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Dirk Nowitzki (l.9 wurde 2007 zum wertvollsten Spieler der NBA gewählt © getty

Die NBA befreit sich aus dem Lockout-Sumpf. Nowitzki profitiert. Ein Trio sahnt ab. SPORT1 stellt Gewinner und Verlierer vor.

Von Eric Böhm

München - Die Vorweihnachtszeit hat für alle NBA-Fans schon einen Tag vor dem ersten Advent begonnen.

Die per Handschlag besiegelte Beendigung des unsäglichen Lockouts und der anvisierte Saisonstart am 25. Dezember haben den "nuklearen Winter" abgewendet (AKTUELL: Hand drauf: NBA-Saison startet Weihnachten!).

Trotzdem profitieren einzelne Spieler, Teams, Besitzer oder Funktionäre mehr von der Einigung als andere.

"Es sind natürlich alle froh, dass es Weihnachten endlich losgeht. Die Superstars können aufatmen, für einige ist dieser Deal aber kein Grund zur Freude", bilanziert der einstige Superstar und TV-Analyst Charles Barkley.

Nachdem sich die Euphorie gelegt hat gibt SPORT1 einen Überblick über die Gewinner und Verlierer des Lockouts sowie des neuen Tarifvertrags.

GEWINNER

Dirk Nowitzki

Der deutsche Superstar stand laut Kumpel Demond Greene "kurz vor einem Wechsel nach Europa", jetzt kann er am 9. Dezember topfit ins Training bei den Dallas Mavericks einsteigen.

Zudem muss er "nur" 66 Saisonspiele bestreiten und bekommt am 25. Dezember auch noch vor dem Spiel gegen Finalkontrahent Miami seinen lang ersehnten Meisterschaftsring (ANALYSE: Neue Mavs-Stars im Anmarsch?).

Kobe Bryant

Der Superstar wird mit seinen 25 Millionen Dollar in den kommenden Jahren der bestbezahlte NBA-Akteur bleiben.

Er wechselte nicht zu Virtus Bologna und entging damit dem Zugriff des offenbar zu Handgreiflichkeiten mit Spielern neigenden Trainers Alex Finelli (NEWS: Bayern holen Skandal-Center).

Außerdem verliert "Black Mamba" auf seiner Jagd nach Kareem Abdul-Jabbars NBA-Punkterekord nur 16 Partien - aktuell fehlen ihm noch ca. 10.500 Zähler.

Mavericks, Lakers, Heat

Die drei Topteams stehen exemplarisch für den "Geldadel" der Liga. Unverhofft holten die Spieler mit ihrer Kartellklage gegen die Liga noch ein paar Zugeständnisse für die spendablen Eigentümer Mark Cuban, Jerry Buss oder Mickey Arison raus.

Auch in Zukunft werden die Superstars in die großen Märkte drängen (HINTERGRUND: Ausgeglichenheit? Heat prassen - Jordan ausgebremst).

Dwight Howard, Chris Paul, Deron Williams

Die sogenannte "Sign-and-Trade-Klausel", auf die sich beispielsweise Carmelo Anthonys Wechsel nach New York stützte, ist trotz des Widerstandes einiger Eigentümer auch im neuen Tarifvertrag enthalten.

Damit dürfte den drei dicksten Fischen der Free-Agent-Klasse von 2012 ein großer Zahltag auch bei Klubs wie den Knicks, Mavericks oder Lakers bevorstehen.

Den aufnehmenden Klubs ermöglicht es, Spieler mit langfristigen Verträgen an sich zu binden, obwohl die Klubs selbst aufgrund des weichen Salary Caps keine Verträge mit den Spielern hätten abschließen dürfen.

Derek Fisher

Der Guard der Los Angeles Lakers hat in den vergangenen fünf Monaten als Verhandlungsführer der Spielergewerkschaft (NBPA) fast mehr an Profil gewonnen als durch seine fünf Meisterschaften.

Sein persönlicher Kontakt zu Spielern und Liga-Funktionären hat ihm ebenso Pluspunkte beschert, wie seine unaufgeregten Statements. Nach dem Karriereende könnte ein Job bei der NBA für den 37-Jährigen rausspringen - speziell nach der Einigung.

David Stern

Eine verlorene Saison hätte sein Lebenswerk - er ist seit 1984 NBA-Boss - stark beschädigt. Die Beschaffenheit des Deals zeigt, er hat seine Besitzer im Griff.

VERLIERER

Michael Jordan

Der beste NBA-Profi aller Zeiten kämpfte an vorderster Front für die kleineren Teams und gegen Zugeständnisse an die Spieler.

Der Besitzer der Charlotte Bobcats bekam einen strengeren Tarifvertrag, der aber nach wie vor Schlupflöcher beinhaltet.

Außerdem schadete "His Airness", der einst einem Eigentümer sagte, er solle das Team verkaufen, wenn er keinen Profit machen könne, seinem Ansehen.

Die Lockout-"Flüchtlinge" ohne Rückfahrkarte

Viele Spieler glaubten den Negativberichten der vergangenen Wochen und entschieden sich für ein Engagement im Ausland.

Im Gegensatz zu Deron Williams, Ty Lawson oder Serge Ibaka gingen Spieler wie Aaron Brooks nach China und erhielten dort keine Ausstiegsklausel für eine Rückkehr.

Denver Nuggets / J.R. Smith

Besonders heftig erwischte es die Denver Nuggets. Mit Wilson Chandler, Kenyon Martin und J. R. Smith hängen nun gleich drei wichtige Spieler im Land des "roten Drachen" fest.

Scharfschütze Smith verletzte sich auch noch am Knie. Bis zum Saisonende im März müssen sie nun ausharren. "Die ganze Nacht gibt es laute Geräusche. Die Stadt sieht wie ein Kriegsschauplatz aus", twittert Chandler.

Die NBA-Routiniers

Sie werden die Zeche für die Zugeständnisse an Superstars und reiche Klubs bezahlen. In Zukunft werden solide bis gute Spieler, die über 33, 34 Jahre alt sind, nur noch das sogenannte "Veteranen-Minimum" und Einjahresverträge erhalten. Jobsicherheit sieht anders aus.

Außerdem wird ihnen die lange Spielpause kurzfristig mehr schaden als jüngeren Akteuren.

David Stern / Billy Hunter

Der Commissioner konnte den "nuklearen Winter" zwar gerade noch abwenden, doch es gibt keinen Grund, warum diese Vereinbarung nicht schon im Juni hätte getroffen werden können.

Daran hat auch NBPA-Geschäftsführer Billy Hunter einen Anteil. Die Kontrahenten fühlten sich zu oft in ihren Privatkrieg von 1998 zurückversetzt. Damals verkürzte der bis dato letzte Lockout die Spielzeit auf 50 Spiele. Durch persönliche Eitelkeiten gefährdeten sie ihr Produkt.

Gesamteinnahmen, Gewinnverteilung, Luxussteuer

Hoffentlich verschwinden diese Begriffe für eine lange Zeit aus dem Vokabular von Fans, Spielern, Funktionären oder Eigentümern.

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