King James: Noch besser dank neuem Angst-Faktor
Von Florian Pertsch
München - Die erste NBA-Meisterschaft, der erste Finals-MVP-Titel - endlich haben sich neun Jahre harte Arbeit für LeBron James gelohnt.
Mit dem ersten Ring am Finger wird "The Chosen One" seinem Titel langsam gerecht, die unzähligen Kritiker verstummen.
Zu gut waren die Statistiken (30,3 Punkte, 9,7 Rebounds und 5,6 Assists), zu dominant die Vorstellung in den Finals gegen die Oklahoma City Thunder.
Ein Grund, sich auf dem Erreichten auszuruhen? Nicht für Miamis Nummer 6. Schon vor der Saison und James ist "King James" sich sicher, dass das Ende der Leistungsfahnenstange am South Beach noch lange nicht erreicht ist.
Angst vor dem eigenen Potenzial
"Wir können definitiv besser werden. Wir haben das Potenzial, noch viel besser zu sein. Es ist furchteinflößend", prophezeit der Forward ( DATENCENTER: NBA-Spielplan).
Die Chancen, dass James' hellseherische Fähigkeiten sich bestätigen und Miami die Liga in Grund und Boden spielen wird, stehen ziemlich gut, denn nicht nur LBJ war in Offseason fleißig, sondern auch die Heat.
Der Klub hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, als es nach dem Titel 2006 rapide bergab ging.
Damals wurde dem bestehenden Kader vertraut, Dwyane Wade verletzte sich, Shaquille O'Neal wurde nach Phoenix abgeschoben, und nach zwei Jahren war die Franchise auf unterirdische 15 Saisonsiege heruntergewirtschaftet.
Spoelstra hat seine Schlüsse gezogen
"Wenn wir eine Sache aus 2006 gelernt haben, dann das man sich immer wieder neu erfinden muss und sich als Team ständig verbessern muss. Damals waren wir im Handumdrehen das mieseste Team im Basketball, es kann sehr schnell gehen", erklärt Trainer Erik Spoelstra.
Um die Geister der Vergangenheit zu vertreiben, setzten sich Manager Pat Riley und der Meister-Coach zusammen und einigten sich auf das Motto: Halte deine Freunde nah bei dir, deine Feinde aber noch näher.
James, Wade und Chris Bosh bleiben also der Kern des Teams, auch die Routiniers Shane Battier und Mike Miller schwören Miami die Treue. Mario Chalmers und Norris Cole gehen bei den "Big Three" weiter in die Lehre.
Entscheidendes Plus soll aber ein alter Rivale sein: Distanzwurf-Spezialist Ray Allen.
Allen genervt von Rondo
Der 37-Jährige hatte genug von Rajon Rondo in Boston und verschiffte seinen NBA-Rekord von 2.718 verwandelten Dreipunktwürfen nach Florida.
"Es ist interessant zu beobachten, was auf der gegnerischen Bank passiert, wenn Ray zum Wurf hochgeht", erzählt Spoelstra, reißt die Hände über den Kopf, verzieht das Gesicht zu einer schmerzverzerrten Grimasse und führt so den Satz zu Ende.
"Es ist die blanke Angst und es gibt nur eine Handvoll Spieler, die solche Reaktionen auslösen", fügt er mit einem zufriedenen Lächeln über seinen neuen Spieler an.
Lewis als weiterer Distanzschütze verpflichtet
Der Coach, der genauso alt wie Allen ist, kann zusätzlich Rashard Lewis imTeam begrüßen, der im Gegensatz zu Allen nicht Small sondern Power Forward spielt, dennoch aber über ein sicheres Händchen von der Dreierlinie verfügt.
Zusammen mit den Spielern der vergangenen Saison haben die Heat nun unzählige Kombinationsmöglichkeiten auf den Positionen 1-4, aber was noch viel wichtiger ist, James und Bosh bekommen noch mehr Platz unter den Körben.
Mit Wade, Allen, Lewis, Miller und Mario Chalmers stehen genügend Schützen zur Verfügung, um das Feld über die komplette Spielzeit breit zu machen.
Giftpfeil in Richtung Boston
Parallel dazu verfeinert Spoelstra seine "Pace and Space"-Offense, bei der das Tempo stets hochgehalten wird.
"Erics Philosophie ähnelt der von Jim Calhoun (Trainer UConn, Anm. d. Red.) im College und der von George Karl zu meiner Zeit in Milwaukee. Das Spiel schnell machen, nicht so sehr in starren Positionen denken. Darauf freue ich mich sehr", beschreibt der Scharfschütze die Situation in Miami, die gleichzeitig auch eine Abrechnung mit dem System von Ex-Trainer Doc Rivers in Boston ist.
Garnett bricht den Kontakt ab
Der gescholtene Coach weint Allen jedenfalls nicht mehr nach: "Ich habe Rajon Rondo, Avery Bradley, Jason Terry und Courtney Lee. Ich könnte mir keine bessere Guard-Kombination wünschen."
Moderat aber direkt, ganz im Gegensatz zum alten Weggefährten Kevin Garnett, der den Kontakt zu Allen abgebrochen hat.
"Ich habe Rays Nummer nicht mehr. Ich habe nicht vor mich bei ihm zu melden. Ich will einfach nur zu jedem ehrlich sein. Mehr gibt es nicht zu sagen", ätzt KG in Richtung Miami.
Am 30. Oktober wird kein Telefon nötig sein, um in Kontakt mit dem Ex-Kollegen zu treten, denn dann eröffnen die Celtic und die Heat in Miami die Saison 2012/13.