Wilder Westen: Nowitzkis Mavs gegen ein Dreigestirn
Von Eric Böhm
München - Einige Paarungen lassen noch auf sich warten, aber das Playoff-Feld im wilden Westen steht.
Nach der auf einen 66-Spiele-Sprint verkürzten Saison fiebern die acht besten Mannschaften der Western Conference der K.o.-Runde entgegen.
Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks gehören trotz einer turbulenten Saison zum zwölften Mal in Folge zum erlesenen Feld. Trotzdem ist der Titelverteidiger gegen die drei Top-Teams nur Außenseiter.
"Die Ausgangslage ist nicht so gut. Wir haben kein Heimrecht, das macht es ziemlich schwer. Wer einmal Meister war, will das immer wieder haben, dieses Gefühl", gibt sich Nowitzki angriffslustig.
Im Fernduell mit Denver zog Dallas am letzten Spieltag den Kürzeren und trifft in der ersten Runde auf Oklahoma City. ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).
SPORT1 analysiert die Stärken und Schwächen acht Kontrahenten und wagt eine Prognose.
• San Antonio Spurs
Stärken: Die totgesagten Spurs erleben ihren gefühlt achten Frühling und schlossen zum zweiten Mal in Folge als Spitzenreiter ab. (DIASHOW: Die Tops und Flops der Saison)
Dank Coach Gregg Popovichs Rotation gehen seine Stars Tim Duncan, Manu Ginobili und Tony Parker topfit in die Playoffs.
Außerdem baute er verstärkt Talente wie Danny Green oder Kawhi Leonard ein. Die spät verpflichteten Stephen Jackson und Boris Diaw verleihen dem Kader zusätzliche Tiefe.
Schwächen: Wenn überhaupt, ist die Abwehr verwundbar. Gegen dynamische Shooting Guards können sie nur den unerfahrenen Rookie Leonard aufbieten.
Auch Teams mit mehreren starken Big Men machen ihnen Probleme - siehe das Erstrundenaus gegen Memphis 2011.
SPORT1-Prognose:
Die Spurs haben im Westen den Heimvorteil und verloren nur fünfmal vor heimischer Kulisse. Nach dem letzten Lockout holten sie 1999 den Titel.
Wer sich im Westen durchsetzen will, muss an San Antonio vorbei.
• Oklahoma City Thunder
Stärken: Auf dem Papier sind die Thunder der Top-Favorit im Westen.
Kein Konkurrent kann mit ihrer Athletik in Abwehr (Serge Ibaka, Kendrick Perkins) oder Angriff (Kevin Durant, Russell Westbrook, James Harden) mithalten.
Die Erfahrung aus den West-Finals 2011 sollte der immer noch sehr jungen Truppe ebenso Halt geben wie der routinierte Aufbauspieler Derek Fisher.
Schwächen: Die Form spricht aber deutlich gegen OKC. Seit Anfang April haben sie gegen sechs spätere Playoff-Teams gespielt und immer verloren.
Zudem ist unklar, wie Sixth Man Harden seine Gehirnerschütterung wegsteckt. Sollten die Mavs Siebter bleiben, müsste Oklahoma eventuell nacheinander Dallas, die Lakers und San Antonio aus dem Weg räumen.
SPORT1-Prognose:
In den Playoffs ist oftmals die Tagesform entscheidend, trotzdem gibt es kaum Teams, die OKC in sieben Partien viermal schlagen können. Dallas gehört dazu, wenn der Meister seine Topform findet.
• Los Angeles Lakers
Stärken: Nach einem suboptimalen Start (15 Siege - 12 Niederlagen), den Abgängen von Lamar Odom und Derek Fisher sowie den Trade-Gerüchten um Pau Gasol haben die Lakers ihren Rhythmus gefunden.
Wie Dallas im vergangenen Jahr, gehen sie als Nummer drei der Setzliste in die K.o.-Runde. Die beiden Türme Andrew Bynum und Gasol stellen jeden Gegner vor Matchup-Albträume.
In Ramon Sessions hat Superstar Kobe Bryant nun einen gefährlichen Partner im Backcourt. Bryants Crunch-Time-Klasse ist die größte Stärke. Kein Team gewann mehr knappe Partien.
Schwächen: Gegen den 16-maligen Champion spricht, dass Metta World Peace nach seinem Ellbogenschlag gegen Harden sechs Playoff-Spiele verpassen wird.
Als Alternativen bleiben nur der am Knöchel angeschlagene Matt Barnes und der unerfahrene Devin Ebanks.
