Die Verletzung schockt Bryant. Die Lakers will er in die Playoffs treiben und verspricht ein Comeback. D'Antoni gesteht Fehler.

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Von Eric Böhm

München - Selbst die fast schon sprichwörtliche Coolness eines Kobe Bryant hat ihre Grenzen.

Auf Krücken lehnend kämpfte der Superstar der L.A. Lakers in der Kabine gegen die Tränen. Die endgültige Diagnose stand zwar noch aus, aber Bryant hatte die bittere Wahrheit schon akzeptiert.

Beim Sieg über Golden State (Bericht) zog sich der 15-malige All-Star einen Achillessehnenriss zu. Es ist der Tiefpunkt einer Saison voller Enttäuschungen (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

"Es ist ein furchtbares Gefühl. Das ist eine ganz neue Erfahrung für mich. Es ist bei weitem die größte Enttäuschung meiner Karriere", sagte der niedergeschlagene Routinier. Bereits am Nachmittag unterzog sich Bryant einer Operation.

Rückschlag im Playoff-Kampf

"Vielleicht soll mein Buch so enden. Vielleicht hat Vater Zeit mich besiegt", schrieb Bryant seinen mehr als 16 Millionen Fans auf Facebook: "Ich soll mich jetzt davon erholen und derselbe Spieler - oder sogar noch besser - werden als zuvor mit 35 Jahren? Wie um alles in der Welt soll ich das machen? Ich habe keine Ahnung."

Kurzfristig ist die Diagnose ein böser Dämpfer für die Playoff-Ambitionen der Lakers (43 Siege - 37 Niederlagen).

Zwei Spiele vor Saisonende liegen sie nur hauchdünn vor Utah (42:38) auf dem achten und letzten Playoff-Rang der Western Conference (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

"Er hat das nicht verdient. Ich habe nie jemanden getroffen, der härter arbeitet. Das ist ein schwerer Schlag für ihn und für uns", meinte Pau Gasol.

Glaube ans Team

Der Spanier ist einer von vielen Lakers, die nach vielen Verletzungsproblemen langsam ihre Form finden.

Die Truppe schien nach schwachen Monaten ihren Rhythmus zu finden und galt als gefährlicher Gegner für die erste Playoff-Runde der NBA (696578DIASHOW: Bilder der 24. Woche).

Nun trägt "La-La-Land" Trauer. Es spricht für seine Führungsqualitäten, dass Bryant selbst in seiner dunkelsten Stunde an die Kollegen dachte.

"Ich glaube, sie werden meine Playoff-Garantie erfüllen. Ich werde an der Seitenlinie dabei sein und versuchen, zu helfen", betonte die "Black Mamba".

Zu viel Einsatzzeit

Sein riesiger Ehrgeiz hat aber möglicherweise auch einen Anteil an der Verletzung. Trotz großer Knie- und Fußprobleme spielte der 34-Jährige zuletzt durchschnittlich fast 46 Minuten pro Partie.

Coach Mike D'Antoni wagte angesichts der sportlichen Notlage nicht, die Ikone vor sich selbst zu schützen. Die Quittung wurde beiden nun präsentiert.

"Ein Teil von mir war froh, dass er sich geweigert hat, kürzer zu treten. Denn er ist so fantastisch. Wenn ich alles noch einmal machen könnte, würde ich ihn wohl pausieren lassen", gestand D'Antoni.

Was nun?

Doch wie sieht es mit Bryants Zukunft aus? Sein Vertrag läuft noch eine Saison. Für den Sommer 2014 hatte er schon häufiger mit dem Rücktritt geliebäugelt.

Mit 30.000 Punkten, fünf Meisterschaften und 15 All-Star-Nominierungen in 17 Jahren gibt es ja auch kaum noch etwas zu gewinnen (Sichern Sie sich Dirk Nowitzkis Trikot im SPORT1 Shop).

Nach einer Operation wird generell eine Pause zwischen sechs und neun Monaten veranschlagt. Fragen nach dem Karriereende weckten aber schon wieder das Feuer.

"Ich kenne die Stimmen, die behaupten, man wäre nach so einer Verletzung nicht mehr derselbe. Das nervt und treibt mich jetzt schon an", betonte Bryant.

Einige Beispiele

Positive und negative Orientierungshilfen gibt es reichlich: Der etwa gleichaltrige Chauncey Billups kehrte im Februar nach zehn Monaten zurück.

Dagegen musste der legendäre Aufbauspieler Isiah Thomas schon mit 32 Jahren aufhören. Die größte Motivation sollte Dunkingspezialist Dominique Wilkins freisetzen.

Den Hall-of-Famer ereilte die Verletzung ebenfalls mit 32, er kam in der folgenden Saison triumphal zurück, wurde noch zweimal All-Star und setzte sich erst sechs Jahre später zur Ruhe.

"Natürlich gibt es viele Spieler, die diese Verletzung hatten. Ich werde mir diejenigen herauspicken, die schneller und gesünder zurückkamen, und versuchen, das noch zu toppen", versprach Bryant.

Lakers in der Zwickmühle

Frühestens im Januar 2014 könnte er wohl das Trikot mit der 24 wieder überstreifen. Für die Lakers ist aber nicht nur die Ungewissheit seiner Verfassung bei einem möglichen Comeback problematisch.

Center Dwight Howard wird sich angesichts der neuen Situation in diesem Sommer genau überlegen, ob er bei den Lakers verlängert.

Bryants üppiges Gehalt (2013/2014: 30,4 Millionen Dollar) blockiert zudem finanzielle Mittel für mögliche Neuzugänge. 2014 sollte schließlich ein Angriff auf LeBron James gestartet werden.

Gegen die immense Willensstärke Bryants wettet in der NBA aber niemand. Stellvertretend kündigte James bei "Twitter" an: "Wenn das jemand wegstecken kann, ist es Kobe!"

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