Ein unumstrittener Volksheld wird Kobe Bryant nicht mehr. Aber ohne ihn würde der NBA und ihrem All-Star Game eine Reizfigur fehlen.

Es ist so eine Sache mit dem NBA All-Star Weekend. Kaum bekannte Youngster sollen mit zwölf Dunkings eine würdige Samstagabendshow bestreiten.

Und tags drauf dürfen dann die besten Basketballer der Welt stopfen, wobei ihre Kollegen Spalier stehen, bis sie selbst an der Reihe sind.

Wer nicht zu den Überfliegern zählt, darf seine Dribbeltricks vorführen, schlechtestenfalls fallen wie für Dirk Nowitzki nur einige Distanzwürfe ab.

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Erst wenn der Ausgang vor dem letzten Viertel noch nicht in Stein gemeißelt ist, schaltet die Defensive zumindest in den zweiten Gang, so sagt es das ungeschriebene Gesetz.

Einem wie Kobe Bryant schmeckt das nicht. Er will immer gewinnen, und wenn es sich anbietet, auch noch persönlich Meilensteine setzen.

Und wenn Michael Jordans Punkte-Rekord in Schlagdistanz ist, spielt für die "Black Mamba" auch keine Rolle, ob seine Körbe dem ihm ohnehin wenig zugeneigten Publikum in Orlando gefallen.

Letztlich holte er MJ nach etlichen unspektakulären Sprungwürfen mit vier Freiwürfen ein. Und zum Sieg verhalf er seinem West-Team durch Psychoterror gegen den Topwerfer des Ostens, den nervlich nicht gerade gefestigten LeBron James.

Gehört sich das im glamourösen All-Star Game, das King James mit krachenden Dunkings und atemberaubenden Dreiern bereichert hatte?

Viel eher sollte man sich fragen, was ohne verbissene Ruhmesjäger wie Bryant aus dem Spektakel wird.

Denn ein Spiel, ganz gleich wie hoch das Level ist, verliert seine Bedeutung, wenn die Protagonisten es nicht im Rahmen seiner Regeln zu gewinnen versuchen. Ansonsten ist es Zirkus.

Dass Kobe mit seiner Siegermentalität gerade bei den Showmännern aus Miami aneckt, darf nicht verwundern, vergaßen die doch selbst in den Finals im vergangenen Juni, dass große Töne und große Gesten nicht das Wichtigste sind.

Ohne Bryant würde nicht nur das All-Star Game eine Reizfigur verlieren, sondern James und Dwyane Wade jemanden, der ihnen Führungskraft beibringt.

Denn seine Attitüde hat - und auch hier ist er mit Jordan auf einem weit höheren Level als die Heat-Diven - seine Mitspieler oft dazu angespornt, selbst alles für den Sieg zu tun.

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