Mavs retten Nowitzki den einmaligen Sieg
Aus Berlin berichtet Michael Spandern
Berlin - Riesenstimmung, aber durchwachsener Sport bei Dirk Nowitzkis historischem Gastspiel in Deutschland: Nur mit Mühe haben die Dallas Mavericks eine Blamage bei ALBA Berlin abgewendet.
Der NBA-Champion von 2011 setzte sich beim diesjährigen Beko-BBL-Viertelfinalisten zwar mit 89:84 (45:39) durch, konnte aber sieben Tage nach Trainingsauftakt nicht die erhoffte Show aufs Parkett zaubern.
Allen voran Ausnahmekönner Dirk Nowitzki, der in 34 Minuten nur auf acht Punkte kam und blass blieb. Der deutsche Ex-Nationalspieler Chris Kaman (14 Punkte, 6 Rebounds) leistete sich zwar ebenfalls drei Ballverluste, hielt die Mavs aber am Ende vorn.
"Das Spiel war von uns nicht so toll. Die Abstimung hat noch nicht gepasst. Wir haben leichte Fehler gemacht", sagte Nowitzki auf SPORT1-Nachfrage. Den Abend konnte er dennoch genießen: "Es war doch witzig. Die Atmosphäre war gut."
23. Sieg im 31. Duell
Vince Carter und Darren Collison steuerten ebenfalls 14 Zähler für die Mavs bei, die im 31. Duell eines NBA-Teams gegen einen europäischen Gastgeber den 23. Sieg sicherten. Am Dienstag treten die Mannen von Trainer Rick Carlisle in Spanien zu ihrem zweiten Test beim FC Barcelona an.
Bei dem tosenden NBA-Promospektakel gingen die "Albatrosse" dagegen konzentriert zu Werke und deuteten ihre Titeltauglichkeit an. Nowitzki-Widersacher Deon Thompson gefiel mit 20 Zählern, Einwechselspieler Nihad Djedovic kam auf 15.
Schultze frech und stolz
Vor dem Sprungball griff Nowitzki zum Mikro und sagte, nachdem er sich unter ohrenbetäubendem Jubel Gehör verschafft hatte: "Ich wollte mich für Euer Kommen bedanken, die letzten drei Tage waren für mich unvergesslich." ( BERICHT: Nowitzki genießt Berlin)
ALBA-Kapitän Sven Schultze meinte - halb versehentlich, halb stolz auf die rappelvolle Arena am Ostbahnhof: "Dirk hat die Ehre, in unserer Halle sein zu dürfen. Wir freuen uns, die erste deutsche Mannschaft zu sein, das gegen ein Team aus der NBA spielen darf, eine der stärksten Ligen der Welt."
Der neue ALBA-Coach Sasa Obradovic ließ Schultze jedoch wie die beiden deutschen Nationalspieler Heiko Schaffartzik und Yassin Idbihi vor den Augen von Bundestrainer Svetislav Pesic zunächst draußen. Stattdessen starteten neben DaShaun Wood vier Zugänge: Vule Avdalovic, Deon Thompson, Zach Morley und Center Albert Miralles.
Dallas startet mit deutschen Riesen
Dallas setzte auf seine deutschen Riesen, Shawn Marion sowie die neuen Guards Darren Collison und O.J. Mayo.
Kaman, der im ersten Angriff noch den Ball verloren hatte, erzielte im zweiten aus der Halbdistanz die ersten Punkte. Doch ALBA-Playmaker Avdalovic brachte die Hausherren per Dreier in Front.
Nowitzki hatte Abstimmungsprobleme angekündigt, und die Mavs hielten Wort, leisteten sich in den ersten fünf Angriffen sechs Turnovers.
Zurechtweisung für Schaffartzik
Nach vier Minuten netzte Nowitzki seinen ersten Wurf im Zurückfallen blitzsauber ein, anderthalb Minuten später musste er für Shawn Marion weichen. Das Spiel war da noch völlig offen (9:9).
ALBA brachte mit mutigen Aktionen das Publikum hinter sich. Idbihi ließ mit einer Täuschung den einstigen Nummer-1-Draftpick Elton Brand ganz alt aussehen und punktete trotz Fouls.
Nach zehn Minuten kam endlich Berlins Publikumsliebling Schaffartzik aufs Feld - und musste sich in der Defensive prompt vom weit aufs Parkett preschenden Coach Obradovic zurechtweisen lassen.
Thompson mit Punktsieg gegen Nowitzki
Doch auch bei Dallas lief weiter einiges schief, vor allem vergaßen die Außenspieler den besten Punktesammler der Klubgeschichte: Dirk Nowitzki nahm im ersten Abschnitt, der 21:23 verloren ging, nur einen Wurf ( INTERVIEW: Rick Carlisle bei SPORT1).
Die Berliner rochen Lunte, Power Forward Thompson stahl erst Nowitzki, dann dem wieselflinken Roddy Beaubois den Ball, vollendete vorne per Dunking.
Und nachdem Nowitzki mit einem Sprungwurf über Thompson gescheitert war, zwang Avdalovic mit seinem Runner zum 29:23 Dallas zu einer Auszeit.
Patzer von Nowitzki
Doch so recht wach rütteln konnte Coach Rick Carlisle seine mit dem Jetlag kämpfenden Texaner nicht.
Nur mit ihrer körperlichen Überlegenheit drehten sie den Spieß zum 38:35 herum, doch ALBA blieb dran, und Nowitzki legte unbedrängt einen Korbleger daneben - Raunen beim Publikum, verdutztes Lächeln beim Superstar.
Nach der Halbzeit verwandelte Nowitzki aber ebenso wie Kaman gleich einen Sprungwurf. Doch weil ALBA überraschend bei den Rebounds auf Augenhöhe war, konnten sich die Texaner erst nach 31 Minuten erstmals zweistellig absetzen(60:49).
Beaubois verletzt raus
ALBA fightete, Schaffartzik beantwortete ein Nowitzki-Korb mit einem Dreier zum 58:62.
Dann musste Dallas den Schock wegstecken, dass Beaubois schmerzverzerrt am Boden lag. Der fragile Franzose musste mit einem verstauchten Knöchel vom Feld getragen werden.
Im Schlussviertel wurde der milliardenschwere Mavs-Besitzer direkt hinter der Dallas-Bank noch unruhiger, als Thompson im Nachfassen auf 65:67 verkürzte.
Marion trifft nach Offensiv-Rebound
Zweieinhalb Minuten vor Schluss brachte Djedovic ALBA bis auf einen Zähler heran, Delonte West konterte aus der Distanz, Morley stand hingegen auf der Dreipunktelinie, als er zum 82:84 verkürzte.
Obwohl Nowitzki auf dem Feld schuftete, standen die Fans geschlossen hinter ihren "Albatrossen", und die hatten in zwei Angriffen die Chance zum Ausgleich.
Doch mit 23 Sekunden Restspielzeit holte sich Marion nach einem vergebenen Delonte-West-Dreier den Rebound und traf zum 86:82. Djedovic verkürzte per Korbleger, Nowitzki schraubte den Vorsprung der Mavs per Freiwürfen auf vier.
Und da Schaffartzik einen Dreier verfehlte, war die Chance der Berliner auf die Sensation dahin.