Dallas' tiefer Fall endet mit dem Verpassen der Playoffs. Luftschlösser und Fehler des Stars beschleunigen die Abwärtsspirale.

Eindrucksvoller hätten die Dallas Mavericks ihren beispiellosen Absturz nicht krönen können.

In Rekordzeit ist Dirk Nowitzkis Team vom weltweit umjubelten Titelträger und Miami-Besieger in den Niederungen der grauen NBA-Bedeutungslosigkeit gelandet.

Die zwölf Jahre andauernde Playoff-Serie wurde zwar nicht gegen die Phoenix Suns verspielt, die Pleite verdeutlichte aber das Ausmaß der Mavericks-Misere (Bericht).

Nicht einmal das abgeschlagene Schlusslicht kann in einem Must-Win bezwungen werden. Die K.o.-Runde findet deshalb völlig zu Recht ohne Dallas statt.

Der um die letzten Titelbestandteile Nowitzki und Shawn Marion zusammengewürfelte Haufen von Söldnern, anderswo Aussortierten und chronischen Minderleistern hat nicht die nötige Klasse.

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Nowitzki wird vom Wirtschaftsmagazin "Forbes" schon als überbezahlt eingestuft und die Trikots vergammeln in den Regalen. Selbst die anfangs noch amüsante Gesichtsbehaarung der Mavs-Spieler hat längst ihren Reiz verloren.

Wahrscheinlich klagen "ZZ Top" demnächst eine Rasur von Nowitzki und Chris Kaman ein, um ihre Popularität nicht zu gefährden

Der Misserfolg hat viele Väter. Elf Jahre lang versuchten Eigentümer Mark Cuban und seine rechte Hand Donnie Nelson, ein titelreifes Ensemble zu basteln.

Als es 2011 endlich klappte und durch den Finals-Erfolg gegen die ungeliebten Heat auch viele Sympathiepunkte gewonnen wurden, rissen sie die auch menschlich verschworene Einheit wieder auseinander.

Zwar spielte dabei der neue Tarifvertrag eine wichtige Rolle, aber die Gier nach einem zweiten Superstar in der Blüte seiner NBA-Jahre war größer. Für Luftschlösser wurden die verdienten Jason Terry und Jason Kidd brüskiert.

Dabei waren Lückenbüßer wie Spaßvogel Chris Kaman auch nicht gerade Schnäppchen. Nowitzkis Karriere-Herbst wird so leichtfertig verschwendet.

Der einst so strahlende "Dirkules" muss sich aber auch an die eigene Nase fassen. Die notwendige Knie-OP vor der Saison wurde zu spät vorgenommen. Zudem gab Nowitzki später zu, dass sein Saisoneinstieg vor Weihnachten zu früh gewesen sei.

Die Leistungen waren entsprechend dürftig. Aber selbst mit einem topfitten Nowitzki wäre der Anspruch, um den Titel mitzuspielen, unrealistisch gewesen.

Der Superstar hätte stattdessen bereits 2011 größeren Druck auf die Verantwortlichen ausüben müssen. Vielleicht hätte Cuban dann bei Tyson Chandler - dem emotionalen Anführen war nicht einmal ein Angebot vorgelegt worden - eingelenkt.

Ein bisschen weniger Loyalität und mehr Egoismus a la Kobe Bryant hätte Nowitzki viel Frust erspart.

Wurde das peinliche 0:4 in der ersten Playoff-Runde 2012 als Titelverteidiger gegen Oklahoma City noch dem Lockout-Chaos zugeschrieben, gibt es für das Desaster 2012/2013 keine Entschuldigung mehr.

Das Hoffen auf den großen Transfer-Coup ohne Alternative klappt in der NBA eben nur selten. In Zeiten der neuen Luxussteuer ist die Entwicklung eigener Stars gefragt.

Der jährliche Draft war für die Mavs bisher aber meist eine lästige Pflicht. Statt zukünftige Leistungsträger zu finden, wird offenbar im "Ene-Mene-Muh-Stil" ausgewählt.

Coach Rick Carlisle kann mit jungen Spielern ohnehin nicht viel anfangen. Talente wie Roddy Beaubois, Dominique Jones oder auch Darren Collison stagnierten.

Im Sommer bietet sich nun die letzte Chance, mit dickem Portemonnaie ein konkurrenzfähiges Team um Nowitzki - in seinem letzten Vertragsjahr - zu formieren.

Geht es wieder schief, dürfte und sollte die Loyalität des besten Mavericks aller Zeiten ein Ende haben. Die Rolle als 1b bei einem Topteam wäre dann der logische Schritt für Dirkules.

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