Das Altstar-Experiment gipfelt im Sweep-Debakel. Angesichts gigantischer Gehälter droht L.A. Stillstand. Magic kritisiert Howard.

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Von Eric Böhm

München/Los Angeles - Selten standen Anspruch und Wirklichkeit in einem größeren Missverhältnis: Die Los Angeles Lakers haben ihre desaströse Saison mit einem peinlichen 0:4-Aus vollendet.

Nachdem Superstar Kobe Bryant seine Gesundheit für den Playoff-Einzug des 16-maligen Champions geopfert hatte, grenzten die Auftritte seiner Kollegen gegen die San Antonio Spurs an Arbeitsverweigerung (Die NBA-Playoffs LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

Den diesbezüglichen Höhepunkt lieferte bei der letzten Schlappe (Bericht) Dwight Howard. Der Center wurde nach einer schwachen Vorstellung, Rangeleien und Schimpftiraden mit zwei technischen Fouls vorzeitig zum Duschen geschickt.

"Es war ein einziger Albtraum. Von Beginn an lief alles schief. Vieles lag außerhalb meiner Kontrolle", sagte "Superman" im Anschluss.

Passender Abgang

Von Selbstkritik war bei dem 27-Jährigen zunächst nichts zu spüren. Dabei war die Diva schon im Vorfeld seines Wechsels aus Orlando die Quelle ständiger Unruhe.

Statt sich in die Garde legendärer Lakers-Big-Men wie Wilt Chamberlain, Karee Abdul-Jabbar oder Shaquille O'Neal einzureihen, war Howard oftmals mehr Belastung als Bereicherung.

Der unrühmliche Abgang im letzten Spiel vor Vertragsende machte ihn für viele Lakers-Anhänger endgültig zum Buhmann ( 706841 DIASHOW: Die Bilder der ersten Playoff-Runde ).

"Er wird immer hart attackiert. Von außen fällt es leicht, Zurückhaltung zu fordern. Aber mit dem Adrenalin auf dem Court können dir die Nerven durchgehen", verteidigte ihn Coach Mike D'Antoni, dessen Stuhl trotz aller Bekenntnisse auch wackelt.

Magic ist sauer

Der an seinen Krücken extrem konsterniert wirkende Bryant schwieg zu dem Debakel. Magic Johnson meldete sich weit weniger zimperlich via Twitter zu Wort.

"Das geht überhaupt nicht! Mitspieler und Fans zählen auf dich. Ich bin auch schon zu Null ausgeschieden, habe aber nie das Team im Stich gelassen", schrieb die Teamlegende.

Natürlich verhinderte das immense Verletzungspech eine bessere Saison des als Topfavorit gestarteten Starensembles. An Howards Beispiel wird jedoch deutlich, dass es von Anfang an nicht passte.

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"Es hat gar nichts funktioniert"

Weder Mike Brown noch D'Antoni konnten aus der Ansammlung namhafter Altstars, der wandelnden Seifenoper Howard und farbloser Rollenspieler eine funktionierende Einheit formen.

Zu viele Häuptlinge (Steve Nash, Howard, Pau Gasol) hatten mit sich selbst zu tun, einzig Bryants übermenschliche im Achillessehnenriss mündende Schinderei hielt L.A. im Geschäft.

"Es hat eigentlich gar nichts funktioniert. Wir hatten uns das alle ganz anders vorgestellt. Hier zählen nur Titel. Wie es jetzt weitergeht, muss man abwarten. Ich wäre überrascht, wenn sich gar nichts ändern würde", sagte Gasol.

Kein Fortschrit seit 2011

Es ist bezeichnend, dass der Spanier, der aufgrund seines üppigen Gehalts schon längst auf der Abschussliste steht, als einziger Laker Biss zeigte und mit Standing Ovations verabschiedet wurde (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).

Er galt als letztes Puzzleteilchen für die Meisterschaften 2009 sowie 2010, war aber auch bei dem 0:4-Sweep 2011 gegen die Dallas Mavericks dabei. Damals endete die Ära Phil Jacksons.

Viele Probleme von damals sind nach wie vor nicht gelöst. Der fast 40-jährige Nash brachte keine Stabilität in den Aufbau, die riesige Gehaltsliste wurde nicht verschlankt (Sichern Sie sich Dirk Nowitzkis Trikot im SPORT1 Shop).

Finanziell gefesselt

Bereits jetzt liegen die Lakers mit acht unter Vertrag stehenden Spielern für die kommende Saison ca. 20 Millionen Dollar über der erwarteten Gehaltsobergrenze - ohne einen neuen Howard-Vertrag.

Es droht eine gewaltige Luxussteuer. Wenn der Center bleiben und der erwartete Schlüsselspieler der nächsten Jahre werden soll, muss mindestens einer der Großverdiener Bryant (30,4 Millionen) oder Gasol (19,3) eigentlich weg. Handlungsspielraum gibt es ohnehin nicht.

"Ich brauche jetzt ein paar Tage, um den Kopf freizubekommen. Erst dann kann ich über die nächste Saison sprechen", sagte Howard. Will er überhaupt bleiben?

Viele offene Fragen

Interessenten gibt es für den dreimaligen Abwehrspieler des Jahres genug. Houston, Atlanta und nicht zuletzt Dallas würden ihn trotz aller Probleme sofort nehmen.

Doch am Montag ruderte Howard zumindest etwas zurück:

Am Tag nach dem Sweep kam via Twitter dann doch etwas Reue. Er entschuldigt sich bei den Fans, dass er die Mannschaft im Stich gelassen habe, schrieb Howard, und weiter: "Wenn ich eines aus dieser Saison gelernt habe, dann das, dass ich mehr Verantwortung übernehmen muss."

Zudem folgte ein Lob an die "besten Fans der Liga". Und, was viele aufhorchen lässt: "Ich hoffe, ich bekomme die Gelegenheit, dies wieder gutzumachen. Danke, LA!"

Bryants Rückkehr ungewiss

Dennoch: Um wieder ein meisterreifes Team zu formieren, fehlen L.A. im Backcourt und auf dem Flügel ohnehin viel Athletik und sichere Distanzschützen - von Bryants ungewisser Rückkehr ganz zu schweigen.

Der Versuch, ein "Miami des Westens" zu schaffen und die Nachwirkungen werden in La-La-Land noch lange für schlaflose Nächste sorgen.