Nächster Umbau: Mavs fahnden nach Nowitzki-Mitstreitern
Von Eric Böhm
München - Das haben sie nun davon: Zwölf Monate nach ihrem größten Triumph stehen die Dallas Mavericks vor ihrem zweiten Komplettumbau.
Dem vielversprechenden Free-Agent-Sommer wurde neben einem Großteil des Meisterkaders auch eine realistische Chance auf die Titelverteidigung geopfert (DIASHOW: Die Tops und Flops der Saison).
Einen beträchtlichen Brocken der finanziellen Mittel will Dirk Nowitzkis Mannschaft in Deron Williams investieren, aber mit dem Wunschspieler wäre die Arbeit nicht getan.
"Unser oberstes Ziel war Flexibilität für diesen Sommer. Das haben wir geschafft. Jetzt müssen wir ein schlagkräftiges Team zusammenstellen. Das geht durch Free Agents, den Draft und Trades", erklärt Teampräsident Donnie Nelson die Marschroute.
Erst Draft, dann D-Will
Am 1. Juli beginnt die Free-Agent-Phase. Dann dürfen die Mavericks mit dem aus Dallas stammenden Point Guard Williams verhandeln.
Schon vorher muss der entthronte Meister aber mindestens ebenso wichtige Entscheidungen treffen. In der Nacht auf Freitag steht der NBA-Draft an.
Dallas hat in einem qualitativ sehr guten Jahrgang das 17. Auswahlrecht - seit 2000 war das Team nicht mehr so früh dran.
Speziell im Aufbau - unter anderem Austin Rivers, der Sohn des Celtics-Coaches Doc Rivers - und auf der Center-Position - zum Beispiel der brasilianische Hüne Fab Melo - gibt es vielversprechende Talente.
Desaströse Bilanz
"Es gibt sehr viele gute Spieler, die in der Mitte der ersten Runde gehandelt werden. Zur Abwechslung würde uns ein Pick guttun, der sofort weiterhilft", sagt Eigentümer Mark Cuban.
Damit spielt er auf die durchwachsene Draft-Bilanz seiner Mavericks an. Zwar befanden sie sich aufgrund der erfolgreichen Jahre meist jenseits der 20, aber San Antonio, Boston oder Oklahoma City fanden auch dann noch starke Spieler.
Alle Picks der vergangenen zehn Jahre spielten in der kompletten Erstrunden-Serie gegen die Thunder insgesamt gerade einmal zwölf Minuten.
In den Dauerreservisten Roddy Beaubois und Dominique Jones gehören nur zwei von Dallas ausgewählte Spieler zum Kader.
Nur sieben Spieler im Kader
Dieser beunruhigende Fakt wird jedoch durch die Tatsache abgeschwächt, dass aktuell ohnehin nur sieben Akteure unter Vertrag stehen.
Dazu gehören neben Nowitzki und den beiden ewigen Talenten die Trade- oder Entlassungskandidaten Brendan Haywood, Vince Carter, Kelenna Azubuike und Shawn Marion.
Außer "Dirkules" wird möglicherweise keiner der genannten Spieler am 6. Oktober dabei sein, wenn ein Vorbereitungsspiel bei ALBA Berlin auf dem Programm steht ( BERICHT: Mavericks testen bei ALBA).
"Es hängt alles an D-Will. Wenn sie ihn bekommen, werden auch andere Bausteine folgen. Ansonsten müssten sie Leute aus der zweiten Kategorie in Betracht ziehen", vermutet TV-Experte Jalen Rose.
Viele Center-Kandidaten
Neben Williams wird vor allem ein neuer Center benötigt, der Nowitzki unter dem Korb unterstützen soll (DIASHOW: Nowitzki als Fußballer beim FC Dallas).
Bei Bankspieler und Publikumsliebling Brandan Wright wird die Option auf Vertragsverlängerung gezogen, daneben werden Namen wie Deutschlands Nationalspieler Chris Kaman, All-Star Roy Hibbert oder auch Routinier Kevin Garnett gehandelt.
Der Traum von "Superman" wird sich dagegen frühestens 2013 erfüllen. Dwight Howard besitzt in Orlando noch einen Vertrag, für einen Trade hat Dallas viel zu wenig zu bieten.
Terry vor dem Aus?
Da Urgestein Jason Terry keinen Einjahresvertrag akzeptieren will, sehen sich die Texaner auch auf der zweiten Guard-Position um.
Brandon Roy plant nach einem Jahr sein Comeback und steht ebenso auf der Liste wie Eric Gordon (New Orleans) und Ray Allen (Boston).
Auch der greco-amerikanische Combo-Guard Nick Calathes (Panathinaikos Athen) könnte seine NBA-Chance bekommen (DIASHOW: Der NBA-Transfermarkt).
Schließlich muss wohl im Miami-Stil mit einigen Routiniers aufgefüllt werden, vorher soll ein Veteran von der Gehaltsliste verschwinden.
Odoms Abschied könnte sich verzögern
Der seit April beurlaubte Forward Lamar Odom muss eigentlich bis zum Freitag entlassen oder getauscht werden, ansonsten würde er den Etat für die kommende Saison mit 8,2 Millionen Dollar belasten.
Ursprünglich war ein Tauschgeschäft während des Drafts angedacht worden. Jetzt deutet sich eine weitere Möglichkeit an.
Sollte Odom zustimmen, könnte die Frist verlängert werden. Damit hätte Dallas den Luxus, die Williams-Entscheidung abzuwarten und dann eventuell ein Trade-Paket um Odom zu schnüren, um doch noch einen guten Gegenwert für das teure Missverständnis zu erzielen.
Die Chancen dafür stehen gut, denn Odom wird von Berater Jeff Schwartz vertreten, der auch Jason Kidd und D-Will betreut.