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Kobe Bryant gewann mit den Lakers bisher fünf NBA-Meisterschaften © getty

Superstar Bryant liefert eine Erklärung für die Krise des Topfavoriten. Die Kritik richtet sich gegen die Einkaufspolitik.

Von Eric Böhm

München - Kobe Bryant hat in seinen 17 NBA-Jahren selten ein Blatt vor den Mund genommen (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

Diesen Ruf bestätigte der Superstar der Los Angeles Lakers nun erneut, als er nach den Problemen des jenseits der Playoff-Plätze herumdümpelnden Topfavoriten gefragt wurde.

"Wir sind verdammt alt. Ich weiß nicht, wie ich es sonst beschreiben soll. Wir müssen rausfinden, wie wir das kompensieren können", raunzte Bryant.

Clippers schon weit weg

16 Niederlagen aus 31 Spielen und Rang zehn in der Western Conference gehen der "Black Mamba" gehörig gegen den Strich.

Auch der frühe Trainerwechsel von Mike Brown auf Mike D'Antoni ist schnell verpufft. Die jungen Clippers (25:8) laufen dem 16-maligen Champion in L.A. langsam aber sicher den Rang ab.

Nach der Pleite gegen die 76ers aus seiner Heimatstadt Philadelphia (Bericht) platzte dem aktuellen NBA-Topscorer der Kragen ( 657192 DIASHOW: Die Bilder der 10. Woche ).

"Wir sind einfach langsam. Wir haben heute ein Team gesehen, dass jünger und dynamischer war. Wir haben gespielt, als würden wir in Schlamm feststecken", echauffierte sich der 34-Jährige.

Viele Ü-30er

Damit kritisierte Bryant auch die Einkaufspolitik von Manager Mitch Kupchak.

Zu dem alten Kern um Bryant, Metta World Peace (33), Steve Blake oder Pau Gasol (beide 32) kamen vor der Saison Point Guard Steve Nash (38) und Forward Antawn Jamison (36).

Außerdem wurde vergeblich versucht, Gasol loszuwerden. Der Mega-Deal mit Dwight Howard hat sich bisher auch nicht hundertprozentig ausgezahlt.

"Es ist frustrierend für ihn, dass er nach der langen Pause nicht das bringt, was er von sich und wir von ihm erwarten", sagte Bryant.

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Howard nicht in Form

Nach seiner Bandscheiben-Operation kommt der einzig junge Superstar (27) im Team nicht in Form. Regelmäßig trottet er auf dem Court seinen Kollegen hinterher.

"Er kämpft und versucht, auf andere Weise effektiv zu sein. Es ist schwierig zu akzeptieren, wenn du physisch nicht mehr der Spieler früherer Jahre bist", meinte Bryant.

Neben seiner chronischen Freiwurfschwäche macht ihm vor allem D'Antonis so geliebtes Tempospiel große Probleme.

Seit der Ankunft des neuen Trainers lässt seine Punktausbeute nach. In den vergangenen elf Partien gelangen ihm nur einmal mehr als 20 Zähler (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Tempo als Gift

Das zeigt ein generelles Dilemma auf. Der vor D'Antonis Ankunft zusammengestellte Kader passt nicht optimal zu seinem favorisierten Stil.

Bryant hätte ohnehin lieber seinen Mentor Phil Jackson als Browns Nachfolger gesehen. Das könnte auch ein Grund für die Schärfe der Kritik sein.

Die von Nash angeführten Teams in Phoenix brillierten mit attraktivem und extrem schnellem Offensivspiel. Damit haben die betagten Lakers vor allem in der Rückwärtsbewegung große Probleme.

Unter D'Antoni gewann das Team nur zwei von elf Partien, wenn sie mindestens 96 Mal in Ballbesitz waren. Gab es weniger, was auf ein langsameres Spielgeschehen hindeutet, wurden acht von zehn Partien gewonnen.

World Peace widerspricht

Dass Bryants Alter-These nicht der einzige Grund für die Krise sein kann, beweisen die New York Knicks.

Mit durchschnittlich 32,6 Jahren stellen die Knickerbockers die älteste Startformation der NBA-Geschichte und rangieren in der Eastern Conference auf Rang zwei.

"Das Alter ist für uns keine Entschuldigung. Danke für den Versuch, aber die Knicks stehen auch gut da. Das zieht nicht", bestätigte Metta World Peace - in New York läuft es aber erst seit D'Antonis Rauswurf.