Bambergs Casey Jacobsen und Matt Walsh sind Ex-Teamkollegen von Jason Collins. Bei SPORT1 loben sie dessen Outing.

[kaltura id="0_ydiam4xs" class="full_size" title=""]

Von Michael Spandern

München - Jason Collins hat mit seinem Outing als erster aktiver homosexueller NBA-Spieler für einen Paukenschlag gesorgt. Für diesen mutigen Schritt bekam der Center viel Lob - unter anderem von US-Präsident Barack Obama (Bericht).

Auch Casey Jacobsen und Matt Walsh von den Brose Baskets Bamberg, zwei ehemalige Teamkollegen des 2,13-Meter-Riesen, ziehen im SPORT1-Interview vor Collins den Hut.

Jacobsen spielte nicht nur zwei Jahre an der Stanford University mit Collins im Team, sondern war auch 2007 bei den Memphis Grizzlies in der NBA sein Mannschaftskollege. Walsh lernte Collins 2006 bei seinem viermonatigen Preseason-Engagement in New Jersey kennen.

Bei SPORT1 sprechen die beiden Bamberger über den Center, die Folgen des Outings für Collins und andere Spieler sowie die negative Reaktion von NBA-Legende Larry Johnson, dem Repräsentanten der New York Knicks.

SPORT1: Was war Ihre erste Reaktion auf das Outing?

Matt Walsh: Ich habe mich für ihn gefreut. Das war sehr mutig. Und ich bin stolz, sein Teamkollege gewesen zu sein. Desjenigen, der sich als Erster in den vier großen Ligen geoutet hat.

Casey Jacobsen: Ich war überrascht. Ich war zwei Jahre im College und eine Saison in der NBA sein Teamkollege. Wir sind seither Freunde. Er hatte viele Jahre eine Freundin, die ich kannte. Während unserer Zeit in Memphis hatten wir sie auch mal nach Hause zum Essen eingeladen. Ich hätte nie gedacht, dass er schwul ist. Aber ich bin froh, dass er sich geoutet hat. Es war an der Zeit, dass ein NBA-Spieler dies macht.

SPORT1: Was sind die Folgen seines Outings?

Jacobsen: Erst mal bekommt er eine Menge Aufmerksamkeit. Keine Ahnung, was danach kommt. Aber ich weiß genau: Jason ist nicht der einzige. Heutzutage ist die Gesellschaft sehr aufgeschlossen und verständnisvoll. Der Sport ist da etwas langsamer. Vielleicht gibt es anfangs einige Vorbehalte.

SPORT1: Sie kennen also andere NBA-Spieler, die schwul sind?

Jacobsen: Nein, ich kenne keinen persönlich. Aber bevor Jason sich geoutet hat, hatte ich das sichere Gefühl, dass ich in elf Jahren als Profi mal mit einem Schwulen zusammengespielt habe. Nun stellt sich heraus, dass es ein Freund war. Aber zu denken, er sei der Einzige, wäre doch lächerlich. Es gibt mehr. Das ist okay, das ist gut. Und ich hoffe, Jasons Entscheidung hilft anderen, die Angst hatten, sich nun wohler zu fühlen.

SPORT1: Glauben Sie, dass er viele Profis zum Coming Out ermutigt hat?

Walsh: Ich glaube, dass einige folgen werden. Denn es ist leichter zu folgen als der Erste zu sein. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es viele sein werden. Vielleicht ist er für eine Weile der Einzige.

SPORT1: Hat Sie sein Mut überrascht?

Walsh: Nein, weil ich weiß, was für eine charakterstarke Person er ist.

SPORT1: Wie würden Sie seinen Charakter beschreiben?

Walsh: Er ist ein guter und kluger Mensch. Damals bei den Nets haben ihn alle gemocht. Und ich glaube, man findet nirgens einen, der negativ über ihn spricht.

Jacobsen: Er ist ein heiterer und lustiger Kerl. Keiner, der sich zu ernst nimmt. Er hat in der Kabine seine Späßchen gemacht und mit einem Lächeln im Gesicht gespielt. Aber bei ihm dreht sich nicht alles um Basketball. Er ist intelligent, interessiert sich für Kunst und Musik.

SPORT1: Hat er durch das Coming Out seine Chancen verschlechtert, einen neuen Arbeitgeber in der NBA zu finden?

Walsh: Ich nehme an, das hat keinen Einfluss. Zumindest möchte ich dies gerne annehmen. Vielleicht gibt es doch einige Team, die ihn deshalb nicht engagieren wollen. Dabei brächte er einiges mit: Er ist 2,13 Meter groß und weiß, dass es seine Rolle ist, Rebounds zu holen und in der Abwehr abzuräumen. Darüber wird er sich nicht beschweren. Er wird ein Team finden, dass froh ist, ihn zu haben.

Jacobsen: Wenn ein Team genau das braucht, was er kann, wird es ihn unabhängig von seiner sexuellen Orientierung nehmen. Aber selbst wenn er keinen Klub findet: Irgendwann in den nächsten Jahren wird es einen schwulen Basketballer auf dem Feld geben.

SPORT1: Knicks-Repräsentant Larry Johnson hat getwittert, er würde sich als Teamkollege von Collins unwohl fühlen. Was sagt das über Johnson aus?

Walsh: Ich will eigentlich niemanden angreifen, der seine Meinung ausspricht. Aber meine ist, dass ich mich überhaupt nicht unwohl fühlen würde. Aber das ist enttäuschend, gerade von einer so berühmten Person.

Jacobsen: Jeder darf ja seine eigene Meinung haben. Ich habe auch schon Teamkollegen gehört, die das gesagt haben. Bei mir ist das völlig anders: Ich hätte überhaupt kein Problem damit, neben einem Schwulen in der Kabine zu sein oder unter der Dusche zu stehen. Ich war es ja mit meinem Freund Jason, auch wenn ich es nicht wusste. Wenn ein schwuler Spieler Bamberg dabei helfen könnte, weitere Titel zu gewinnen, würde ich es lieben, ihn im Team zu haben.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel