Meisterliche Beach Boys gegen Liga-Strandgut
Von Florian Pertsch
München - In der Eastern Conference herrscht seit Jahren eine Zweiklassengesellschaft.
Hier die Top-Teams wie Boston, Chicago oder eben Meister Miami, dort die Imitationen von echten Basketballteams wie die Charlotte Bobcats.
Daher scherzen die Experten auch, dass sich in der NBA die Gerüchte halten, dass dieLiga überlegt, die Southeast Division in Southbeach Division umzubenennen. denn das Team der Heat ist und bleibt das Maß aller Dinge im Südosten der Liga.
Riley wildert in Boston
Alles andere als der Gewinn der Division ist keine Option und selbst der Platz an der Conference-Sonne dürfte für das Team von Meistertrainer Erik Spoelstra mit einem Handtuch im Voraus reserviert sein ( DATENCENTER: Der NBA-Spielplan).
Dabei ist Miami auf dem Spielermarkt nicht besonders aktiv gewesen. Es war vielmehr eine Politik der gezielten Verstärkungen und Nadelstiche gegen alte Rivalen (DIASHOW: Der NBA-Transfermarkt).
Mehr Platz für James
Mit Scharfschütze Ray Allen versetzte General Manager Pat Riley dem Erzrivalen aus Boston einen Seitenhieb, Rashard Lewis wurde aus Washington verpflichtet.
Auf den ersten Blick und verglichen mit den Trades der Lakers natürlich eher mau, doch der Teufel steckt im Detail. Durch Allen und Lewis bekommt die Bank mehr Tiefe, und das Feld wird breiter gemacht. Das öffnet Räume für LeBron James unter dem Korb und macht Miamis Spiel noch vielseitiger.
Miami wird die Small-Ball-Taktik also noch weiter forcieren und die Gegner in Grund und Boden rennen - alles wie gehabt.
Hawks befreit vom All-Star
Atlantas neuer Manager Danny Ferry hielt sich nicht lange mit großen Antrittsreden auf. Klotzen statt kleckern stand auf der Agenda und so ließ es der Ex-Cavalier auch gleich richtig knallen:
Top-Scorer Joe Johnson schickte er nach Brooklyn. Dort spielt der Shooting Guard an der Seite von Deron Williams für die Nets.
Wie bei einem abgezogenen Pflaster zuckten die Hawks-Anhänger zusammen, doch Ferry linderte den Schmerz mit dem erfahrenen Trio Devin Harris, Lou Williams und DeShawn Stevenson umgehend.
Das gibt Al Horford und Josh Smith die Chance sich besser zu entwickeln und schafft für 2013 ordentlich Platz unter dem Salary Cap.
Zwischen Spaß und Hoffnung
Fügen sich die Puzzle-Teile Ferrys perfekt zusammen, könnten Atlantas Fans diese Saison schon Spaß haben, läuft es mäßig, bleibt zumindest die Hoffnung auf die nächste Offseason.
Hinter Miami und Atlanta geht es tief in den Tabellenkeller der Eastern Conference und damit der Southeast Division.
Coach Wittmann ist gefragt
Das Team der Washington Wizards, kann zumindest halbwegs in den Stand eines ernsthaften Basketball-Teams erhoben werden.
Ohne die Störenfriede der letzten Saison, mit einem gereiften John Wall und einem Frontcourt aus ehrlichen Arbeitern und guten Verteidigern (Emeka Okafor, Nene, Trevor Ariza) lässt sich zumindest im Südosten der NBA etwas ausrichten.
Das Potenzial im District Columbia ist da, bleibt nur die Frage, ob Coach Randy Wittmann schnell genug ein Team formen kann.
Bobcats arbeiten sich aus dem Keller
Ganz unten sein hat einen Vorteil: es kann nur aufwärts gehen. Willkommen in Charlotte.
10,6 Prozent gewonnene Spiele, die mieseste Bilanz aller Zeiten. So sieht die bittere Wahrheit für Bobcats-Strippenzieher Michael Jordan aus.
Der Silberstreif am Horizont: Rookie Michael Kidd-Gilchrist. Der Ex-Wildcat wird von "His Airness" mit Bulls-Kollege Scottie Pippen verglichen und ist ein Kandidat für den Titel Rookie des Jahres.
Dazu kommen die erfahrenen Ramon Session, Ben Gordon und Brendan Haywood. Das ist zwar alles noch nicht furchteinflößend, aber es geht zumindest in Richtung NBA-Basketball.
Land unter in Orlando
Die falsche Ausfahrt haben die Orlando Magic erwischt. Das Howard- Desaster hat im Rentner-Paradies mehr Verwüstung angerichtet, als Shaquille O'Neal auf Rollschuhen in einem Porzellanladen hinterlassen hätte.
Die Team-Chemie ist beim Teufel, Ersatz für "Superman" gab es auch nicht und Most Improved Player Ryan Anderson wirft seine Dreier ab jetzt in New Orleans.
Hoffnung 2012? Fehlanzeige. Orlando wird schlecht sein, richtig schlecht. Die verbliebenen Stützen Jameer Nelson und Glen "Big Baby" Davis dürften jetzt schon mit den Stoßgebeten für die Draft Lottery 2013 begonnen haben.
