Der homosexuelle NBA-Profi Jason Collins erntet sogar vom Präsident Glückwünsche. Larry Johnson outet sich als ewig Gestriger.

[kaltura id="0_ydiam4xs" class="full_size" title=""]

Von Eric Böhm

München - Es sollte längst Normalität sein, aber das erste Outing eines aktiven Profisportlers in den großen US-Ligen hat in den amerikanischen Medien ein Beben ausgelöst.

Der homosexuelle NBA-Spieler Jason Collins ist das Versteckspiel leid und geht in der am 6. Mai erscheinenden Ausgabe des Magazins "Sports Illustrated" in die Offensive.

"Ich bin ein 34 Jahre alter NBA-Center. Ich bin schwarz. Und ich bin schwul. Ich habe mir nicht vorgenommen, der erste offen schwule Athlet zu werden. Aber ich bin es, und ich freue mich, die Debatte anzuschieben", sagte Collins.

Novum im Macho-Sport

Im ohnehin häufig von Vorurteilen verkrusteten Spitzensport und einem Land wie den USA stellt ein solches Coming Out durchaus ein Risiko da.

Es hat schließlich einen Grund, dass bisher lediglich einige zurückgetretene Sportler diesen Schritt wagten. Viele fürchteten während der aktiven Zeit um ihre Karriere.

Nur wenige Bundesstaaten haben bisher beispielsweise die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert. Gerade im Basketball herrscht zudem oftmals noch das Macho-Ideal vor.

"Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte sich ruhig jemand anderes melden können. Da es niemand getan hat, hebe ich jetzt meine Hand", betonte Collins.

Positive Rückmeldungen

Die bis dato hypothetischen Diskussionen hat es in allen US-Sportarten oder auch im weltweiten Fußball-Geschäft immer wieder gegeben.

Eigentümer Mark Cuban sagte beispielsweise, er würde "sich geehrt fühlen" einen homosexuellen Spieler bei seinen Dallas Mavericks zu haben.

Erwartungsgemäß waren die ersten öffentlichen Reaktionen meist positiv. Von NBA-Commissioner Stern über einige Spieler wie Steve Nash bis hin zum US-Präsidenten gab es begrüßende Statements.

"Ich habe ihm gesagt, wie stolz ich bin", sagte BarackObama auf einer Pressekonferenz am Dienstag.

Bereits zuvor sagte Obamas Sprecher Jay Carney: "Wir betrachten das als ein weiteres Beispiel für den Fortschritt, der gemacht wurde, und der Entwicklung, die in diesem Land stattgefunden hat. Wir loben ihn für seinen Mut und unterstützen ihn."

"Ich freue mich für ihn"

Wie "CBS" berichtet habe Obama sogar bereits mit Collins telefoniert. Auch Emeka Okafor - in der Saison 2012/2013 Teamkollege bei den Washington Wizards - gratulierte.

"Ich freue mich für ihn. Als Erster kannst du dir nie sicher sein, wie so etwas aufgenommen wird. Er ist ein großartiger Mensch und Mitspieler. Daran ändert sich nichts", erklärte Okafor bei "Yahoo Sports".

Wie sein Entschluss hinter verschlossenen Türen beim Management der Teams oder in der Umkleidekabine ankommt, wird Collins aber erst noch feststellen müssen.

Anonyme Bedenken

Schließlich ist der Veteran aktuell vertragslos und wird so oder so um ein Engagement kämpfen müssen. Denn seine beste Zeit liegt nach 13 NBA-Jahren bereits hinter ihm.

Bei aller medienwirksamer Euphorie äußerten sich einige Teams gegenüber "ESPN" unter der Maßgabe der Anonymität deutlich reservierter.

Acht von 14 Befragten sehen ihn 2013/2014 nicht mehr in der Liga, seine sexuelle Orientierung werde demnach "überall intern diskutiert" werden, meinte ein Verantwortlicher aus der Eastern Conference.

Negative Minderheit

Einen Vorgeschmack gab es von den NFL-Spielern Mike Wallace und Alphonso Smith. Wallace twitterte noch relativ harmlos: "Bei so vielen schönen Frauen auf der Welt verstehe ich das nicht."

Smith offenbarte dagegen eine Mischung aus Intoleranz und Ignoranz: "Es ist eine Schande, dass ich mich für meine wahren Gefühle entschuldigen soll."

Noch eins drauf legte aber NBA-Legende Larry "Grandma" Johnson, der seinen Spitznamen mit vorsintflutlichen Ansichten untermauerte.

"Ich kenne Jason Collins nicht persönlich. Er ist bestimmt ein großartiger Typ, aber ich würde mich mit einem schwulen Mann in der Kabine unwohl fühlen", schrieb Johnson, der als Repräsentant für die New York Knicks arbeitet.

Cuban wieder als Vorreiter?

Vielleicht werden solche Einlassungen und die große Aufmerksamkeit Collins aber auch helfen, einen neuen Job zu finden. Eine bessere Publicity kann sich eine Marketing-Abteilung kaum wünschen. Die auf der großen Position chronisch schwach besetzten Mavericks waren schon öfter Vorreiter.

In dieser Saison debütierte an Dirk Nowitzkis Seite in Chris Wright der erste Profi mit Multipler Sklerose, 2001 holte Dallas in Wang Zhizhi den ersten Chinesen in die Liga auch über den weiblichen College-Star Brittney Griner hatte Cuban unlängst nachgedacht.

"Gut für Jason. Ich hoffe, er öffnet damit die Türen für andere Spieler. Die Homophobie im Sport ist vorbei. Es ist eine neue Ära, aber wir kratzen erst an der Oberfläche. Es sollte gar keine große Sache sein", sagte Cuban.

Vielleicht überzeugt er damit irgendwann auch die "Grandmas" dieser Welt.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel