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LeBron James (l.) erreichte mit den Cleveland Cavaliers 2007 die NBA-Finals © getty

Plant Miamis Superstar die Rolle rückwärts? LBJ schließt eine Rückkehr zu den Cavaliers nicht aus: "Es würde Spaß machen."

Von Eric Böhm

München/Cleveland - Das wäre ein Hammer: LeBron James zieht offenbar eine Rückkehr nach Cleveland ernsthaft in Betracht.

Der Star der Miami Heat tritt zum dritten Mal seit seinem zum Spektakel hochstilisierten Wechsel wieder in seiner Heimat an. Im Sommer 2010 wurde er in Rekordzeit vom Publikumsliebling zur Hassfigur.

Am Rande des Abschlusstrainings vor dem Duell mit den Cavaliers (ab 1.30 Uhr LIVESCORES) äußerte sich James erstmals zu seit Monaten schwelenden Gerüchten.

"Ich glaube, es wäre großartig und würde Spaß machen. Du kannst die Zukunft nicht vorhersagen. Ich würde es nicht ausschließen", sagte der 27-Jährige.

Ärger bei den Heat

Bereits im Januar berichtete "FoxSports Ohio" mit Bezug auf eine nicht genannte Quelle aus seinem Umfeld, dass sich James bei den Heat nicht wohlfühle.

In der Traum-Ehe, die gleich mehrere Meisterschaften bringen sollte, seien schon nach der verpassten NBA-Meisterschaft im Finale 2011 gegen Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks die ersten Risse entstanden.

Es wurde immer wieder spekuliert, der sensible zweimalige MVP komme mit der autoritären Art von Teampräsident Pat Riley nicht klar. Seine schwachen Leistungen in der Endphase nahezu aller Finalspiele habe Riley intern scharf kritisiert.

James bittet Fans um Vergebung

James stellte seinen überraschenden Äußerungen zwar die übliche Floskeln ("Ich fühle mich wohl") voran, aber eine solche Positionierung sendet deutliche Signale.

"Ich hatte hier eine schöne Zeit. Es wäre toll, wieder vor diesen Fans zu spielen. Ich hoffe, die Fans werden mich akzeptieren, wenn ich mich entscheide zurückzukommen", lehnte sich der "King" sehr weit aus dem Fenster.

Ausstiegsklausel 2014

Bei den Verantwortlichen in Miami müssen zwar noch nicht die Alarmglocken schrillen, aber verhindern könnten sie die Rolle rückwärts ihres Topscorers nicht.

Sein Vertrag bei den Heat läuft zwar noch vier Jahre, allerdings könnte der zweimalige MVP 2014 von einer Ausstiegsklausel Gebrauch machen.

Teamkollege Dwyane Wade - er hatte James und Chris Bosh von der Formierung des "Miami Thrice" getauften Triumvirats überzeugt - dementierte nicht.

"Alles ist möglich. Hoffentlich macht er es erst, wenn ich aufgehört habe", meinte der Shooting Guard.

Kein Kontakt

Ein größeres Hindernis wäre zweifellos die alte Heimat. Eine Aussöhnung mit dem gefallenen "König von Cleveland" scheint nur schwer vorstellbar.

LBJ hatte seinen Abschied aus der Heimat 2010 in einem mittlerweile berüchtigten TV-Special regelrecht zelebriert und damit Fans, Verantwortliche und nicht zuletzt Cavaliers-Eigentümer Dan Gilbert gegen sich aufgebracht.

Seit dem Free-Agent-Meeting am 3. Juli 2010 sprachen beide Parteien nur noch über die Medien übereinander, vor allem von Gilberts Seite flogen die Giftpfeile.

Unter anderem sprach er in einem offenen Brief an die Fans von einem "feigen Verrat eines selbstverliebten Egoisten".

"Hege keinen Groll"

Inzwischen ist viel Gras über diese Geschichte gewachsen. James lebt in der Offseason nach wie vor in Akron, Ohio und engagiert sich für viele soziale Projekte in und um Cleveland.

Clevelands Rookie Tristan Thompson wird von Berater Rich Paul vertreten, der seit Jahren eng mit James befreundet ist.

"Ich hege keinen Groll. Dan hat diese Sachen aus Wut gesagt. Heute würde er einiges mit Sicherheit nicht mehr so sagen. Ich habe aber auch Fehler gemacht und würde viele Dinge zurücknehmen. Du lernst aus Fehlern", gab sich der achtmalige All-Star versöhnlich (514330DIASHOW: Die All-Stars 2012).

Gibson nachtragend

Seit Saisonbeginn betonte James zudem immer wieder, dass ihm die Rolle des Bad Boy aus der vergangenen Saison nicht gelegen habe

"Ich spiele jetzt wieder so, wie in Cleveland. Ich habe heute wieder Spaß am Spiel und die nötige Achtung. Das war im letzten Jahr nicht so", bestätigte der Flügelspieler.

Tatsächlich unterlässt er heuer nach spektakulären Aktionen, die oftmals als arrogant bewertenden Jubel-Inszenierungen.

Auch die gellenden Buhrufe in fremden Hallen sind größtenteils verstummt. In Cleveland wird dies allerdings wieder anders sein. Denn komplett sind die Wunden noch nicht verheilt.

"Ich glaube nicht, dass er willkommen wäre. Speziell im Hinblick auf diesen Abgang", sagte Cavaliers-Guard Daniel Gibson. Ob die Fans auch so nachtragend wären?

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