U 23 zu Olympia: NBA auf Cubans Linie
Von Barnabas Szoecs
München - Dürfen NBA-Stars über 23 bald nicht mehr an den Olympischen Spielen teilnehmen?
Mit einem neuen Regelvorschlag will die US-Profiliga eine baldige Altersgrenze vorgeben, um die NBA-Klubs vor der Olympia- Abstellung wichtiger und entsprechend teurer Spieler zu bewahren.
Bereits seit längerer Zeit hinterfragen die NBA-Teams die Notwendigkeit, ihre Spieler zu Olympia zu schicken. Die Angst vor Verletzungen der Leistungsträger halten die Diskussionen am Leben - der neue Liga-Vorschlag soll für Einigkeit sorgen.
Fußball-Parallele hinkt
"Die Idee würde dem Fußball-Modell folgen", so NBA-Vize Adam Silver: "Nur für Olympia wäre das Alter auf 23 oder darunter vorgegeben. An der Basketball-WM könnte hingegen jeder Spieler teilnehmen."
Doch die Parallele zum Fußball hinkt. Die USA wären bei Olympia die einzige Nation, die mit einem sogenannten U-23-Team antreten würde, während alle anderen Mannschaften mit Spielern beliebigen Alters aufwarten würden - so sie nicht in der NBA spielen.
Stern für Neuorientierung
Aber auch NBA-Boss David Stern hält den Zeitpunkt für eine Änderung für angebracht, obwohl der Vorschlag im Jahr 2012 noch nicht in Kraft treten wird, London somit nicht beeinflusst wäre:
"Wir müssen inne halten und unseren Weg gründlich betrachten", so Stern: "Wir müssen prüfen, welcher Weg der richtige ist."
Cuban: "Ich liebe es"
Mavericks-Besitzer Marc Cuban jedenfalls ist von dem Vorstoß der Liga begeistert:
"Ich liebe es", ließ der exzentrische Boss von Dirk Nowitzki über das Basketball-Portal "Hoopsworld" verkünden ( NEWS: Cuban regt sich über Olympia auf).
Cuban machte seinem Unmut über NBA-Spieler bei Olympia schon mehrmals Luft: "Es ist der Inbegriff der Dummheit, dass wir uns benutzen lassen, damit andere hunderte Millionen Dollar verdienen", sagte er vor wenigen Monaten.
Ungewohnte Einigkeit zwischen dem scharfzüngigen Liga-Kritiker Cuban und der NBA, deren Wortwechsel sich meistens darauf beschränken, über die Höhe der Strafen für den Mavs-Boss zu streiten.
Als Akt der Freundschaft wollte Stern die Cuban-Reaktion jedoch nicht bezeichnen: "Dies ist keine Antwort einzig an Mark Cuban. Wenn Mark etwas sagt, tendiere ich meist automatisch in die andere Richtung", scherzte Stern.
Spieler zu Einsätzen verpflichtet?
Ein wichtiger Grund für den Vorschlag sei laut Stern die gefühlte Verpflichtung vieler Spieler, bei solchen Veranstaltungen ihre Länder repräsentieren zu müssen.
"Ich empfinde große Sympathie für Spieler, die unter allen Umständen für ihr Land auflaufen wollen, unbeeindruckt von möglichen Verletzungsrisiken und der Sorge vor dem Karriereende. Ich verstehe das", so Stern: "Vielleicht aber stehen diese Akteure unter großem Druck, für ihr Land spielen zu müssen. Eine Altersbeschränkung könnte einigen Druck von ihren Schultern nehmen. Im jüngeren Alter jedoch würden sie ihr Land bei Olympia repräsentieren."
Für ausländische NBA-Spieler wie Dirk Nowitzki oder Chris Kaman wäre Olympia damit vom Tisch.
Anerkennung für Olympia
Von einer Abwertung der Olympischen Spiele durch den Vorschlag will Stern aber nichts wissen, im Gegenteil: "Die NBA und ihre Spieler haben viel aus Olympia gezogen. Wir haben die Berichterstattung erweitert, wir haben das gesamte Spiel populärer gemacht. Mittlerweile haben wir 80 internationale Spieler in der NBA. 1992 waren es vielleicht eine Hand voll."
Allerdings darf nicht vergessen werden, dass die Spieler im legendären "Dream Team" von 1992, also Michael Jordan, Charles Barkley, Earvin "Magic" Johnson oder Larry Bird, damals weit über 23 waren.
Wade hadert mit Vorschlag
Etwas bedenklich über die Altersgrenze zeigt sich Miami-Star Dwyane Wade, selbst Goldmedaillen-Gewinner mit den USA 2008 in Peking: "23 ist in der NBA ziemlich jung", so der 30-jährige Wade, die Qualität des künftigen US-Olympia-Teams anzweifelnd.
Ein gewichtiges Gegenargument jedoch liefert derzeit das Thunder-Trio Kevin Durant, Russel Westbrook und James Harden.
Allesamt sind unter 23 - und stehen ganz nebenbei im NBA-Finale.