"Nowitzkis Verletzung ist unlogisch"
Von Benjamin Bauer
München - Jetzt hat es also auch Dirk Nowitzki erwischt.
Das Timing für die erste Knieoperation des Superstars der Dallas Mavericks ist allerdings nicht optimal ( BERICHT: Sechs Wochen Pause für Nowitzki).
Eineinhalb Wochen vor dem Saisonstart bei den Los Angeles Lakers muss der Ex-Meister mit acht neuen Spielern eine Strategie entwickeln, um ohne "Dirkules" nicht frühzeitig den Anschluss in der Western Conference zu verlieren (DATENCENTER: Der NBA-Spielplan).
Befürchtungen über chronische Beschwerden und eine längere Pause als die veranschlagten sechs Wochen tritt der Teamarzt der Deutschen Basketball-Nationalmannschaft Thomas Neundorfer allerdings energisch entgegen.
"Nach aktuellem Kenntnisstand ist das nicht zu erwarten", stellt der langjährige DBB-Doc bei SPORT1 klar.
Immer Kontakt nach Dallas
Der Mediziner kennt Nowitzki seit vielen Jahren, steht ständig mit dem 34-Jährigen in Kontakt und ist deshalb genau über Ausmaß und Behandlung der Verletzung informiert.
Bei SPORT1 spricht Neundorfer über die Arthroskopie, den Zeitpunkt der OP, Nowitzkis Heilfleisch, die Reha-Maßnahmen und mögliche Gründe für die Probleme.
SPORT1: Herr Doktor Neundorfer, wer hat die Entscheidung zur OP letztlich getroffen: Nowitzki oder die Ärzte?
Thomas Neundorfer: Solche Entscheidungen treffen immer die Ärzte in Absprache mit dem Patienten. So ist es auch hier gelaufen.
SPORT1: Hat Nowitzki sich vorher Rat von Ihnen geholt?
Neundorfer: Der Physiotherapeut der Nationalmannschaft und ich wurden ständig informiert und standen in Kontakt. Aber die Entscheidung über die Operation haben letztendlich die Ärzte der Dallas Mavericks zusammen mit Nowitzki getroffen. In Berlin haben wir uns alle getroffen und diskutiert. Die Entscheidung ist aber erst in der letzten Woche gefallen.
SPORT1: Hatten Sie Akteneinsicht?
Neundorfer: Nein, brauchten wir aber auch nicht. Es hat ein MRT gegeben, auf dem nichts zu sehen war. Dann ist aber wegen auftretender Gelenkergüsse die Entscheidung zur Arthroskopie getroffen worden, was auch korrekt ist.
SPORT1: Kennen Sie die genaue Diagnose?
Neundorfer: Ja, aber die kann ich gegenwärtig nicht verraten.
SPORT1: Muss man befürchten, dass die Verletzung chronisch wird?
Neundorfer: Nach aktuellem Kenntnisstand ist das nicht zu erwarten ( BERICHT: Kämpfer Nowitzki hofft auf schnelle Rückkehr).
SPORT1: Es werden sechs Wochen Pause erwartet. Ist das realistisch?
Neundorfer: Die Reha beginnt sofort und in sechs Wochen soll er wieder auf dem Feld stehen. Es geht also gleich wieder los und er wird jetzt nicht sechs Wochen nichts machen.
SPORT1: Wäre eine frühere Operation besser gewesen?
Neundorfer: Schwierig. Erst mal muss die Meinung des Patienten angehört werden und die wird bei einem Dirk Nowitzki natürlich ernst genommen. Besonders angesichts der Cleverness und Selbsteinschätzung, die Nowitzki hat. Eine frühere Operation wäre nicht unbedingt cleverer gewesen. Man hat erst versucht, die Sache konservativ zu behandeln.
SPORT1: Warum hat Nowitzki nicht sofort auf eine OP gedrängt?
Neundorfer: Man muss sich klar darüber sein, dass Nowitzki wohl einer der wenigen Spieler auf diesem hohen Niveau ist, der noch nie einen Knie-Eingriff hatte. Da können andere auf eine stattliche Anzahl von Arthroskopien zurückblicken.
SPORT1: In diesem Sommer hatte Nowitzki keinen Wettkampf. Spielt die Pause vielleicht eine Rolle?
Neundorfer: Im Sommer hat er intensiv trainiert und war in bester Verfassung. Insofern war diese Schwellung im Knie eine Überraschung, die wir uns nicht erklären können. Wir haben uns mit den Dallas Mavericks in Berlin ausgetauscht, und die Verletzung ist eigentlich unlogisch, da er extrem fit gewesen ist. Trotz anderer Beschäftigungen hat er sich im Sommer intensiv und konsequent vorbereitet.
SPORT1: Trotzdem überrascht der Zeitpunkt...
Neundorfer: Die Pause ist nicht der Grund, wenn dann ist es eher Zufall. Die Verletzung hat nichts mit einer mangelhaften Vorbereitung zu tun. Er war genauso fit, wie er immer war. Im letzten Jahr hätte man sagen können, dass der Fitnesszustand nicht optimal war. Aber das war das einzige Mal - ansonsten ist er im Sommer immer konsequent im Training.
SPORT1: Gibt es einen Anhaltspunkt für die Herkunft der Verletzung, vielleicht eine Überlastung oder eine falsche Ausgleichsportart?
Neundorfer: Nein. Die Kniebeschwerden sind in den vergangenen Jahren immer wieder kurzfristig gewesen. Dieses Mal ist es nicht weggegangen und deshalb hat man sich zu einer Arthroskopie entschlossen. Kurzfristige Beschwerden hat es auch in den vergangenen Jahren zwischendurch gegeben.
SPORT1: Sie sind sicher, dass er wieder 100 Prozent gesund wird?
Neundorfer: Natürlich. Es besteht kein Grund davon auszugehen, dass es nicht so ist.