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LeBron James wurde mit den USA 2008 in Peking Olympiasieger © getty

Die Heat überrollen ihre Gegner, weil James auf MVP-Niveau spielt. In engen Partien bleiben Zweifel an seinen Qualitäten bleiben.

Aus Orlando berichtet Michael Spandern

Orlando - LeBron James hat sein Lächeln zurück. Zumindest behauptet er das.

Gefiel er sich noch in der Vorsaison als Schurke, wollte er diese Rolle nach der bitteren Pleite in den Finals gegen Dirk Nowitzkis Mavericks ablegen.

"Ich bin auf dem richtigen Weg, spiele wieder Basketball auf meine Weise - mit Freude, auf einem hohen Level", sagte er nach dem All-Star Game in Orlando (Bericht), wo er mit 36 Punkten maßgeblichen Anteil daran hatte, dass der Osten einen 21-Punkte-Rückstand beinahe egalisiert hätte (523845DIASHOW: Das All-Star Game 2012).

Das Versagen, wenn's drauf ankommt

Fünf teilweise abenteuerliche Dreier verwandelte er in der zweiten Spielhälfte. 1,9 Sekunden vor dem Ende hatte er aber nicht die Traute, unter Bedrängnis den Halbdistanzwurf zum Ausgleich zu nehmen.

Stattdessen leistete sich der Megastar der Miami Heat einen Fehlpass. Eine allerletzte Chance versiebte mit der Schlusssirene sein Heat-Kollege Dwyane Wade mit einem Verzweiflungsdreier aus der Ecke.

Und sofort waren sie wieder präsent: Die Zweifel an James' Fähigkeiten in den Endphasen, wenn es drauf ankommt. Sein Abtauchen in den Schlussvierteln der Finals lässt grüßen.

Acht deutliche Siege in Serie

Und bei allem Glanz seiner aktuellen Statistiken - 27,4 Punkte, 8,1 Rebounds und 6,8 Assists pro Partie: Als Beweis, dass er auch ein Mann der großen Momente ist, taugen sie nicht.

Zu dominant rollt der NBA-Spitzenreiter, der zwar die gleiche Bilanz wie Oklahoma City aufweist, aber das schwerere Programm absolviert hat, über seine Gegner hinweg.

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Seit der Delle Mitte Januar, als Miami drei Auswärtsspiele in Folge verlor, hat das Team von Trainer-Jungspund Erik Spoelstra 20 seiner 23 Partien gewonnen.

9,35 Punkte legen die Heat durchschnittlich zwischen sich und den Kontrahenten, die letzten acht Spiele wurden allesamt mit mindestens zwölf Zählern Unterschied gewonnen.

"An manchen Tagen bin ich es"

Aber fehlt da nicht der Charakter-Test in engen Partien? "Nein, nein", antwortet James SPORT1. "Von mir aus kann es ruhig so weitergehen."

Zumal auch Tom Thibodeau, der Coach des größten Ost-Konkurrenten Chicago Bulls, kein Problem beim "King" sieht: "Gewöhnlich ist er ein Spieler, der gute Entscheidungen trifft." Gewöhnlich.

Oft genug sucht James D-Wade, der sich in den Finals 2006 als formidabler Finisher bewährte und im Vorjahr ab und an übergangen fühlte, heißt es.

Ist Wade nun Miamis Go-to-Guy? "Momentan ist er das, weil es für ihn läuft", erläuterte James bei SPORT1. "Aber an manchen Abenden ist auch Chris Bosh der Go-to-Guy, wenn es bei ihm richtig läuft, und an manchen bin ich es. Bei uns können viele diese Rolle übernehmen."

Zwei Vertreter beim Dreier-Wettbewerb

Tatsächlich sind es nicht nur "Miami Thrice", die der Grund für die Steigerung im Vergleich zum ersten Jahr nach LeBrons "Decision" zum Wechsel nach Südflorida sind.

Shane Battier füllt auch bei den Heat seinen Job als menschlicher Klebstift perfekt aus, Rookie-Spielmacher Norris Cole hat überraschend gut eingeschlagen, James Jones und Mario Chalmers verwandeln die Distanzwürfe so hochprozentig, dass sie zum Dreier-Wettbewerb am All-Star Weekend berufen wurden.

"Miami ist für mich der große Titel-Favorit. Die Heat spielen auf einem unglaublich hohen Level, sie haben drei Superstars, ihre Rollenspieler spielen gut", lobt Nowitzki (INTERVIEW: Nowitzki spricht bei SPORT1).

James: Zumindest noch ein dritter Versuch

"Unser Team fühlt sich als Einheit, besonders wegen der Erfahrungen aus dem letzten Jahr", erläutert James, der durch "Linsanity" und die allgegenwärtigen Trade-Gerüchte um Dwight Howard weit weniger im Fokus steht.

Doch wenn die Playoffs beginnen, dürfte sich das ändern - eben wegen der Geschehnisse von 2011. Und dann könnte sich auch rächen, dass Miamis Defensive eher nachlässig zu Werke geht und ligaweit nur noch auf dem 22. Platz rangiert.

Eines ist klar: Nur der Titel zählt - ansonsten gelten die drei Superfreunde James, Wade, Bosh als Gescheiterte. Ob in diesem Fall auch "Miami Thrice" gesprengt würden? "Nein", stellt LBJ bei SPORT1 klar: "Wir haben für drei Jahre unterschrieben und erst dann schauen wir, was weiter passiert."

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