"Die Mavericks sind besser als vorige Saison"
Aus Berlin berichtet Michael Spandern
Berlin - Der große Rummel in Berlin ( Bericht) galt Dirk Nowitzki, aber auch dessen Wegbereiter in der NBA hatte einen seltenen Auftritt in Deutschland.
Detlef Schrempf, erster europäische All-Star und zweimal bester Sechster Mann der Liga, ist mal wieder mit der besten Liga der Welt auf Europa-Tournee.
Die Legende, inzwischen 49 und hauptberuflich Immobilienmakler, kann sich eine berufliche Rückkehr in die NBA unter Umständen vorstellen, wie er im SPORT1-Interview erläutert.
Außerdem spricht der ehemalige Small Forward, der mit den Seattle SuperSonics 1996 in den NBA-Finals Michael Jordans Bulls unterlag, über sein damaliges Gastspiel in Berlin, Dirk Nowitzkis Zukunft, den Umbruch mit den Mavs und seinen Freund Shawn Kemp.
SPORT1: Herr Schrempf, auf der Europa-Tournee werden Sie offiziell als NBA-Legende geführt. Seit wann haben Sie diesen Status?
Detlef Schrempf (überlegt): Ich glaube, seit ich aufgehört habe, zu spielen. Ja, das war der Moment.
SPORT1: Der Titel ist ja auch hochverdient. Schließlich sind Sie zweitbester europäischer Korbjäger aller Zeiten.
Schrempf: Wirklich? Und wer ist die Nummer 1. Oh, Dirk natürlich…
SPORT1: Und nach Ihnen folgt?
Schrempf: Peja Stojakovic? Vlade Divac? Keine Ahnung.
SPORT1: Pau Gasol. Er könnte Sie in der nächsten Saison überholen.
Schrempf: Oh ja, Pau ist inzwischen auch schon lange dabei.
SPORT1: Es klingt so, als würden Sie Statistiken nicht sonderlich interessieren.
Schrempf: Überhaupt nicht. Ich bin seit zehn Jahren raus, und schon damals mussten mir die Leute sagen, wo ich in welcher Liste stehe. Ich habe mich darum nie gekümmert, sondern hatte einfach Spaß am Basketballspielen.
SPORT1: Sie hätten als erster europäischer All-Star bestimmt auch Spaß gehabt, einmal vor fast 15.000 Zuschauern in der Heimat zu spielen.
Schrempf: Immerhin war ich ja mit den Indiana Pacers auch mal in Berlin. Es war damals gegen Seattle das erste Spiel zweier NBA-Teams in Europa. Allerdings in der viel kleineren Deutschlandhalle (DIASHOW: Nowitzkis Mavericks in Berlin).
SPORT1: Der Rummel war wahrscheinlich auch eine Nummer kleiner als anno 2012 mit Dirk Nowitzki?
Schrempf: Ach, ich war auch den ganzen Tag unterwegs. Meetings, Brunches, Dinners mit David Stern...
SPORT1: Nach Ihrer Karriere waren Sie zwei Jahre lang als Assistenztrainer in Seattle tätig, jeden Sommer veranstalten Sie Basketball-Camps. Könnten Sie sich vorstellen, noch mal hauptamtlich für ein NBA-Team tätig zu sein?
Schrempf: Ich habe den Job 2008 aufgegeben, weil ich wusste, dass die Sonics umziehen. Meine Kinder waren gerade in der High School, und da sah ich keinen Sinn darin, wegzuziehen. Wenn wieder ein Team nach Seattle käme, würde ich mir das überlegen. Wenn ich Stand jetzt ein Angebot bekäme, weiß ich nicht, ob mich das interessieren würde. Als Coach musst du dich darauf einstellen, alle zwei, drei Jahre umzuziehen. Und ich habe hier ein schönes Leben, mir geht es gut.
SPORT1: Auch Dirk Nowitzki hat angedeutet, dass er nach seinem Karriereende vielleicht in den USA bleibt. Was sind die Vorzüge gegenüber Deutschland?
Schrempf: Der Vergleich fehlt mir. Ich kam als Jugendlicher her, und als ich mit dem Basketball aufgehört habe, war ich ein verheirateter Mann mit zwei Söhnen. Aber als Profi-Basketballer in den USA kann das Leben natürlich so schlecht nicht sein. Mir gefällt die Stadt, und die Menschen in Seattle sind sehr freundlich. ( INTERVIEW: Rick Carlisle bei SPORT1)
SPORT1: Vor einem Jahr haben Sie uns erzählt, wie sehr Sie sich über Nowitzkis Titel gefreut haben. Haben Sie sich 2006, als Miami Dallas besiegt hat, auch für Ihren ehemaligen Teamkameraden Gary Payton gefreut?
Schrempf: Gary und ich telefonieren zwar manchmal, aber beste Freunde sind wir nicht. Mit Dirk verbindet mich halt die Herkunft.
SPORT1: Nowitzki nennt die ehemaligen Mavs Jason Terry, Jason Kidd und besonders Brian Cardinal Freunde, deren Weggang schmerze. Welche Freundschaften haben Sie in der NBA geknüpft - wenn schon nicht zu Payton?
Schrempf: Ich habe noch einige gute Freunde. Allerdings sind alle aus Seattle weggezogen. Da werden die Telefonate seltener, wie mit Joe Kleine, der jetzt in Arkansas lebt. Mit Sam Perkins bin ich gut befreundet, und auch mit Shawn Kemp. Den sehe ich öfter.
SPORT1: Sie sind mit 36, zwei Jahre vor Ihrem Karriereende, nach Portland gewechselt. Wenn Nowitzkis Vertrag mit den Mavs ausläuft, ist er auch 36. Würden Sie ihm dazu raten, noch mal was Neues auszuprobieren?
Schrempf: Ich hab das nur gemacht, weil ich eine Chance sah, doch noch die Meisterschaft zu gewinnen. Ich hatte die Optionen Trail Blazers, Lakers, Spurs, und ein paar Klubs, die keine Chance hatten. Portland hatte super Spieler, war nicht weit weg, meine Familie musste nicht umziehen. Mit dem Titel hat es dann nicht geklappt, weil es viele Probleme im Team gab. Hätte ich damals schon einen Titel gehabt, wäre ich in Seattle geblieben.
SPORT1: Also sollte Nowitzki bleiben?
Schrempf: Außer er glaubt, anderswo viel mehr Spaß zu haben. Oder er will unbedingt noch einen Titel haben ( DATENCENTER: NBA-Spielplan).
SPORT1: Hat er die Chance, mit den runderneuerten Mavericks noch mal oben anzugreifen, obwohl nicht wie erhofft ein Superstar wie Deron Williams oder Dwight Howard gekommen ist?
Schrempf: Wir müssen abwarten. Vielleicht schlägt der neue Point Guard Darren Collison super ein. Ich weiß nicht, ob Dirk heiß ist und körperlich topfit. Aber ich glaube, sie sind besser als vorige Saison.