Rose-lose Bulls spüren die Verfolger im Nacken
Von Eric Böhm
München - Auch beim Trainingsauftakt der Chicago Bulls hatten die versammelten Medien nur ein Thema: Wann kommt Derrick Rose zurück?
Seit sich der Ex-MVP im ersten Playoff-Spiel 2012 das Kreuzband riss beschäftigt diese Frage das Umfeld des sechsmaligen Champions.
Die aktuellste Prognose geht davon aus, dass D-Rose im Frühjahr 2013 wieder in sein Trikot mit der Nummer eins schlüpft ( DATENCENTER: Der NBA-Spielplan).
"Bis dahin müssen wir ohne Derrick klarkommen. Ich denke, wir haben gute Spieler geholt und haben gezeigt, dass wir ihn erfolgreich ersetzen können", sagt Coach Tom Thibodeau.
Teague läuft durch Calipari-Schule
In der Tat spielten die Bulls in der vergangenen Saison auch ohne den oftmals angeschlagenen Rose stark und gewannen souverän die Central Division.
Der Backcourt wurde im Sommer mit Rückkehrer Kirk Hinrich, dem italienischen Shooter Marco Belinelli, Nate Robinson und Rookie Marquis Teague verstärkt (DIASHOW: Der NBA-Transfermarkt).
Der Bruder des Hawks-Guards kommt aus John Caliparis Point-Guard-Schule. Der ehemalige NBA-Trainer formte am College bereits Tyreke Evans, John Wall, Brandon Knight und Rose.
Frontcourt-Duo als Abwehr-Anker
Einzig der Abgang des Ersatz-Centers Ömer Asik (nach Houston) konnte nicht hundertprozentig ersetzt werden.
Joakim Noah und Carlos Boozer bilden ein starkes Duo unter dem Korb und sind die Anker der extrem starken Abwehr.
Belinelli und der alternde Rip Hamilton müssen Boozer und Alleskönner Luol Deng in der Offensive entlasten, um den dritten Divisionstitel in Folge zu gewinnen. Die Meisterschaft ist ohnehin nur mit Rose in Topform ein Thema.
"Wir hoffen natürlich, dass er noch vor den Playoffs wieder dabei ist. Dann wäre alles drin. Bis dahin müssen wir unseren Job machen", fordert Noah.
Indiana jagt die Bulls
Den Platz an der Sonne zu verteidigen, wird aber deutlich schwerer als im vergangenen Jahr. Denn die Indiana Pacers verkürzen den Abstand.
In der K.o.-Runde hatte die Mannschaft von Coach Frank Vogel den späteren Meister Miami am Rand des Ausscheidens und ist größtenteils zusammengeblieben.
Aufbauspieler Darren Collison wechselte zwar nach Dallas, doch ihm hatte zuletzt George Hill ohnehin den Rang abgelaufen.
Hansbrough-Brüder vereint
Als Backup kam der talentierte D.J. Augustin von den Bobcats. Die vielseitigen Sam Young und Gerald Green ergänzen einen eingespielten und ausgeglichenen Kader um All-Star Roy Hibbert, David West und Topscorer Danny Granger.
Das feurige Bruderpaar Hansbrough hofft auf Einsatzzeit von der Bank. Während Tyler seine Minuten sicher hat, musste sich Bayern-Flüchtling Ben seinen Platz in Summer-League und Preseason erkämpfen.
"Wir wollen den nächsten Schritt in unserer Entwicklung machen. Ich denke, die erhoffte Steigerung nach Rang zwei ist jedem klar. Das Playoff-Geschehen kannst du jetzt eh noch nicht vorhersagen", gibt sich Tyler Hansbrough forsch.
Dalembert verstärkt Bucks
Dahinter geht es darum, überhaupt an den Playoff-Plätzen zu schnuppern. Den Milwaukee Bucks droht zum dritten Mal in Folge der undankbare neunte Rang in der Eastern Conference.
Abgesehen von Center Samuel Dalembert kam kein erfahrener Neuer. Immerhin konnte der türkische Senkrechtstarter Ersan Ilyasova gehalten werden.
Trotzdem ist das Team zu unausgewogen aufgestellt. Es gibt zu viele Flügelspieler und keinen guten Backup-Center. Der Backcourt mit Brandon Jennings und Monta Ellis ist klein und abwehrschwach.
"Der Osten ist stärker geworden, aber wir glauben an unsere Mannschaft. Wenn wir unser Potenzial ausschöpfen, werden wir mitmischen", verspricht Cheftrainer Scott Skiles.
Junge Cavs streben auf
Auf dem Weg nach oben sind die jungen Cleveland Cavaliers. Das James-Debakel gerät langsam in Vergessenheit, und Kyrie Irving ist als amtierender Rookie des Jahres der neue Liebling.
In Allrounder Dion Waiters und Center Luke Zeller kamen zwei weitere hochtalentierte Youngster dazu. Allerdings fehlt der kaum veränderten Truppe die Erfahrung.
