klausel" hat die harte Linie der weniger gut betuchten Besitzer um Michael Jordan (Charlotte Bobcats) nahezu unbeschadet überstanden.

Somit flirtet Chris Paul (New Orleans Hornets) weiterhin mit den New York Knicks, und Center-Gigant Dwight Howard denkt an die Lakers.

Luxussteuer steigt erst ab 2012

Zudem wurde nun bekannt, dass die geforderte Erhöhung der Luxussteuer - sie muss ab einem Gehaltsniveau von 70 Millionen Dollar gezahlt werden - erst zur Saison 2012/2013 einsetzen wird.

Bis dahin können Mavericks-Besitzer Mark Cuban (zahlte 2010/2011 18 Millionen) oder Lakers-Boss Jerry Buss (19 Millionen) ihre Mehreinnahmen so investieren.

"Air" Jordan kassiert

Doch es gibt Hoffnung für Milwaukee, Sacramento und Charlotte.

Denn die von "Air" Jordan schon lange geforderte solidarische Aufteilung der Steuern und Teile der zusätzlichen Einnahmen - beispielsweise teameigene TV-Verträge - ist enthalten.

So werden kleinere Mannschaften künftig dreimal so viel Geld von den großen Namen erhalten - in der MLB existiert ein ähnliches System.

Steuern steigen

Außerdem wird sich die Luxussteuer in zwei beziehungsweise drei Jahren drastisch erhöhen, jährliche Steuerzahler werden sogar noch stärker zur Kasse gebeten.

Anhand der Zahlen der vergangenen Spielzeit hätte Dallas nach den neuen Regeln rund 60 Millionen Euro zu zahlen, das würde wohl selbst Cuban abschrecken.

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