Nach Berliner Herbst: Nowitzkis Countdown läuft
Aus Berlin berichtet Michael Spandern
Berlin - Eine letzte Pressekonferenz, ein wenig Schlaf - und dann war der Superstar auch schon wieder entflogen.
Nicht mal volle drei Tage waren Dirk Nowitzki bei seinem ersten Gastspiel in Deutschland mit den Dallas Mavericks vergönnt. Und eine standesgemäße Performance auch nicht.
"Das Spiel war von uns nicht ganz toll", bewertete der elfmalige All-Star bei SPORT1 den 89:85-Sieg des letztjährigen NBA-Champions bei ALBA Berlin ( Spielbericht) noch moderat. Er selbst steuerte acht Punkte, fünf Rebounds, drei Ballverluste und die erstaunlichste Aktion des Abends bei:
Zwei Minuten vor der Halbzeit verfehlte er unbedrängt einen Korbleger, als die 14.500 Fans in der Arena am Ostbahnhof einem Dunking entgegenfieberten (DIASHOW: Nowitzkis Mavericks in Berlin).
Jenseits von Nervosität
"Peinlich", meinte der 34-Jährige mit einem Schmunzeln. "Das Knie hat etwas nachgegeben, und dann bin ich steckengeblieben." Er machte sieben Tage nach dem Start in die Vorbereitung aber auch schwere Beine für den Fauxpas verantwortlich.
Nachdem er seit der Landung am Donnerstag von Termin zu Termin gehetzt war, klappten auch die Würfe nicht. Obwohl offen, versenkte er nur drei von neun, "normalerweise treffe ich bei diesen Würfen neun von zehn".
Nervös sei Nowitzki aber nicht gewesen, beteuerte zumindest sein Coach Rick Carlisle. "Darüber ist er hinaus. ALBA war gut auf ihn eingestellt."
ALBA schon voll im Saft
"Wir hatten keine besondere Taktik gegen Dirk", wiegelte ALBA-Coach Sasa Obradovic bei SPORT1 ab. "Als Team haben wir gut verteidigt, er musste sich jede Aktion erkämpfen."
Allerdings wies er auch darauf hin, dass die Berliner nicht nur den Heimvorteil auf ihrer Seite, sondern auch ihre Saisonvorbereitung abgeschlossen und das erste Saisonspiel hinter sich hatten.
Die Mavs hingegen legen erst am 30. Oktober beim West-Favoriten Los Angeles Lakers los. Nowitzki hat den Countdown allerdings schon eingeläutet.
Neuzugang Collison zeigt seine Klasse
Nach dem Rückflug vom zweiten Testspiel in Barcelona am Dienstag bleiben noch 20 Trainingstage, rechnet er vor. "Das müsste locker langen."
Zudem deuteten die Neuen, allen voran der aus Indiana gekommenen Point Guard Darren Collison (14 Punkte, 9 Korbvorlagen), ihren Wert an: "Darren ist großartig, um das Spiel schneller zu machen."
Dennoch trauert Nowitzki den Abgängern nach: "Ich vermisse Kidd und Jet und Brian Cardinal, einen der besten Freunde, die ich in 14 Jahren NBA hatte. Das tut schon ein bisschen weh, auch wenn ich weiß, dass die NBA ein Geschäft ist."
Nicht jeder freut sich auf den Clasico
Das beweist auch die Kürze des Aufenthalts: "Normalerweise hätten wir schon fünf Tage früher herkommen sollen, dann wäre auch mein Programm nicht so vollgestopft gewesen", bedauerte der Würzburger. "Bevor wir uns an die Zeitverschiebung gewöhnt haben, sind wir schon fast wieder weg."
Dennoch bekräftigt er: "Der Trip hat sich gelohnt." Auch wenn er seinen Mitspielern Deutschland gerne bei besserem Wetter vorgestellt hätte: "Es war nasskalt, nicht so angenehm. Aber das ist halt der deutsche Herbst" ( BERICHT: Nowitzki genießt Berlin).
"In Texas wird wieder die Sonne scheinen", meinte er, ohne zu beantworten, ob er das wärmere Wetter dem Spektakel in seiner Heimat vorziehe. Zumal es ja erst mal nach Katalonien geht, wo die Mavericks sich am Sonntagabend das Fußballspiel zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid ansehen.
"Der Clasico wird ein Riesenerlebnis", freut sich Nowitzki. Während der gegen ALBA sehr engagierte Ex-All-Star Shawn Marion bei SPORT1 zugab, sich nicht wirklich für Fußball zu interessieren.
Kaman bereit für Großtaten
"The Matrix", im gleichen Alter wie Nowitzki, zählte gegen ALBA mit zwölf Punkten und elf Rebounds zu den Aktivposten, Chris Kaman erst im letzten Viertel, als er Berlin mit sechs Punkten, drei Rebounds und einem Monsterblock hinten hielt ( INTERVIEW: Rick Carlisle bei SPORT1).
"Ich bin sehr zufrieden, wie sich Chris in die Partie gekämpft hat", lobte sein Coach Carlisle den ehemaligen deutschen Nationalcenter, dessen Einsatz wegen Rückenproblemen lange auf der Kippe gestanden hatte.
Kaman fühlt sich nun bereit für Großtaten, besonders in Co-Produktion mit Nowitzki: "Wir werden auf den großen Positionen ziemlich erfolgreich sein", kündigte er bei SPORT1 an.