Wenig Qualität bei Pistons
Die Pistons werden es schwer haben den Cavs-Kindergarten hinter sich zu halten. Trotz der Fortschritte von Center Greg Monroe und des agilen Schweden Jonas Jerebko fehlt die Qualität.
Der starke Individualist Ben Gordon ging nach Charlotte, lediglich die Neulinge Kyle Singler und Andre Drummond machen Hoffnung.
SPORT1 hat die Fakten zur Central Division:
Chicago Bulls:
Halle: United Center (21.711 Plätze)
Trainer: Tom Thibodeau
2011/2012: Playoff-Aus gegen Philadelphia in Runde eins (2:4)
Wichtige Zugänge: Kirk Hinrich, Marco Belinelli, Marko Jaric, Vladimir Radmanovic, Nate Robinson, Nazr Mohammed, Marquis Teague
Wichtige Abgänge: Ömer Asik, C. J. Watson, John Lucas III, Kyle Korver, Ronnie Brewer
Mögliche Starting Five: Kirk Hinrich, Richard Hamilton, Luol Deng, Carlos Boozer, Joakim Noah
SPORT1-Prognose: Platz eins, weil das Team auch in der vergangenen Saison gezeigt hat, dass es ohne den verletzten Rose bestehen kann. Mit Rückkehrer Hinrich und Belinelli wurde der Backcourt verstärkt. Für den ganz großen Wurf kann es nur reichen, wenn der Ex-MVP noch fit zurückkommt.
Indiana Pacers:
Halle: Bankers Life Fieldhouse (18.165 Plätze)
Trainer: Frank Vogel
2011/12: Playoff-Aus gegen Miami in Runde zwei (2:4)
Wichtige Zugänge: D.J. Augustin, Sam Young, Gerald Green, Ian Mahinmi, Miles Plumlee
Wichtige Abgänge: Darren Collison, Dahntay Jones, Leandro Barbosa, Lou Amundson
Mögliche Starting Five: George Hill, Paul George, Danny Granger, David West, Roy Hibbert
SPORT1-Prognose: Platz zwei, weil die Pacers ihre aus den Playoffs bekannte Rotation punktuell verstärkt und nur Collison abgegeben haben. Miami lieferten sie eine tolle Serie und werden unter Coaching-Newcomer Vogel eine wichtige Rolle im Osten spielen.
Milwaukee Bucks:
Halle: Bradley Center (18.717 Plätze)
Trainer: Scott Skiles
2011/12: 9. Platz in der Eastern Conference
Wichtige Zugänge: Samuel Dalembert, John Henson, Doron Lamb, Joel Przybilla
Wichtige Abgänge: Jon Leuer, Shaun Livingston, Carlos Delfino, Jon Brockman
Mögliche Starting Five: Brandon Jennings, Monta Ellis, Mike Dunleavy Jr., Ersan Ilyasova, Samuel Dalembert
SPORT1-Prognose: Platz drei, weil der dritte neunte Platz im Osten in Folge droht. Der Kader ist unausgewogen zusammengestellt - viele Forwards, kaum Guard-Alternativen. Trotzdem besteht in der Zwei-Klassen-Gesellschaft der Conference eine Chance, wenn Skiles in der Abwehr wieder Beton anrührt. Scorer gibt es genug.
Cleveland Cavaliers:
Halle: Quicken Loans Arena (20.562 Plätze)
Trainer: Byron Scott
2011/2012: 13. Platz in der Eastern Conference
Wichtige Zugänge: Dion Waiters, Tyler Zeller, Jon Leuer, C.J. Miles, Kevin Jones
Wichtige Abgänge: Anthony Parker, Antawn Jamison, D.J. Kennedy
Mögliche Starting Five: Kyrie Irving, Dion Waiters, Alonzo Gee, Tristan Thompson, Anderson Varejao
SPORT1-Prognose: Platz vier, weil das junge Team keine nennenswerten Abgänge zu verzeichnen hat und sich dank Coach Scott weiter verbessern dürfte. Irving bekommt durch den Top-Rookie Waiters einen ausgezeichneten Partner. Die Playoffs kommen aber noch zu früh.
Detroit Pistons:
Halle: The Palace of Auburn Hills (22.076 Plätze)
Trainer: Lawrence Frank
2011/12: 10. Platz in der Eastern Conference
Wichtige Zugänge: Kyle Singler, Andre Drummond, Corey Maggette, Kim English, Wjascheslaw Krawtsow
Wichtige Abgänge: Ben Gordon, Ben Wallace, Damien Wilkins
Mögliche Starting Five: Brandon Knight, Rodney Stuckey, Tayshaun Prince, Jonas Jerebko, Greg Monroe
SPORT1-Prognose: Platz fünf, weil die Pistons sich nahezu ausschließlich extrem unerfahrenen Spielern verstärkt hat und einfach zu wenig individuelle Klasse besitzt. Nur über eine ausgzeichnete Teamleistung ist eine Überraschung drin, sonst winkt die Draft-Lotterie.