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Kobe Bryant gewann mit den Los Angeles Lakers bereits fünf Meisterschaften © getty

Diverse Topstars liegen auf Eis. Selbst Nowitzki oder Bryant sind nicht immun. DBB-Arzt Neundorfer nennt bei SPORT1 Gründe.

Von Eric Böhm

München - Jetzt hat es also auch Kevin Garnett und All-Star LaMarcus Aldridge erwischt.

Die beiden Big Men sind die aktuellsten Opfer einer beispiellosen Verletzungswelle unter den Superstars der NBA.

Selbst scheinbar unzerstörbare Dauerbrenner wie Dirk Nowitzki, Kobe Bryant oder auch der junge MVP Derrick Rose leiden oder litten unter dem hastig zusammengeschusterten Spielplan nach dem kurzfristigen Ende des Lockouts im Dezember.

"Die Vielzahl von Malaisen bei den Spielern hat mit der hektischen Vorbereitung und den vielen Spielen innerhalb kürzester Zeit zu tun", bestätigte Dr. Thomas Neundorfer, der Teamarzt der deutschen Nationalmannschaft gegenüber SPORT1.

Große Namen leiden

Auffällig ist, dass besonders die ganz großen Namen betroffen sind. Kobe Bryant von den L.A. Lakers kämpfte zu Saisonbeginn beispielsweise mit Schmerzen im Handgelenk.

Carmelo Anthony (New York Knicks) laborierte im Saisonverlauf bereits an diversen Blessuren. Aktuell legen "Melo" Leistenprobleme auf Eis.

Drei Spiele an aufeinanderfolgenden Tagen sind aufgrund der zeitlichen Zwänge keine Seltenheit. Selbst vier Partien an fünf Abenden sind möglich.

Mavericks gebeutelt

Und auch Neundorfers unzerstörbarer Schützling Dirk Nowitzki bekam diese Belastung zu spüren und musste Ende Januar mit Knieproblemen sogar eine einwöchige Spielpause einlegen.

"Ich habe ihm gesagt: Du spielst 13 Saisons in der NBA. Wenn man die vielen Spiele nimmt, ist das, als ob du 26 Jahre in einer europäischen Liga gespielt hast. Nicht nur Dirk hat einen Fehlstart hingelegt, sondern auch andere", sagte der DBB-Doc.

Die Mavericks mussten darüber hinaus mit dem desaströsen konditionellen Zustand von Neuzugang Lamar Odom fertig werden. Jetzt fällt Delonte West mit einem Fingerbruch aus.

Finanzielle Zwänge

Die Spieler und ihre Gewerkschaft tragen an dem Dilemma allerdings eine Mitschuld.

Alle Parteien brachten sich über Sommer und Herbst mit ihrer uneinsichtigen Art in die Bredouille, auf den letzten Drücker noch eine Einigung im Lockout-Streit zu präsentieren.

Nicht zuletzt wegen finanzieller Erwägungen wurde zu Weihnachten nach nur zwei Testspielen pro Team mit einer nur um 16 Partien verkürzten regulären Saison begonnen, die unwesentlich bis Ende April verlängert wurde.

Van Gundy übt Kritik

Die Rechnung wird Liga-Boss David Stern jetzt in Form vieler langweiliger Spiele und einer Flut von verletzten Aushängeschildern präsentiert.

"Das war abzusehen. Speziell die Führungsspieler absolvieren nahezu genauso viele Minuten wie in den letzten Jahren, haben aber viel weniger Ruhephasen. Das ist keine gute Kombination", betonte Ex-Coach und TV-Analyst Jeff Van Gundy.

Nicht nur Veteranen betroffen

Die Reisestrapazen sind ebenfalls nicht förderlich. Auf Heimspiele folgen häufig umgehend Auswärtsauftritte mit den unvermeidlichen langen Flügen kreuz und quer über den Kontinent.

Die vielen Muskel- und Rückenbeschwerden können auch darauf zurückgeführt werden. Die große Belastung für Gelenke und Knie ist ohnehin immer einzukalkulieren.

Auch das Argument, dass häufig ältere Akteure wie Bryant, Jason Kidd oder Garnett - der Celtics-Forward leidet an Hüftproblemen - betroffen sind, gilt nur bedingt.

Schließlich muss aktuell auch der jüngste MVP aller Zeiten zuschauen. Die Chicago Bulls schickten Derrick Rose nun sogar zu einem Rückenspezialisten.

"Wir müssen vernünftig mit der Situation umgehen. Er zieht sein Reha-Programm durch. Wann er wieder spielen kann, ist aktuell nicht absehbar", sagt Coach Tom Thibodeau.

All-Star-Desaster droht

Die NBA hat sich mit dem komprimierten Spielplan keinen Gefallen getan (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Denn neben Rose droht mit LaMarcus Aldridge (Sprunggelenksverletzung) ein weiteres junges Zugpferd das All-Star Game in Orlando (26. Februar) zu verpassen (514330DIASHOW: Die All-Stars 2012).

Das Auswahlspiel ist für die Liga jedes Jahr ein Prestigeevent, um die Popularität auf der ganzen Welt zu steigern. Verletzte Stars stören bei diesem Vorhaben gewaltig.

Minuten reduzieren?

Doch wie kann diese unfassbare Welle überhaupt gestoppt oder wenigstens gebremst werden?

"Die reale Spielzeit ist ein wesentliches Kriterium für die Belastung. Wenn man dem Spieler statt 30 Minuten 20 gibt, dann ist das eine kluge und komfortable Entscheidung, wenn man es sich leisten kann", meinte Neundorfer.

Folgen für Playoffs?

Dadurch könnte letztendlich sogar die Meisterschaft entschieden werden.

"Wenn es am Schluss der Saison eng wird, wenn die Playoffs kommen, haben die Spieler mit Reserven einen großen Vorteil", ist der Mediziner sicher.

Aktuell stehen mit Oklahoma City, Chicago oder Miami relativ junge Teams, die über ihre Athletik kommen, an der Spitze der Liga.

Die Bulls kompensierten ihre Ausfälle bisher außergewöhnlich gut, aber die Playoffs 2012 könnten vor diesem Hintergrund zum Glücksspiel werden.

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