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Robinson (r.) spielt seine achte NBA-Saison und erzielt 11,5 Punkte im Karriereschnitt © getty

Ulknudel und Punktemaschine. Chicagos Nate Robinson ist alles, nur nicht langweilig. Gegen Miami muss sein Potenzial abrufen.

Von Florian Pertsch

München ? Playoff-Time in der NBA, Zeit für die besonderen Momente.

Die Stunde von Chicagos Nate Robinson hat mal wieder geschlagen, denn "Nate the Great" ist nicht nur wegen seiner geringen Körpergröße ein besonderer Spieler.

Wie kein Zweiter versteht es der 1,75 Meter große Robinson, seinen unbändigen Einsatzwillen und Mut in Punkte umzuwandeln (Die NBA-Playoffs LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

Ulknudel mit Starpotenzial

Dass dies nicht immer so war, beweist der sich hartnäckig haltende Ruf als schwer zu trainierende Ulknudel mit Starpotenzial.

Läuft alles optimal, dann trägt "Kryptonate" seine Bulls wie beim Overtime-Sieg gegen Brooklyn mit 34 Punkten und furchtlosen Korblegern nach drei Verlängerungen zum Sieg.

Geht es mit dem Mini-Bullen jedoch durch, dann kassiert er technische Fouls und legt sich mit den Referees an.

Gerade im zweiten Spiel des Eastern-Conference-Halbfinals gegen die Miami Heat riss dem Kraftzwerg der Geduldsfaden.

Einbruch in Spiel zwei

Prompt ging die Punktausbeute nach 27 Zählern in Spiel eins in den Keller: Elf Punkte und nur zwei Assists lieferte Robinson ab (714947DIASHOW: Die Bilder der zweiten Playoff-Runde).

Denn genau das ist eben auch die Rolle des Nathaniel Cornelius Robinson - das Spiel der Bulls leiten.

Mit den Verletzungen von Superstar Derrick Rose und Defensivspezialist Kirk Hinrich rückt die Nummer 2 der Bulls noch mehr in den Fokus, muss Chicago noch mehr an die Hand nehmen.

Rookie-Saison im "Big Apple"

Ein Spagat zwischen punkten und anführen, der in Robinsons Karriere nicht immer reibungslos gelang (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).

2005 gibt der Guard bei den Knicks sein Liga-Debüt.

Trainer ist Rookie-Skeptiker Larry Brown, der sich lieber einer Wurzelbehandlung ohne Narkose unterzieht, als NBA-Frischlingen zu viel Spielzeit zu geben.

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Hitziges Gemüt bringt schnell Ärger

Robinson gibt trotzdem Gas und belohnt sich mit 9,6 Punkten im Schnitt.

"Im Moment denkt Nate, dass er ein einziges Highlight-Video ist", kommentiert Brown die Saison.

Abseits des Parketts bringt Robinson sein hitziges Gemüt aber schnell Ärger ein.

Im Training zofft er sich mit Center Jerome James, mit Oldie Malik Rose fängt er wegen einer Football-Wette eine Rangelei unter der Dusche an.

Der Ruf ist erst mal zementiert, und Robinson legt sich nicht wirklich ins Zeug, um daran etwas zu ändern.

Im Dezember 2006 kommt "Nate the Great" auf die Idee, Kollege Mardy Collins bei einer Prügelei gegen Denvers J.R. Smith zu unterstützen und wird von der Liga für zehn Spiele gesperrt.

Robinson ist mal der Held, mal der Buhmann, nur langweilig ist er nie.

Slam-Dunk-Champ 2009

2009 gewinnt er mit einem sensationellen Dunk über Dwight Howard zum zweiten Mal in seiner Karriere den Slam Dunk Contest.

"Er muss seine Energie in positive Bahnen lenken", mahnt der damalige Trainer Mike D'Antoni:

"Schafft er das, gibt es wenig bessere Spieler in der Liga. Für ihn und für uns ist das eine große Herausforderung, aber ich glaube er hat Fortschritte gemacht."

Scheinbar nicht genug, denn im Februar 2010 verschifft New York Robinson nach Boston (Sichern Sie sich Dirk Nowitzkis Trikot im SPORT1 Shop).

Scherzkekse unter sich in Boston

Für die nächsten eineinhalb Jahre läuft der Spaßvogel in Weiß und Grün auf und hat mit Shaquille O'Neal einen kongenialen Scherzkeks an seiner Seite.

Unvergessen das Trainingsvideo von Robinson, der in O'Neals Riesenschuhen einen kompletten Linienpendel abliefert und anschließend mit den U-Booten am Ring hängt.

Auch mit Glen Davis versteht er sich, und nach Spiel zwei der NBA-Finals 2010 wird die Shrek-Geschichte geboren.

Robinson vergleicht den leicht übergewichtigen Davis mit dem grünen, schwerfälligen Comic-Oger. Sich selbst bezeichnet er als den vorlauten Esel, der als Side-Kick von Shrek im Film mitspielt.

Für Bostons Coach Doc Rivers alles etwas zu viel der Show, und so packt Robinson erneut die Koffer.

Später Lernprozess

Über Oklahoma City und Golden State landet "Kryptonate" in Chicago, und die letzten beiden Stationen scheinen den Guard geläutert zu haben.

Bei den Bulls werden die emotionalen Aussetzer weniger, die Spielmacherqualitäten kommen immer mehr zum Tragen.

Die diesjährigen Playoffs sind Robinsons Karriere-Höhepunkt, durchschnittlich 17,4 Punkte und vier Assists liefert der 28-Jährige ab.

Miamis Wade sieht Robinson dennoch nicht als Schlüsssl zum Sieg über Chicago.

"Nate ist eine Punktemaschine, aber ich glaube, wir müssen uns um andere Dinge mehr Sorgen machen", stichelte "Flash".

In welche Richtung die Reaktion Robinsons gehen wird, wird sich in Spiel drei in der Nacht auf Samstag (ab 2 Uhr LIVESCORES) in Chicago zeigen.

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