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Andrew Bynum (l.) bestritt noch kein Spiel für die Philadelphia 76ers © imago

Während sich "Superman" bei den Lakers nach wie vor schwer tut, stürzt Bynums Bowling-Desaster die 76ers in eine Sinnkrise.

Von Eric Böhm

München - Der Protagonist hat noch die Chance, das Fiasko zu vermeiden. Trotzdem fällt das Fazit des geräuschvollen Wechsels von Dwight Howard für fast alle Beteiligten desaströs aus.

Eine gute Woche vor dem Ende der Saison steht fest: Drei von vier beteiligten Teams und "Superman" selbst haben ihre Ziele klar verfehlt (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

Die nur am Rande involvierten Denver Nuggets zogen das große Los, während die Philadelphia 76ers als größter Verlierer in die Röhre schauen.

"Im Nachhinein bist du schlauer. Wir haben auf den Homerun spekuliert, und es hat nicht geklappt. Trotzdem begrüße ich den Mut unseres Managements", sagte 76ers-Trainer Doug Collins.

Playoffs verpasst

Den erfahrenen 61-Jährigen könnte dieses Pokerspiel aber seinen Job kosten. Denn nach einer stetigen Steigerung und zwei Playoff-Teilnahmen verpasste sein Team die K.o.-Runde nun deutlich.

Hauptgrund dafür ist der Howard-Deal. Dabei hatten sich die Sixers im August des vergangenen Jahres vor Schulterklopfern kaum retten können.

Schließlich erhielten sie in Andrew Bynum den wohl zweitbesten Center der NBA, der sogar noch eine größere Zukunft als Hauptdarsteller Howard vor sich hatte.

"Zu diesem Zeitpunkt war jeder der Meinung, Philly wäre der Gewinner des Trades", bestätigte TV-Experte und Ex-Spieler Bruce Bowen.

Bowling und Eigenblut

Mit einer fantastischen Saison wies Bynum 2011/2012 nach, dass er sein Potenzial konstant abrufen und ohne Verletzungen durch eine Saison kommen kann.

Dafür mussten die Sixers "nur" Olympiasieger Andre Iguodala, ihren Erstrundenpick im Draft 2015, den Neuling Moe Harkless und Bankdrücker Nikola Vucevic opfern.

Plötzlich plagten Bynum aber wieder Knieprobleme, die mit der Einspritzung von Eigenblut ins rechte Kniegelenk behandelt wurden. Der Saisonstart war futsch.

Wenig später verletzte sich der 25-Jährige auch noch das gesunde linke Knie bei einem Bowlingabend. Nach mehreren erfolglosen Therapien wurde er im März operiert.

Was nun?

Nicht eine Partie absolvierte Bynum somit für Philadelphia. Zu dem fürstlichen Gehalt (16,1 Millionen Dollar) kommt erschwerend hinzu, dass er im Sommer Free Agent wird.

Das Dilemma für die 76ers ist perfekt: Lässt man ihn ohne Kompensation ziehen, oder gibt man einem verletzungsanfälligen Risikospieler einen langfristigen Vertrag?

Als wäre das für die leidgeprüften Anhänger nicht schon schlimm genug, eilt nun Iguodala mit Denver von Sieg zu Sieg.

Der Flügelspieler war offensiv und defensiv eine perfekte Ergänzung für Trainer George Karls Tempospiel. Die cleveren Nuggets wurden zudem noch Al Harrington los und gelten als Titel-Geheimtipp.

Vucevic trumpft auf

Zudem ist der in der Schweiz geborene Center Vucevic für Orlando mittlerweile der zweitbeste Rebounder der Liga und auch Harkless deutet sein Potenzial an (Sichern Sie sich Dirk Nowitzkis Trikot im SPORT1 Shop).

"Orlando ist naturgemäß ein Verlierer, weil sie einen Superstar verloren haben und nicht mehr relevant sind, aber die erhaltenen Bausteine könnten für die Zukunft Gold wert sein", meinte Bowen.

Mit Trainerneuling Jacque Vaughn stehen die Magic im Keller der Eastern Conference, haben aber einige Talente, viele Draftpicks und finanziellen Spielraum - sollten Altlasten wie Hedo Türkoglu noch abgegeben werden.

Howard wäre ohnehin nicht zu halten gewesen, um Glen Davis und den zusätzlich aus Denver erhaltenen Arron Afflalo besteht ein ordentliches Fundament. Der Weg ist aber noch weit.

Lakers-Chemie stimmt nicht

Doch wie steht es um den Hauptakteur? Eigentlich war für "Superman" alles gut gelaufen. Endlich durfte er auf eine große Bühne wechseln.

Mit Kobe Bryant und Steve Nash würde er ein "Miami des Westens" bilden. Der Finals-Showdown mit den den Heat war schon so gut wie gebucht.

Aber irgendwie gelang es weder Mike Brown noch Mike D'Antoni eine funktionierende Einheit aus den großen, aber auch betagten Namen zu formen - von den zwischenmenschlichen Problemen ganz zu schweigen.

Ausgang ist offen

Weil bei dem an der Bandscheibe operierten Howard auch Fitness und manchmal Motivation fehlten, zog er sich schnell Bryants Zorn zu (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Wenn es optimal läuft, holen sich die Lakers mit Mühe und Not den letzten Playoff-Platz im Westen. Ob Howard angesichts von drohender Luxussteuer und ernüchternder Leistungen aber über den Sommer hinaus bleibt, ist äußerst fraglich.

"Wir hatten uns die Saison anders vorgestellt, aber wir sehen Dwight als langfristigen Bestandteil unseres Teams", sagt Manager Mitch Kupchak. Ob das der Center auch so sieht?

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