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Jeremy Lin (l.) ist der erste Amerikaner taiwanesischer Abstammung in der NBA © getty

Selbst Bryants Lakers können Jeremy Lins Aufstieg nicht bremsen. Miamis Coach kritisiert James. Paul trifft die Sixers ins Herz.

Von Eric Böhm

München - Der kometenhafte Aufstieg des Jeremy Lin wird immer mehr zu einer modernen Aschenputtel-Geschichte.

Der vor der Saison nur eingefleischten Insidern bekannte Guard bescherte den New York Knicks durch das 92:85 (49:41) im Prestigeduell gegen die Los Angeles Lakers den vierten Sieg in Folge (516116DIASHOW: Die 7. Woche der NBA).

Lin stellte mit 38 Punkten nicht nur eine persönliche Bestmarke auf, er gewann auch das Duell gegen Superstar Kobe Bryant (34 Zähler, zehn Rebounds).

"Ich wollte das Spiel ganz normal angehen und alles geben. Es war eine unglaubliche Woche für mich", sagte Lin, der in den letzten vier Partien immer auf mindestens 23 Punkte kam.

Promis flippen aus

Die Reaktionen über die diversen sozialen Netzwerke überschlugen sich. Schauspieler und Ex-Wrestler Dwayne "The Rock" Johnson sah "die Geburt eines neuen Stars."

Der frischgebackene Super-Bowl-Champion Justin Tuck von den New York Giants drückte seine Begeisterung blumiger aus: "Linsanity! Ich bin gesegnet, ein Sportler in dieser Stadt zu sein."

Lin war erst im Dezember zu den Knicks gewechselt, weil ihn die Golden State Warriors und Houston Rockets zuvor entlassen hatten (SERVICE: Die Tagesbesten).

Lin ersetzt die Stars

Doch auch in New York ließ der Durchbruch das Absolventen der renommierten Harvard University auf sich warten.

Erst als Carmelo Anthony mit Leistenproblemen und Amare Stoudemire - er kümmert sich nach dem Tod seines Bruders um die Familie - ausfielen, sprang Lin eindrucksvoll in die Bresche.

Auch gegen den Ex-Meister zeigte er seine außergewöhnlichen Qualitäten als Distanzschütze und Ballverteiler - dem Guard taiwanesischer Abstammung gelangen sieben Assists.

Lob von Bryant

Die Knicks gingen mit einem knappen Vorsprung ins Schlussviertel. Immer wenn die Lakers drauf und dran waren auszugleichen, schlug Lin mit einem eiskalten Treffer zurück.

"Ich denke, das ist eine tolle Story. Für viele junge Spieler ist das eine Lektion. Harte Arbeit und Durchsetzungsvermögen zahlen sich aus", lobte selbst Bryant.

Kein anderer Knicks-Spieler kam auf mehr als zwölf Zähler. Bei den Lakers verbuchte Pau Gasol (16 Punkte, zehn Rebounds) ein Double-Double.

Der Abend gehörte jedoch Lin, der im voll besetzen Madison Square Garden mit MVP-Rufen minutenlang gefeiert wurde (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

SPORT1 fasst das weitere Geschehen aus der NBA zusammen:

Washington Wizards - Miami Heat 89:106

Den Miami Heat gelang durch ein ungefährdetes 106:89 (52:42) bei den Washington Wizards der erwartete Pflichtsieg.

Einmal mehr dominierten Dwyane Wade (26 Punkte), Chris Bosh (24) und LeBron James (18 Zähler, neun Assists) das Geschehen beim Vize-Meister.

Wade und James boten den Zuschauern darüber hinaus eine spektakuläre Show mit diversen einhändigen Alley-Oop-Dunkings.

"Ich glaube, das erwarten die Leute von ihren Lieblingsspielern. Es hat viel Spaß gemacht. LeBron lässt mich immer gut aussehen", freute sich Wade.

Kritik von Spoelstra

Für Coach Erik Spoelstra war es allerdings speziell in der Endphase etwas zu viel des Guten. Denn das Duo übertrieb die Show gegen einen unterlegenen Gegner.

"Wir wollen effizient sein. Das ist am wichtigsten. Wir haben ein Team, das aus solchen Aktionen viel Energie zieht, aber wir müssen da die Situation besser einschätzen und die einfachen Punkte machen", übte Spoelstra leise Kritik an seinem Starensemble.

Für die hilflosen Wizards markierte Nick Young 22 Punkte. "Keiner will so eine Show gegen sich sehen, aber das liegt nicht zuletzt an uns", sagte Wizards-Trainer Randy Wittman

Philadelphia 76ers - Los Angeles Clippers 77:78

Chris Pauls Volltreffer sicherte den Los Angeles Clippers ihren 78:77 (41:43)-Auswärtssieg bei den Philadelphia 76ers.

3,2 Sekunden vor der Schlusssirene versenkte der überragende Point Guard (24 Punkte) den Gamewinner im Rückwärtsfallen.

"Das wäre fast hässlich geworden. Ich warf Blake Griffin den Ball durch die Beine. Ich muss mich bei ihm bedanken, dass er sich hingeschmissen und den Ball irgendwie wieder zu mir gebracht hat. Nur deshalb haben wir gewonnen", fasste Paul zusammen.

"Es ist enttäuschend"

Griffin steuerte 16 Zähler und elf Rebounds bei. Randy Foye (zehn Punkte) und Mo Williams (14) kompensierten erneut den Ausfall des Routiniers Chauncey Billups (Achillessehnenriss).

Das enge Spiel der beiden Emporkömmlinge wogte über die gesamten 48 Minuten hin und her.

Innerhalb der letzten drei Minuten wechselte die Führung fünfmal. Lou Williams brachte die Sixers 18 Sekunden vor Schluss in Führung, ehe Pauls großer Auftritt kam.

"Es ist enttäuschend, zwei Heimspiele in Folge zu verlieren. Wir müssen das wegstecken und die Siege auswärts zurückholen", meinte "Phillys" Topscorer Elton Brand (zwölf Zähler).

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