Durant: Bibliothekar mit Killerinstinkt
Von Barnabas Szoecs
München - Dirk Nowitzki wählte einen eher flapsigen Spruch, um OKC-Superstar Kevin Durant zu beschreiben, hätte es aber nicht trefflicher ausdrücken können: "Kevin Durant versenkt den Ball sogar vom Parkplatz."
Der Würzburger muss es wissen. Seine Dallas Mavericks hatten Durant und den Oklahoma City Thunder in der ersten Runde der Playoffs wenig entgegenzusetzen und verabschiedeten sich sang- und klanglos mit 0:4 aus dem Titelrennen.
Wie Nowitzki in der vergangenen Saison duelliert sich nun Small Forward Durant als Leader eines homogenen Teams mit den Miami Heat um die NBA-Krone.
Drei Spiele in Miami
Nach zwei Spielen in Oklahoma City steht es in der Serie 1:1, von Sonntag auf Montag (ab 2 Uhr LIVESCORES) muss OKC die erste von drei Partien in Miami überstehen (DIASHOW: Heat vs. Thunder im Head-to-Head).
Dem "German Wunderkind" gelang damals der Triumph über die Superstars um LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh - auch Durant traut er dies zu ( DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).
"Besser, als ich jemals gespielt habe"
"Er (Durant, Anm. der Red.) ist im Moment der beste Spieler der Liga. Er spielt den Ball besser, als ich es jemals getan habe. Und er ist erst 23", so der 33-jährige Nowitzki jüngst bei "ESPN".
"Es ist, also ob du bereits wüsstest, dass er alles trifft", so Nowitzki weiter: "Es ist phänomenal."
Bibliothekar und Superstar
Für manch jungen NBA-Star wären solch große Preisungen ein möglicher Grund zum Abheben, ein Grund, sich im eigenen Glanz zu verlieren.
Doch Durant ist ein ungewöhnlich ruhiger Charakter, kommt eher wie ein verschüchterter Bibliothekar denn wie ein gefeierter Basketballstar daher.
Auf dem Parkett legt er diese Zurückhaltung aber schnell ab und beweist besonders in der Crunch Time er seine Bissigkeit, traf im zweiten Spiel 16 seiner 32 Punkte im letzten Viertel. Eine Fähigkeit, die seinem Finals-Kontrahenten James nicht immer attestiert wird (DIASHOW: Die Bilder der Finals 2012).
Nowitzki: "Finde keinen Makel"
Wer die Endspiele letztlich gewinnt, kann und will Nowitzki nicht beantworten, doch in Sachen Durant ist seine Meinung völlig klar: "Ich finde momentan keinen Makel."
Ganz so rosig wie Nowitzki sieht es Durants schärfster Kritiker aber nicht - seine Mutter.
Leichte Kritik der Mutter
"Manchmal sollte er direkt zum Korb gehen statt einen Dreier zu probieren", gestand Wanda Pratt zuletzt und überraschte mit einer konkreten Forderung: "Er muss seine Zurückhaltung noch mehr ablegen."
Sollte "Durantula" auf den Ratschlag seiner Mutter hören, könnte das junge Team aus Oklahoma City in Zukunft der gesamten NBA seinen Stempel aufdrücken.
Gehört Zukunft den Thunder?
Für Nowitzki besteht daran kein Zweifel, sollten auch die immens wichtigen Bankspieler im Boot bleiben: "Wenn sie James Harden und Serge Ibaka halten können, sieht es ganz danach aus, als ob diese Mannschaft in den kommenden zehn Jahren Großes erreichen kann."
Keine leichte Aufgabe für die OKC-Offiziellen, so Nowitzki: "Nach diesen Playoffs werden viele Leute diese Spieler mit einer Menge Geld locken."
Nowitzki verdutzt
Doch noch ist das Team von Coach Scott Brooks mitten in ihren ersten Finals, den nächsten Schritt Richtung Titel-Coup können sie in Miami machen.
Dirk Nowitzki jedenfalls dürfte auch bei besagtem Spiel drei aus dem Stauen über Durant kaum mehr herauskommen: "Jedes Mal wenn er wirft, bin ich davon überzeugt, dass er trifft. Wenn er dann doch mal verfehlt, bin ich überrascht."