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David Stern ist bereits seit 1984 Commissioner der NBA © getty

NBA-Boss Stern streitet Folgen der gestrafften Saison ab. Ein Seattle-Comeback gäbe es nur auf Kosten eines jetzigen Standorts.

Aus Orlando berichtet Michael Spandern

Orlando - Für schlechte Nachrichten ist beim All-Star Weekend in Orlando kein Platz. Da trifft es sich gut, wenn es kaum drei Monate nach Ende des Tarifstreits auch keine gibt - wie NBA-Boss David Stern behauptet.

"Alles ist gut", meinte der Commissioner eingangs einer Pressekonferenz am Samstagabend. Nicht nur der reformierte All-Star-Freitag mit dem Rising Stars Game habe Rekordwerte erzielt, auch die Liga sei gemessen an Zuschauerzahlen und Berichterstattung "großartig" im Geschäft (523060DIASHOW: Das Rising Stars Game 2012).

Und nicht zuletzt durch Jeremy Lins Cinderella-Story werde wieder deutlich, welche Chancen die NBA und ihr Unterbau Development League bietet.

"Das ist die universelle Geschichte"

"Dallas brachte ihn in die Summer League, Houston gab ihm eine Chance, New York gab ihm eine Chance, und dann kam, was jeder Spieler bekommen will - die Gelegenheit."

Bis dahin hat er sich so angestrengt, um sich körperlich und technisch zu verbessern, dass er nicht mehr derselbe wie in der Summer League war", erzählt Stern das Märchen neu. "Wir sind stolz auf ihn!"

"Ein Underdog, der sich weiterentwickelt - ich denke das ist die universelle Geschichte", folgerte der Rechtsanwalt.

Stern: Keine Häufung von Verletzungen

Was er nicht erwähnte: Die Gelegenheit ergab sich für Lin dadurch, dass gleich mehrere Knicks verletzt ausgefallen waren. Auch andernorts haben Fans und Verantwortliche das Gefühl, dass es in Folge der verdichteten Saison zu einer Verletzungsflut gekommen ist.

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Stern nicht. "Ich habe mir das kürzlich angesehen und würde sagen, dass die Zahl der Verletzungen ungefähr die gleiche ist wie im Vorjahreszeitraum. Nur verpassen die Betroffen nun einige Spiele mehr, da es weniger spielfreie Tage gibt."

Kritik lässt Stern auch nicht daran gelten, dass die NBA den Trade von All-Star Chris Paul zu den Los Angeles Lakers untersagt hat. Der Spielmacher wurde stattdessen an deren Stadtrivalen Clippers abgegeben, von dem die New Orleans Hornets einen geringeren Gegenwert erhielten.

Existenzsorgen in Sacramento

Die Liga habe es nicht verboten, stellt Stern klar, sondern der Repräsentant der Hornets-Besitzer. "Aber das sind doch Sie", beharrt ein Journalist. "Korrekt", so die knappe Antwort.

Ob das Veto denn nun richtig war? "Kaufen Sie sich ein Ticket und sehen Sie es sich an", weicht Stern aus.

Sorgen macht sich derzeit nicht nur New Orleans, sondern auch Sacramento - und zwar existenzielle. Mit dem zu finanzierenden Bau einer neuen Arena steht und fällt der Bestand des NBA-Standorts. Bis zum 1. März muss eine Lösung her.

Stern macht klar, dass die Liga kein Geld dazugeben werde. Die Maloofs (die Besitzer des Teams) und die Stadt Sacramento müssten sich halt weiter als bisher strecken.

Deputy zu Gast bei Yao

Falls nicht, könnte der Nutznießer Seattle heißen. Dort schwelen Gerüchte über ein Comeback der NBA-Franchise. Allerdings nur auf Kosten einer bestehenden: Stern betonte, dass es auch in Zukunft nicht mehr als 30 Teams in Nordamerika geben werde.

Zuständig für etwaige Expansionen jenseits von Amerika ist sein Deputy Commissioner Adam Silver. Der kümmert sich zwar momentan eher weniger um eine Europa Division, von der einige Europäer träumen.

Dafür ist er an den Schanghai Sharks dran, deren Besitzer die NBA-Legende Yao Ming ist. Ob mehr als Vorbereitungsspiele für die Haie drin sind, ließen die hohen Herren im Dunkeln. Aber noch vor zwei Wochen hat sich Silver zusammen mit Yao ein Ligaspiel angesehen - sicher mehr als ein Höflichkeitsbesuch.

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