Das Phoenix-Fiasko spiegelt die verkorkste Saison der Mavs wider. Ein Umbruch folgt, der DBB wittert bei Nowitzki Morgenluft.

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Von Eric Böhm

München - Zwar versetzten die L.A. Lakers ihnen den endgültigen Todesstoß, in den Sarg gelegt hatten sich die Dallas Mavericks aber vorher schon selbst.

Die peinliche 91:102-Pleite gegen die Phoenix Suns (Bericht) machte auch dem letzten Optimisten klar, dass dieses Team weder kurz - noch langfristig eine Zukunft haben würde (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

Wie in einem 48-minütigen Zeitraffer spielte Dirk Nowitzkis Mannschaft die völlig verkorkste NBA-Saison noch einmal durch, um am Ende erstmals seit 2000 in den Playoffs nur Zuschauer zu sein.

"Wir hatten ja in diesem Jahr schon einige furchtbare Niederlagen, aber dieses Spiel hätten wir unbedingt gewinnen müssen", haderte Nowitzki.

Alte Fehler wiederholen sich

Unerklärliche Durststrecken, eine Abwehr wie der viel zitierte Schweizer Käse und kaum lichte Momente: Die Blamage vereinte alle Elemente der 77 meist enttäuschenden Partien zuvor.

Selbst ein Team, das zuvor zehn Spiele in Folge verloren und seit 2007 nicht mehr in Dallas gewonnen hatte, deckte die vielen Schwachstellen des Ex-Meisters schonungslos auf (696578DIASHOW: Bilder der 24. Woche).

"Wir haben ihre Bilanz und die Negativserie als selbstverständlich genommen. Dafür wirst du in dieser Liga schnell bestraft", sagte Vince Carter. Beim Blick in den Spiegel blieb nur ein enttäuschtes, von dem wuchernden Vollbart bedecktes Gesicht.

Um wenigstens mit einer ausgeglichenen Bilanz abzuschließen, müssen drei der letzten vier Partien gewonnen werden.

Nur fünf Verträge laufen weiter

Neben den letzten Meisterspielern Nowitzki und Shawn Marion war Carter gegen die Suns und über die Saison gesehen noch der konstanteste Akteur.

Die Routiniers sind auch drei der fünf Spieler, die über die Saison hinaus unter Vertrag stehen. Die Rookies Jared Cunningham und Jae Crowder gehören ebenfalls dazu.

Neun Kontrakte laufen dagegen aus. Der wechselhafte Scorer O.J. Mayo kann und wird wohl aus seinen Vertrag aussteigen, weil ihm in Dallas oder anderswo ein lukrativeres Angebot winken dürfte.

Genug Star-Appeal?

Ob die Optionen bei dem ewigen Talent Roddy Beaubois und dem von Coach Rick Carlisle offenbar nicht besonders geschätzten Darren Collison gezogen werden, ist ebenso ungewiss.

Der Rest der bunten Mischung aus meist enttäuschenden Söldnern wird wohl weiterziehen, brauchbar wäre wohl einzig der agile Big Man Brandan Wright (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Ob sich angesichts dieser trüben Aussichten ein Superstar a la Dwight Howard oder Chris Paul nach Texas verirren wird, scheint trotz großen Spielraumes unter der Gehaltsobergrenze sowieso extrem fraglich.

Schwerstarbeit für Cuban

Mark Cubans Plan steht nach dem Fiasko im Sommer 2012 vor der endgültigen Nagelprobe. Die empfindliche Steigerung der Luxussteuer für Teams wie die Lakers ist der größte Hoffnungsschimmer.

Nowitzki wäre nur allzu gern bereit, in die Rolle des zweiten Starspielers zu schlüpfen, um für seine letzten NBA-Jahre noch eine Perspektive in Dallas zu haben (Sichern Sie sich Dirk Nowitzkis Trikot im SPORT1 Shop).

"Wir brauchen ein paar Jungs, die uns wieder auf das höchste Level bringen können. Wenn er mich dafür braucht, würde ich das gerne machen", bot er unlängst Eigner Mark Cuban seine Hilfe als Rekrutierer an.

Denn nach insgesamt 29 verletzungsbedingt verpassten Spielen hat sich gezeigt, dass der MVP von 2007 nur noch unregelmäßig 30-Punkte-Shows aus dem Ärmel schütteln kann.

DBB wirbt um Nowitzki

Jetzt geht "Dirkules" jedoch erst einmal so früh wie noch nie in den Urlaub. Zwar verpassten die Mavs in seinen ersten beiden Jahren die K.o.-Runde ebenfalls, damals endete die reguläre Saison aber jeweils später.

Damit steigen auch die Chancen des DBB, Nowitzki doch zur EM-Teilnahme zu überreden, die der bald 35-Jährige eigentlich bereits ausgeschlossen hatte.

Bundestrainer Frank Menz hat signalisiert, der Deutsche Basketball Bund (DBB) werde nach Saisonende Kontakt mit dem Management der Mavs aufnehmen - auch wegen Center Chris Kaman, dessen Tage in Dallas auch aufgrund seines üppigen Gehaltes (8 Millionen Dollar) gezählt sind.

Die Mavericks stehen dagegen nur zwei Jahre nach der Meisterschaft vor dem dritten Umbruch und einer ungewissen Zukunft.

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