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Dirk Nowitzki (l.) wurde 2007 als erster Europäer zum MVP der Saison gewählt © getty

Nach der Pleite im ersten Playoff in Oklahoma hadert Dallas mit Pech und sucht den alten Killerinstinkt. Coach Carlisle wettert.

Von Eric Böhm

München/Oklahoma City - Es gibt also doch keinen Schalter, der die Playoff-Magie der Dallas Mavericks von 2011 wieder anknipsen kann.

Trotz einer im Vergleich zur regulären Saison deutlichen Leistungssteigerung hat die Niederlage zum Playoff-Auftakt in Okahoma City (Bericht) die Schwächen des NBA-Titelverteidigers aufgezeigt.

Dem umformierten Team fehlt trotz der starken Leistungsträger Dirk Nowitzki, Jason Terry und Shawn Marion der alte Killerinstinkt und das nötige Quäntchen Glück in der Crunch-Time. ( 551144 DIASHOW: Die Bilder der ersten Playoff-Runde )

"Du hast schon über die ganze Saison das Gefühl, dass den Gegnern immer ein Big Play mehr gelingt. Wir müssen diese eine Aktion mehr schaffen", bestätigte Nowitzki.

Nowitzki selbstkritisch

Nowitzki lieferte mit elf Punkten in den Schlussminuten und zwei eiskalt verwandelten Freiwürfen zur Führung eine Dirkules-würdige Vorstellung, haderte aber dennoch mit sich.

"Wir waren auf dem richtigen Weg, haben dann aber zu viel falsch gemacht. Ich habe in den letzten drei Minuten zweimal den Ball verloren", sagte der 33-Jährige. (BILANZ: Der SPORT1-Nowitzki-Watch)

Auch deshalb verzockten die Mavericks einen vermeintlichen sicheren 94:87-Vorsprung. Die große Stärke der vergangenen Saison hat sich zu einer frappierenden Schwäche entwickelt.

Enge Spiele als Schwäche

Dallas gewann in der regulären Saison nur sieben von 15 Spielen, die mit drei Zählern oder weniger entschieden wurden. (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse)

Diesmal reichte selbst eine Führung nach drei Vierteln nicht. Bis dato war das Team 33-mal mit Vorsprung in die letzten zwölf Minuten gegangen und hatte nur zwei dieser Partien verloren.

"Im letzten Jahr war das noch anders. Uns wird nun nichts geschenkt. Wir müssen uns dieses Glück wieder erarbeiten", forderte Nowitzki.

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Spiel zwei ist extrem wichtig

Natürlich war der verrückte "Fast-Buzzer-Beater" durch NBA-Topscorer Kevin Durant - eine Bogenlampe über Marion mit 1,5 Sekunden auf der Uhr - Pech, aber die Mavs erzwangen das Glück nicht - 2011 schon.

"Er (Durant, Anm. der Red.) hat einen großartigen Wurf gemacht. Wir hätten ihn besser mit zwei Spielern verteidigen sollen, das nehme ich auf mich", analysierte Coach Rick Carlisle.

Spiel zwei in der Nacht auf Dienstag (ab 3.30 Uhr LIVESCORES) hat nun bereits eine extrem große Bedeutung, denn ein 0:2 wäre für den Champion in der Best-of-Seven-Serie kaum noch aufzuholen.

Carlisle ist sauer

Das ist auch Carlisle bewusst, der die Schiedsrichter bereits unmittelbar nach der Pleite unter Druck setzte. ( 550242 DIASHOW: Mavericks und Thunder im Head-to-Head )

"Die Thunder wollen seinen Rhythmus brechen. Deshalb halten sie Dirk ständig fest. Die Krönung ist aber, dass Dirk dann auch noch Fouls bekommt, weil er sich befreien will", wetterte der Meistertrainer. Auch Nowitzki war mit der Leistung der Referees nicht zufrieden.

Während des Spiels beschwerte sich der All-Star immer wieder lautstark, so auch nach dem Ballverlust gegen Perkins und Harden, der Serge Ibakas Drei-Punkte-Spiel zum 97:96 für die Thunder einleitete.

"Im Spiel rede ich sehr viel, aber danach sage ich nichts zu den Schiedsrichtern", gab sich der Finals-MVP von 2011 diplomatisch.

Viel läuft für die Mavs

Seine zehn Freiwürfe deuten an, dass er häufig aggressiv zum Korb zog, Nowitzki weiß jedoch, dass sein Team noch mehr Zählbares von ihm braucht.

Schließlich lief das Spiel über weite Strecken für die Mavs. Sie hatten beispielsweise mehr Rebounds und Freiwürfe als OKC.

Durant hatte eine schwache Wurfquote. Jason Terry und Vince Carter waren effiziente Scorer von der Bank, trotzdem reichte es am Ende nicht.

Das ist einerseits ein gutes Zeichen für dei Texaner, denn das Matchup scheint den jungen Thunder tatsächlich nicht besonders zu gut zu liegen, andererseits müssen in den Playoffs solche Möglichkeiten gerade auswärts genutzt werden.

Brooks mit wichtigem Schachzug

Das Momentum ist fürs Erste aufseiten der Thunder. Denn deren Trainer Scott Brooks konnte sich neben seinen Superstars auch auf seine Instinkte verlassen.

Im letzten Viertel setzte er Topscorer Russell Westbrook (28 Zähler) auf Terry an, der dadurch komplett aus dem Spiel genommen wurde. Knapp elf Minuten vor Schluss nahm der sechste Mann der Mavs seinen letzten Wurf.

"Er ist ihre Wildcard. Er kann sehr schnell 20 oder 25 Punkte machen. Russell hat das super gemacht. Es ist aber nur ein Sieg. Wir heben nicht ab", meinte Brooks.

Terry erwartet dagegen eine "großartige Serie mit vielen engen Partien." Selbst das hatte im Vorfeld kaum ein Experte erwartet. ( 548757 DIASHOW: Die Award-Kandidaten )

Vielleicht kehrt die Magie dann doch noch zu den Mavericks zurück.

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