vergrößernverkleinern
Chris Kaman wurde im NBA-Draft 2003 an der sechsten Stelle ausgewählt © getty

Die Hornets wollen den Nationalspieler loswerden. Das Interesse hält sich in Grenzen. Eine heiße Spur führt in den Osten.

Von Eric Böhm

München - Er ist wohl einer der meist unterschätzten Spieler: Chris Kaman personifiziert wie kein Zweiter den Ausspruch "unter dem Radar fliegen".

Selbst wenn er Bestandteil eines der größten und meistdiskutierten Trades der vergangenen Jahre ist, nimmt ihn die Öffentlichkeit nur als Randnotiz war.

Entsprechend wenig Aufsehen erregte auch die Entscheidung der New Orleans Hornets, den All-Star von 2010 auszumustern und quasi auf dem NBA-Wühltisch anzupreisen.

"Ich muss das akzeptieren. Es ist ein Geschäft. Die Trades und die Entscheidungen der Franchise kann ich ohnehin nicht beeinflussen", ließ sich der Center nicht aus der Ruhe bringen.

Kaman im Schatten

Dabei wäre ein wenig Empörung durchaus angebracht. Erst im Dezember war er nach dem endlosen Hickhack um Superstar Chris Paul in einem Paket mit zwei anderen Akteuren von den Los Angeles Clippers nach New Orleans gekommen.

Im Blickpunkt stand damals vor allem Youngster Eric Gordon, der bis heute jedoch nur zwei Spiele für die Hornets absolvieren konnte und nun am Knie operiert werden muss.

Über Kaman sprach niemand, obwohl er seit Jahren zu den produktivsten Centern der Liga gehört. Wenn der 120-Kilo-"Bulldozer" hundertprozentig fit ist, garantiert er regelmäßige Double-Doubles.

Hornets müssen sparen

Mit 29 Jahren hat der auf einer Farm in Michigan aufgewachsene Naturbursche auch noch einige Jahre auf Spitzenniveau vor sich.

Trotzdem wollen die Hornets laut Manager Dell Demps "jüngeren Spielern mit viel Potenzial mehr Spielzeit ermöglichen und sie weiterentwickeln."

Mit jünger meint Demps aber eher billiger. Das Team gehört nach wie vor der NBA und ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Kaman stehen aus seinem Clippers-Vertrag in dieser Saison 14 Millionen Dollar zu.

Nach der Spielzeit läuft der Vertrag des bodenständigen Waffenliebhabers, der Fischen und Jagen als seine Hobbys nennt, aus - Verlängerung ausgeschlossen.

"Weiß, was ich kann"

Deshalb versucht New Orleans bis zur Trading Deadline am 15. März noch ein Auswahlrecht in einem zukünftigen Draft oder ein junges Talent rauszuschlagen.

Gegen Utah (Bericht) lieferte Kaman mit 27 Punkten sowie 13 Rebounds erneut eine exzellente Bewerbung für ein Engagement bei anderen Teams ab (519003DIASHOW: Die 8. Woche der NBA).

Ende Januar hatten ihn die Verantwortlichen aus Angst vor einer Verletzung für sieben Spiele auf Eis gelgt. Da sich kein Trade anbahnte, spielt er nun seit der vergangenen Woche wieder.

Aufgrund der drastisch reduzierten Spielzeit ist sein Karriereschnitt auf 11,7 Punkte sowie 8,3 Rebounds pro Partie abgesackt, aber wenn er mehr als 20 Minuten eingesetzt wurde, gelang ihm nur dreimal keine zweistellige Punktausbeute.

"Ich weiß, was ich kann. Ich versuche einfach, positiv zu bleiben und das Beste aus meiner Situation zu machen", betonte Kaman.

Anfälligkeit macht Sorgen

Sportlich und charakterlich ist der ungewöhnliche Typ für jedes Team ein Gewinn. Das zeigte er auch bei der fürs DBB-Team unglücklich gelaufenen Europameisterschaft - damals ließ er sich trotz enttäuschender Ergebnisse nie hängen und ging voran.

Lediglich seine Verletzungsanfälligkeit könnte etwaige Interessenten abschrecken. In zwei der vergangenen drei Jahre absolvierte er aufgrund verschiedener Blessuren keine 35 NBA-Spiele.

Das mangelnde Interesse verblüfft dennoch. Vielleicht liegt es an seiner unscheinbaren Art. "Ich fühlte mich in der NBA schon immer wie ein Fremder", bekannte "Anti-Showman" Kaman einst.

"Dreiköpfiges Monster" in Indiana?

Aktuell gelten die Indiana Pacers als heißeste Kandidaten, denn sie haben den nötigen Spielraum unter der Gehaltsobergrenze.

Mit All-Star Roy Hibbert und dem ehemaligen Hornets-Star David West könnte Kaman ein "dreiköpfiges Monster" bilden, das die Pacers im Osten zum Mitfavoriten machen würde (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Stimmen, die ihn auf dem absteigenden Ast sehen, tritt er - ganz entgegen seines Rufes - sehr giftig entgegen.

"Das war heute kein Statement. Ich zeige seit acht Jahren, dass ich in dieser Liga spielen kann. Ich muss mich nicht anbiedern, ich hatte schon viele starke Spiele", sagte Kaman nach dem Sieg gegen Utah.

Mavs wohl frühestens im Sommer ein Thema

Dirk Nowitzki sähe den Nationalmannschaftskollegen sicher gern in Dallas, aber die Mavericks haben weder finanzielle Möglichkeiten noch attraktive Draft-Picks anzubieten.

Der Titelverteidiger konzentriert sich auf die Free-Agent-Phase im Sommer. Sollte Wunschkandidat Dwight Howard dann nicht kommen, wäre Kaman eventuell ein interessanter Plan B.

Wo auch immer der Big Man landet, aus dem abgelegten Ladenhüter könnte ein echtes Schnäppchen werden.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel