vergrößernverkleinern
In der Saison 2011 hießen Nowitzkis Mitspieler Chandler, Kidd, Terry und Butler (v. l. n. r.) © getty

Kein Kidd, kein Lin: Nowitzki vergeht in Dallas die Lust, er sei "zu alt" für den Umbau. Die Mavs würden ihn ziehen lassen.

Von Rainer Nachtwey

München/Dallas - "I'm a poor lonesome Cowboy" singt Lucky Luke am Ende jeder Folge der Comic-Serie.

Und so einsam wie der Cowboy, der schneller als sein Schatten zieht, dem Sonnenuntergang entgegen reitet, so einsam dürfte sich auch Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks vorkommen.

Den Free-Agent-Kampf um Topstar Deron Williams verlor Dallas gegen Brooklyn, Kumpel Steve Nash spielt lieber an der Seite von Kobe Bryant, und Meister-Aufbauspieler Jason Kidd dient lieber dem ebenfalls von den Mavs umworbenen Jeremy Lin als Mentor, als seine Karriere in Texas zu beenden (576464DIASHOW: Der NBA-Transfermarkt).

Resterampe Meistermannschaft

Die potenziellen Neuzugänge meiden den Meister von 2011, und die Champions verlassen die Mavs wie die Ratten das sinkende Schiff. So schließt sich Nowitzkis langjähriger Weggefährte Jason Terry den Boston Celtics an.

Vom Team, das 2011 die erste Meisterschaft nach Dallas holte, bleiben lediglich Nowitzki, Shawn Marion und die Reservisten Brendan Haywood, Ian Mahinmi, Roddy Beaubois und Dominique Jones übrig, die in den Finals zusammen auf 52 Minuten Einsatzzeit kamen.

Markt gibt nichts mehr her

Die Dallas Mavericks sind der große Verlierer der Free-Agent-Phase, bevor die ersten Verträge am 11. Juli unterschrieben werden dürfen (ANALYSE: Auch Kidd geht: Letzte Hoffnung Wühltisch).

"Wenn Dwight Howard nicht auf irgendeine erdenkliche Art und Weise in Dallas landet, ist diese Offseason verloren", stimmen die Experten in Texas ein.

Nowitzki wird der einsame Spieler mit Kaliber eines Superstars bei den Mavericks bleiben, die Free-Agent-Weide ist abgegrast, der Markt gibt nichts mehr her.

Nowitzki nährt Spekulationen

Erste Spekulationen kommen daher auf, ob Dirkules nun nicht doch die Mavericks nach 14 Jahren, zwei Finalteilnahmen und einer Meisterschaft verlassen könnte.

"Sollten wir wirklich keinen der Stars diesen Sommer verpflichten, wollen sie (Besitzer Mark Cuban und General Manager Donnie Nelson, Anm. d. Red.) vielleicht das Team neu aufbauen. Aber dafür bin ich sicherlich zu alt", nährte der Würzburger bereits Ende Mai in einem Radio-Interview die Spekulationen. "Im Moment komme ich mir wie der Sport-Opa von Dallas vor."

Dennoch hielt er auch damals fest: "Ich habe immer gesagt, dass ich in Dallas meine Karriere beenden will."

Das war jedoch vor der kaum zu erwartenden Schlimmer-geht's-nimmer-Free-Agent-Phase (ANALYSE: D-Will kommt nicht: was nun Mavs?)..

Dirk kein Payton oder Malone

Dass Nowitzki die Mavs wirklich verlässt, können sich aber selbst die Experten nicht vorstellen. "Wenn er woanders noch einmal um den Titel mitspielen will, werden ihm die Mavericks keine Steine in den Weg legen", glaubt Eddie Sefko von den "Dallas Morning News".

Dennoch ist Sefko sicher: "Das wäre nicht Dirks Stil."

Wenn Nowitzki sich wirklich einem anderen Klub anschließen würde, würde er damit laut Sefko seinem Ansehen nicht nur in Dallas, sondern in der ganzen NBA gewaltig schaden.

"Hat irgendjemand Respekt empfunden, als Gary Payton und Karl Malone zu den Lakers wechselten, um den Titel zu gewinnen? Es hat nicht geklappt, und diese Spieler haben ihr Image zerstört", führt Sefko weiter aus. "Auch wenn Payton in Miami noch den Meister-Ring geholt hat."

"Werden einen Weg finden"

Vielmehr glauben die Experten, dass Cuban und Nelson alles daran setzen werden, die Mavs über Trades konkurrenzfähig zu machen.

Und auch Nowitzki hielt fest. "Wir Mavericks sehen uns nicht als Klub, der den Neuaufbau vorantreibt. Wir treten an, um immer auf dem höchsten Level mitzuhalten. Wenn wir es nicht über die Free-Agent-Phase schaffen, werden wir einen anderen Weg finden."

Jefferson ein Trade-Kandidat

Trade-Kandidaten gibt es nach Informationen der "Dallas Morning News" mehrere. So sei Utahs Center Al Jefferson ein Thema in Texas.

"Für Jefferson werden die Mavs noch etwas zusammenraffen können. Er spielt auf der 5, kann nah am Korb punkten und ist ein guter Rebounder", meint Sefko. "Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Jazz diesen Sommer noch einen Zug machen werden."

Auch 2010 der große Verlierer

Die größte Planstelle Point Guard bleibt dann aber weiterhin unbesetzt. Ein Kandidat ist derzeit Ramon Sessions, der seinen Vertrag bei den Los Angeles Lakers per Option kündigte.

Allerdings galten die Mavs auch im großen Free-Agent-Sommer 2010 mit den Superstars LeBron James, Dwyane Wade, Chris Bosh, Amare Stoudemire und Joe Johnson neben zahlreichen anderen Klubs als der große Verlierer, am Ende stand jedoch der Titel zu Buche.

Und auch bei Lucky Luke heißt es: Am Ende geht doch immer der einsame Cowboy als Sieger hervor.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel