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Power Forward Kevin Love spielt seit 2008 bei den Minnesota Timberwolves © getty

Den Trainern zum Trotz hat sich der Beach-Boy-Neffe zum Distanzschützen entwickelt - und tritt in Nowitzkis Fußstapfen.

Aus Orlando berichtet Michael Spandern

Orlando - Fünf Jahre nach dem Wegtausch von Kevin Garnett haben die Minnesota Timberwolves ihren ersten Titel des Post-KG-Zeitalters.

Und vermutlich bedeutet er den Fans der gebeutelten Franchise wesentlich mehr, als der bislang einzige zählbare Erfolg ohne KG, den Enfant terrible Isaiah Rider 1994 als Dunking-Champion abräumte.

Denn Kevin Love, der Neffe des Beach-Boy-Musikers Mike Love und neuer Dreierkönig, ist eher der Gegenentwurf des egozentrischen Grenzgängers Rider, der nicht nur mit Mitspielern, Coaches und General Managern wiederholt aneinandergeriet, sondern auch mit dem Gesetz.

"Mir wurde gesagt, keine Dreier zu werfen"

Love dagegen gerät nur mit Gegenspielern aneinander und hat sich der Drecksarbeit unter den Körben verschrieben.

Umso bemerkenswerter ist sein Triumph beim All-Star Weekend in Orlando, wo sich der 23-Jährige im Tiebreak vor dem zweimaligen NBA-Topscorer Kevin Durant durchsetzte (523465DIASHOW: Die Bilder des Dreier-Wettbewerbs).

"Als ich in die Liga kam, wurde mir gesagt, keine Dreier zu werfen. Umso mehr spricht es für meine Vielseitigkeit, dass ich nun hier stehe, nachdem ich weiter an meinem Spiel gefeilt habe", sagte K-Love bei der Siegerehrung nicht ohne Genugtuung.

Durchsetzungsstark, durchsetzungsfreudig

Als zweiter Innenspieler nach Dirk Nowitzki 2006 und als erster amtierender Reboundkönig - aktuell liegt Love mit 14 Abprallern pro Partie ligaweit auf dem zweiten Platz - holte er sich die Krone der Distanzschützen (News: K-Love tritt Nowitzkis Erbe an).

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Und auch Dirkules zieht den Hut: "Ich freue mich für ihn. Er hat sich richtig gut entwickelt in den letzten zwei Jahren, kann über beide Schultern werfen, er ist dominant, ein aggressiver Rebounder. Tödlich von der Dreierlinie, und er dribbelt nun auch öfter zum Korb."

"Liebe es, unter den Körben zu wühlen"

Welche Coaches es waren, die im die Kunst des Dreiers untersagten, wollte er nicht verraten. Aber all jenen rief er noch mal in Erinnerung, dass er nicht nach außen geht, weil er die Drecksarbeit unter dem Korb scheut.

"Ich liebe es, unter den Körben zu wühlen und Rebounds zu holen, ich bin ein wirklich körperbetonter Spieler", sagte der 2011 zum meistverbesserten Spieler des NBA gewählte Power Forward: "Manchmal bin ich ein wenig aufgebracht, wenn ich nach dem Spiel kein Blut auf meinem Trikot habe."

"Ricky färbt ein wenig ab"

Nun aber hat er auch seine feinfühligen Qualitäten unter Beweis gestellt - was er auch auf Super-Rookie Ricky Rubio aus Spanien zurückführt: "Ich glaube, Ricky färbt ein wenig auf mich ab."

Rubio und Love, der seine Punktausbeute von 20,1 in der Vorsaison auf 25 gesteigert hat, sind nicht nur dafür verantwortlich, dass in Minnesota wieder Highlights zu sehen sind. Vielmehr werden wieder regelmäßig Siege gefeiert.

Mit einer ausgeglichenen Bilanz liegen die "Wölfe" nur einen Sieg hinter den Portland Trail Blazers, die im Westen derzeit den achten und letzten Playoff-Platz besetzen.

Stern sieht Hoffnung in Minnesota

Selbst NBA-Boss David Stern hat Notiz von der in den letzten Jahren arg grauen Maus genommen: "Ich beobachte sie, und ich finde es spektakulär, wenn Teams die Kehrtwende schaffen und ihren lange darbenden Städten Hoffnung machen."

Spektakulär. Ein Wort, dass die Fans in Minnesota lange nicht in Verbindung mit ihrem NBA-Team gehört haben. Love darf es sich ans Revers heften, ob nun mit oder ohne Blut.

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