

3:1! Miami übersteht das James-Drama
Von Eric Böhm
München/Miami - Die Miami Heat haben einen riesigen Schritt in Richtung NBA-Titel gemacht.
Im vierten Finale besiegten sie die Oklahoma City Thunder in einer umkämpften Partie 104:98 (46:49) und sicherten sich in der Best-of-Seven-Serie die 3:1-Führung (DIASHOW: Die Bilder der Finals 2012).
Trotz fantastischer 43 Punkte durch Oklahoma Citys Russell Westbrook, eines 17-Zähler-Rückstandes in der ersten Hälfte sowie des Ausfalls ihres von Krämpfen geschüttelten Superstars LeBron James fehlt Miami nur noch ein Sieg zur Meisterschaft.
"Egal wie es steht oder wer auf dem Court ist, wir glauben immer an unsere Chance. Du musst krabbeln bevor du laufen kannst. Unser Selbstvertrauen ist riesig", meinte Dwyane Wade.
Comeback nach Fehlstart
Dabei sah es zunächst nach dem Ausgleich aus, denn Point Guard Westbrook nahm die Heat völlig auseinander. Scoring-Champion Kevin Durant steuerte insgesamt 28 Punkte bei.
Doch die Gastgeber bewiesen erneut ihre in den Playoffs 2012 schon mehrfach gezeigte Nervenstärke.
James (26 Zähler, 9 Rebounds, 12 Assists), Dwayne Wade und Aufbauspieler Mario Chalmers (beide 25 Punkte) brachten den Meister der Eastern Conference im herausragenden zweiten Viertel (27:16) zurück.
"Wir lassen uns nicht kleinkriegen. Das geht auf die herzzerreißende Finals-Pleite 2011 zurück. Das treibt uns an", betonte Wade.
Heat vor historischem Triumph
In der Serie gegen Indiana steckte das oftmals als zu weich verschriene Team einen Rückstand und Chris Boshs Verletzung weg, gegen Boston mussten sie eine Runde später zwei Spiele mit dem Ausscheiden vor Augen gewinnen ( DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).
In den Finals brachte sie der frühe Rückstand nicht aus dem Konzept.
Mit einem Erfolg in Spiel 5 in der Nacht auf Freitag (ab 3 Uhr LIVESCORES) könnten sie den ersten Titel der "Miami-Thrice"-Ära besiegeln und als erste Mannschaft der NBA-Historie drei Serien in Folge noch umdrehen.
"Das war ein Big-Time-Sieg als Team. Jeder hat einen großartigen Job gemacht. Rio (Chalmers, Anm. der Red.) hat großartig aufgetrumpft", lobte James.
James gibt alles
Bezeichnend für den neuen Geist der Mannschaft war die Schlussphase. Durch das Drama um den MVP ließen sich seine Mitstreiter nicht entmutigen.
Inmitten einer erneut dominanten Vorstellung wurde James fünf Minuten vor Schluss mit Krämpfen vom Feld getragen. Wenig später kam er noch einmal zurück und versenkte trotz schmerzverzerrtem Gesicht einen unglaublich wichtigen Dreier zum 97:94.
Beim Stand von 99:96 musste James zwar eine knappe Minute vor Schluss endgültig raus, aber Chalmers übernahm die Verantwortung und erzielte Miamis letzte fünf Zähler.
"Für Mario ist es im Schatten oft nicht leicht. Manchmal spielt er nur eine Nebenrolle, dann ist er plötzlich gefragt, aber er ist ein Spieler für die großen Momente. Das hat er heute bewiesen", sagte Wade.
Geschichte spricht gegen OKC
Die Thunder bekamen in der Folge keine Ausgleichschance mehr und stehen nun am Abgrund. Kein Team holte in den Finals jemals ein 1:3 noch auf und erreichte ein Spiel 7 - vom Titel ganz zu schweigen.
"Das ist natürlich bitter. Ich kann aber eins garantieren: Wir haben noch Kampfgeist in uns", versprach Thunder-Coach Scott Brooks.
Den hatte Westbrook schon vorher bewiesen. Der oftmals kritisierte All-Star machte ein großes Spiel. Zu seiner glänzenden Ausbeute kamen noch sieben Rebounds und fünf Assists.
In den vergangenen 25 Jahren schafften dies in einem Endspiel neben "Jet Zero" nur Michael Jordan (1993) und Shaquille O'Neal (2001). "Russell war unfassbar gut. Er hat uns mit einer ungeheuren Aggressivität im Alleingang im Spiel gehalten", schwärmte Brooks.
Harden wieder schwach
Für Miami lag der Schlüssel zum Erfolg aber darin, Oklahoma City zu einer Two-Men-Show zu machen (DIASHOW: Heat vs. Thunder im Head-to-Head).
Nach der Pause schalteten die Heat konsequent das gesamte Thunder-Team um Durant und Westbrook herum aus. Serge Ibaka, Thabo Sefolosha und Derek Fisher kamen zusammen auf lediglich neun Zähler.
Ab Mitte des dritten Abschnitts markierte kein anderer Gäste-Akteur auch nur einen Punkt. Sixth Man James Harden (8 Zähler) kam erneut überhaupt nicht zurecht. Er traf nur zwei von zehn Würfen.
"Wir hatten einen großartigen Spielplan. Ich denke, den werden wir auch für Spiel 5 haben. Wir müssen unsere Einstellung bewahren. Dann wird alles gut", bilanzierte James.