Braunschweigs Rohdiamant haut die Scouts beim Hoop Summit von den Socken. Mentor Okulaja entkräftet charakterliche Vorurteile.

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Von Raphael Weber und Eric Böhm

München/Portland - Plötzlich ist er in aller Munde: Dennis Schröder hat beim Treffen der größten Basketball-Talente Trainer, Fans und vor allem NBA-Scouts tief beeindruckt.

Das 19-jährige Supertalent krönte seine fantastische Woche beim Nike Hoop Summit in Portland mit einem phänomenalen Auftritt im Spiel der Weltauswahl gegen die besten US-Talente.

Der Aufbauspieler der New Yorker Phantoms Braunschweig trumpfte beim 112:98-Sieg seines Teams mit starken 18 Punkten und sechs Assists auf.

"Ich habe hier mit den besten elf Spielern der Welt eine Woche lang sehr viel Erfahrung sammeln können. Es war Wahnsinn", fasste Schröder seine Eindrücke zusammen.

Trainer Rana schwärmt

Die zahlreichen NBA-Scouts hatte der Teenager bereits in den Trainingseinheiten vor dem alljährlichen Event von sich überzeugt.

Seine für einen Point Guard überdurchschnittliche Größe (1,86 Meter) gepaart mit einer riesigen Spannweite und einer einzigartigen Dynamik erscheint wie gemacht für die NBA.

Beim traditionellen Camp der Rohdiamanten zeigte Schröder aber auch große Spielmacherqualitäten, viel Potenzial in der Abwehr und seinen deutlich verbesserten Sprungwurf.

"Ich kannte Dennis vorher nicht so gut, aber er hat mich Tag für Tag mehr überzeugt. Er ist unglaublich athletisch, setzt seine Mitspieler hervorragend ein und verteidigt extrem hartnäckig", schwärmte Coach Roy Rana.

Lob und Anerkennung gab es auch von NBA-Superstar Dirk Nowitzki. "Starkes Spiel von Dennis Schröder gestern. Der Junge kann spielen...", twitterte der Forward der Dallas Mavericks.

Cleverer Schachzug

Nicht zuletzt aufgrund der vielen Lobeshymnen entschied sich die deutsche Aufbau-Hoffnung, bereits für den kommenden NBA-Draft am 27. Juni zu melden.

Eigentlich hatten die meisten Experten mit diesem Schritt erst 2014 gerechnet, die gemeinsame Entscheidung von Schröder und Berater Ademola Okulaja ist jedoch sehr clever.

Der Talentpool aus dem College ist in diesem Jahr so schwach wie seit vielen Jahren nicht mehr, die internationalen Spieler könnten davon profitieren.

"Wir haben sehr positive Rückmeldungen bekommen", bestätigt Ex-Nationalspieler Okulaja bei SPORT1.

Auswahl in der ersten Runde?

Inzwischen sehen einige Experten Schröder, der in der Beko BBL 2012/2013 auf durchschnittlich 12,0 Punkte und 3,2 Assists pro Partie kommt, sogar als möglichen Pick der ersten Runde.

Nach dem Rückzieher von College-Star Marcus Smart - er hängt noch ein Jahr an der Oklahoma State University dran - gibt es nicht viele Spielmacher mit mehr Potenzial.

"Ich wusste ja vorher, dass ich in den Draft gehen würde. Ich wollte also eine gute Leistung zeigen, um dem Team und mir persönlich zu helfen", meinte Schröder.

Auf Nowitzkis Spuren

Dem hochgelobten Gegenspieler Andrew Harrison stand er jedenfalls in nichts nach. Zum ersten Mal gewann die Welt das Spiel im zweiten Jahr in Folge.

"Für ihn spricht seine extreme Athletik. Dazu kommt sein Ballhandling und seine perfekten Pässe. Er hat das Auge für das gesamte Spiel", lobte Mentor Okulaja.

Auch Superstar Nowitzki hatte sich bei dem Event einst in den Vordergrund und in die Notizbücher der NBA-Manager gespielt.

"Dennis ist ein Vorbild-Profi"

Inzwischen ist der Juniorennationalspieler auch jenseits des Courts gereift. Die Eskapaden von einst sind abgehakt.

"Das ist Vergangenheit. Dennis ist ein absoluter Vorbild-Profi. Er war in diesem Jahr nicht einmal zu spät beim Training, kommt immer früh, bleibt danach länger und bringt die richtige Einstellung mit", betonte Okulaja.

Mangelnde Disziplin, geschwänzte Trainingseinheiten und eine Suspendierung hatten Schröder in der Vergangenheit schnell den Ruf eines schlampigen Genies eingebracht.

"Diese Meldungen fielen auch in die Zeit, in der sein Vater verstorben ist. Was jemand, egal wie alt er ist, bei solch einer Nachricht durchlebt, kann man sich von außen nicht vorstellen. Nur weil er plötzlich im Bundesliga-Kader stand, wurde er mit anderen Augen gesehen", erklärte Okulaja.

Zumindest in Portland hat einer der größten Hoffnungsträger des deutschen Basketballs die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt.

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