SPORT1-Prognose:
Sollten die Lakers die erste Runde gegen Denver ohne World Peace überstehen, ist alles drin. Denn die Stärke in knappen Partien machte Dallas zum Meister 2011.
• Dallas Mavericks
Stärken: Zum richtigen Zeitpunkt ist der ungemein erfahrene Kader erstmals in dieser Saison komplett fit und einsatzbereit.
Schlüsselspieler Dirk Nowitzki befindet sich seit Februar sogar in einer besseren Form als im Meisterjahr. ( BILANZ: Der SPORT1-Nowitzki-Watch) Die freien Tage zwischen den Playoff-Spielen sollten besonders Dallas helfen.
Schwächen: Speziell unter den Körben fehlt es an Athletik und Klasse, um gegen Teams wie die Lakers zu bestehen. Dallas hat zudem den zweitschwächsten Angriff aller acht Bewerber.
SPORT1-Prognose:
Die Chance sind gegen Oklahoma City zwar besser als im Duell mit den Lakers, aber die Mavs stehen auch so vor einer Herkulesaufgabe. Das Erreichen der zweiten Runde wäre eine Überraschung, ist jedoch möglich, wenn alles zusammenpasst.
• Memphis Grizzlies
Stärken: Die Grizzlies stützen sich auf die beste Verteidigung der Western Conference. Der lange ausgefallene Zach Randolph ergänzt wieder das starke Big-Men-Duo mit Europameister Marc Gasol.
Auch Skandalnudel Gilbert Arenas findet sich in einer Reihe von sehr guten Rollenspielen immer besser zurecht.
Schwächen: Im Angriff drückt der Schuh. Im Schnitt gelingen nur 95,1 Punkte pro Partie - im Westen ist nur Schlusslicht New Orleans schlechter.
SPORT1-Prognose:
Die Grizzlies sind ein Geheimfavorit und lauern auf die nächste Chance. Ihre Gefährlichkeit bewiesen sie 2011 gegen San Antonio. Findet Randolph seine Form, sind die West-Finals nicht ausgeschlossen.
• Los Angeles Clippers
Stärken: Memphis' Erstrundengegner sind die Clippers. Mit Jungstar Blake Griffin und Neuverpflichtung Chris Paul machte das langjährige Kellerkind Schlagzeilen wie noch nie.
Die beiden All-Stars sind die größten Trümpfe. Dazu kommen die verlässlichen Scorer Mo Williams, Randy Foye und Caron Butler.
Schwächen: Das große Handicap ist die fehlende Playoff-Erfahrung. Chauncey Billups (Achillessehnenriss) hätte da gutgetan.
Griffins miserable Freiwurfquote setzt ihn vielen harten Fouls aus. Butler (Hüftprobleme) ist angeschlagen.
SPORT1-Prognose:
Die Clippers haben das Potenzial für die zweite Runde. Memphis scheint jedoch zu cool und routiniert. Spätestens gegen die Spurs wäre Schluss.
• Denver Nuggets
Stärken: Die beste Offensive der NBA ist in Denver zu finden. 103,6 Zähler häuft George Karls Hochgeschwindigkeitstruppe an.
Die starken Guards Ty Lawson, Arron Afflalo und Routinier Andre Miller machen kaum Fehler. Der lange schmerzlich vermisste Forward Danilo Galinari ist zurück.
Die Nuggets sind eines von nur drei Teams mit positiver Auswärtsbilanz.
Schwäche: Das hohe Tempo ist auch der größte Schwachpunkt. Denn die Mannschaft hat dadurch die schlechteste Abwehr der Liga.
Den Big Men Kosta Koufos, Kenneth Faried und JaVale McGee fehlt die Erfahrung, um gegen abgezockte Kontrahenten in den Playoffs zu bestehen.
SPORT1-Prognose:
Denver hat eine gute Saison gespielt. Es ist dennoch schwer vorstellbar, dass sie die Lakers viermal schlagen können.
• Utah Jazz
Stärken: Fast schon traditionell ist die Heimstärke das große Plus der Jazz. Das Team lebt von der Chemie und geht nach vier bestandenen Endspielen um die Playoff-Teilnahme gestählt in die K.o.-Runde.
Spielmacher Devin Harris kommt besser in Form. Center Al Jefferson ist in Abwehr und Angriff der Anker.
Schwächen: Auswärts hagelte es 22 Pleiten - kein Playoff-Team hat mehr. Gegen San Antonio gab es in vier Partien nur einen Sieg.
SPORT1-Prognose:
Utah fehlen die Mittel, um San Antonio in Gefahr zu bringen. Speziell in Texas dürfte kaum etwas drin sein. Nach der ersten Runde ist Schluss.