SPORT1 hat die Fakten zur Southeast Division:
Miami Heat:
Halle: American Airlines Arena (19.600 Plätze)
Trainer: Erik Spoelstra
2011/12: Meister, 4:1-Bilanz in den Finals gegen Oklahoma City Thunder
Wichtige Zugänge: Ray Allen, Rashard Lewis
Wichtige Abgänge: Ronny Turiaf, Eddy Curry, Juwan Howard
Mögliche Starting Five: Mario Chalmers, Dwyane Wade, LeBron James, Udonis Haslem, Chris Bosh
SPORT1-Prognose: Platz 1. Jede andere Platzierung wäre eine Katastrophe. Selbst die zweite Garde der Heat wäre mit Ray Allen und Co. stark genug, um vorne mitzuspielen und folglich bleibt für Miami nur eine Frage offen: Ist es gut, sich in der schwachen Gruppe für die Playoffs ausruhen zu können, oder fehlt dadurch die nötige Herausforderung und es zieht der Schlendrian ein?
Atlanta Hawks:
Halle: Philips Arena (18.729 Plätze)
Trainer: Larry Drew
2011/2012: 2:4-Niederlage in der 1. Playoff-Runde gegen die Boston Celtics
Wichtige Zugänge: Lou Williams, Devin Harris, DeShawn Stevenson, Kyle Korver, Anthony Morrow, John Jenkins, Mike Scott, Johan Petro
Wichtige Abgänge: Joe Johnson, Kirk Hinrich, Tracy McGrady, Jordan Farmar, Jordan Williams, Marvin Williams
Mögliche Starting Five: Devin Harris, Anthony Morrow, Kyle Korver, Josh Smith, Al Horford
SPORT1-Prognose: Platz 2. Der Abgang von Punktegarant Joe Johnson ist natürlich schmerzlich, aber eben nur ein bisschen. Die Neuzugänge sind alles passable Spieler und werden in die Bresche springen. Innerhalb der Division reicht es für die Hawks, doch um in die Playoffs der Eastern Conference einzuziehen, muss sich Atlanta ordentlich strecken.
Washington Wizards:
Halle: Verizon Center (20.173 Plätze)
Trainer: Randy Wittman
2011/2012: 14. in der Eastern Conference
Wichtige Zugänge: Trevor Ariza, Emeka Okafor, Bradley Beal, A.J. Price, Martell Webster
Wichtige Abgänge: Andray Blatche, James Singleton, Rashard Lewis, Maurice Evans
Mögliche Starting Five: John Wall, Jordan Crawford, Trevor Ariza, Emeka Okafor, Nene
SPORT1-Prognose: Platz 3. Die drei Stooges Young, Blatche und McGee sind entsorgt und durch seriöse Arbeiter wie Okafor und Ariza ersetzt worden. Trainer Wittman hat dadurch immerhin die Möglichkeit, unter ernsthaften Bedingungen zu arbeiten. Die Chancen für eine Überraschung sind gegeben, doch für eine Playoff-Teilnahme muss wirklich alles passen.
Charlotte Bobcats:
Halle: Time Warner Cable Arena (19.026 Plätze)
Trainer: Mike Dunlap
2011/2012: 15. in der Eastern Conference
Wichtige Zugänge: Ramon Sessions, Ben Gordon, Michael Kidd-Gilchrist, Brendan Haywood, Jeff Taylor
Wichtige Abgänge: D.J Augustin, Corey Magette, Jamario Moon
Mögliche Starting Five: Ramon Sessions, Gerald Henderson, Michael Kidd-Gilchrist, Tyrus Thomas, Bismack Biyombo
SPORT1-Prognose: Platz 4. Schafft es General Manager Michael Jordan, endlich ein Basketball-Team zusammenzustellen? Es sieht wirklich langsam danach aus. Die Bobcats haben sich ordentlich verstärkt und müssen in dieser Saison nicht um eine zweistellige Siegesquote bangen. Alles andere würde wahrscheinlich aber auch zu einer Streichung des NBA-Standorts Charlotte durch Commissioner David Stern führen. Die Playoffs sind trotzdem noch Lichtjahre entfernt.
Orlando Magic:
Halle: Amway Center (18.846 Plätze)
Trainer: Jacque Vaughn
2011/2012: 1:4-Niederlage in der 1. Playoff-Runde gegen die Indiana Pacers
Wichtige Zugänge: Arron Afflalo, Al Harrington, Mo Harkless, Josh McRoberts, Andrew Nicholson, Nikola Vucevic, Gustavo Ayon
Wichtige Abgänge: Dwight Howard, Chris Duhon, Jason Richardson, Ryan Anderson
Mögliche Starting Five: Jameer Nelson, Arron Afflalo, Hedo Turkoglu, Glen Davis, Nikola Vucevic
SPORT1-Prognose: Platz 5. Das Drama ist vorbei, es lebe das Drama. Nervensäge Howard hat die Küste gewechselt, doch Orlando kommt damit vom Regen in die Traufe. Die Saison wird im schlimmsten Fall Bobcats-Dimensionen annehmen und das einzig Magische im Staate Florida wird bis zum Sommer 2013 Walt Disney World sein. Magic-Fans, immer feste an die Draft Lottery denken.