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Dennis Schröder von den Atlanta Hawks feierte sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft
Dennis Schröder wurde im April zum "Most Improved Player" der Beko BBL gewählt © getty

Braunschweigs Spielmacher hat sich für den Draft angemeldet. Beim Hoops Hype will er sich wie einst Nowitzki dafür empfehlen.

Portland/München - Die Worte "Hingabe", "Respekt" und "Charakter" prangten wie ein Mantra hinter Dennis Schröders schmalem Körper.

Der Deutsch-Ghanaer dürfte sich das große Plakat in der Sporthalle in Portland zweimal angeschaut haben, denn mit genau diesen Tugenden hatte der 19-Jährige vom Beko-BBL-Klub New Yorker Phantoms Braunschweig in der Vergangenheit gewaltige Probleme.

Nun will Dennis Schröder vor den Augen der großen Basketball-Welt zeigen, dass er daraus gelernt hat. Und den großen Schritt in Richtung NBA machen.

Früher als erwartet hat sich Schröder für den Draft am 27. Juni angemeldet. Das bestätigte sein Agent Ademola Okulaja gegenüber SPORT1, unmittelbar vor Schröders großem Auftritt in der Nacht zum Sonntag.

"Die Resonanz bis jetzt ist sehr positiv", ergänzte der ehemalige deutsche Nationalspieler.

Auf Nowitzkis Spuren

Beim Nike Hoop Summit spielt er mit einer Weltauswahl gegen die besten Talente der USA.

Ein gewisser Dirk Nowitzki war dort vor 15 Jahren auch. Mit 33 Punkten und 14 Rebounds sorgte der Würzburger damals bei den Scouts für großes Staunen und vollgeschriebene Blöcke.

Schröder eifert dem großen Idol nun nach.

Lob von Okulaja

"Ich freue mich für ihn. Er hat eine sehr gute Woche hinter sich, sehr gut traininiert", berichtete Agent Okulaja.

Eine knappe Woche ist der Spielmacher bereits in den USA. Sein Arbeitgeber ließ ihn trotz Abstiegssorgen nach Portland reisen.

"Seine Teilnahme ist eine Auszeichnung für den Braunschweiger Basketball und das Jugendprogramm und ein großer Wunsch von Dennis, dem wir nicht im Wege stehen wollten", sagte Geschäftsführer Oliver Braun.

Der Coach schwärmt schon

Die Reaktionen auf Schröders Vorstellungen vor dem eigentlichen Spiel klingen vielversprechend.

"Dennis gefällt mir immer besser. Ich kannte ihn vorher nicht, er ist sehr athletisch, hat Zug zum Korb und kreiert gute Möglichkeiten für seine Teamkollegen. Er ist ein guter Werfer und ein hartnäckiger Verteidiger", lobte Roy Rana, Cheftrainer der Weltauswahl.

Beobachter wollen den 1,86 m großen Guard mit dem ansteckenden Grinsen gar als Trainingsbesten gesehen haben.

Okulaja: Kein Druck

Auch Agent Okulaja glaubt an seinen Schützling und erklärt vor der Partie: "Ich hoffe, dass er da raus geht, Spaß hat und das spielt, was er kann. Das wird er auch tun. Er hat keinen Druck, die Teamkollegen verstehen sich sehr gut."

Schröder gibt er den Rat mit auf den Weg, " sich so gut wie möglich zu entspannen und der US-Auswahl zu zeigen, dass die internationalen Spieler dieses Jahr besser sind."

Vom Skateboarder zum Basketballer

Schröders Weg in Richtung NBA begann auf einem Skateboard im Braunschweiger Prinzenpark. Der damals Elfjährige verbrachte seine Freizeit auf dem Brett, zwischendurch wurde Basketball gespielt. Irgendwann fiel das raue Talent auch Liviu Calin auf.

Der Trainer des Zweitligisten SG Braunschweig wurde zu Schröders Mentor, formte den Rebellen mit viel Geduld. Die Resultate auf dem Feld wurden bald sichtbar. "Er war schon sehr weit entwickelt und hat Dinge probiert, die Kinder in dem Alter normalerweise nicht tun", sagt Calin.

In der Saison 2011/12 rückte Schröder in den Profikader der Phantoms auf und wurde Junioren-Nationalspieler. Mit zwölf Punkten pro Spiel ist er unter den gebürtigen Deutschen der zurzeit beste Scorer der Beko BBL.

Schröder sammelt Auszeichnungen

Auch dies brachte ihm in der Beko BBL die Auszeichnungen als meistverbesserter Spieler ("Most Improved Player") und bester Nachwuchsspieler ein.

Doch die Karriere im Eiltempo war nicht frei von Dellen. Mangelnde Disziplin, fehlender Respekt und die Forderung nach mehr Spielzeit kamen zu Beginn nicht gut an in Braunschweig.

Einige geschwänzte Trainingseinheiten und eine Suspendierung später galt Schröder als schwieriger Charakter, als Egoist mit dem Habitus eines Superstars.

Als Schröder in der Liga schwächelte, meldeten sich die ersten Nörgler. Es gebe zu viel Hype um den Youngster, hieß es.

Schicksalsschlag bringt Wende

Privat hat Schröder Schlimmeres hinter sich: Vor drei Jahren starb Schröders Vater, ein einschneidendes Erlebnis, das bei Schröder einen Bewusstseinswandel auslöste.

"Damals habe ich angefangen, Basketball wirklich ernst zu nehmen", sagte Schröder dem "Spiegel".

In Portland will er diese Reife nun demonstrieren. Und möglichst bald in der NBA.

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