vergrößernverkleinern
Die San Antonio Spurs stehen zum sechsten Mal in den NBA-Finals und holten 2007 ihren bisher letzten Titel © twitter

Das Multi-Kulti-Kollektiv der Spurs reitet auf einer Sympathiewelle in die Finals gegen Miami. Popovich setzt auf Mega-Rotation.

Von Eric Böhm

München - Von wegen ein alter Hund lernt keine neuen Tricks.

Jahrelang waren die San Antonio Spurs als TV-Gift und quälend effiziente Maschine verschrien, vor dem Start der Finals (ab 3 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM) sind sie plötzlich der Darling der NBA-Welt.

Drittbeste Offensive der Playoffs, dreimal MVP Kevin Durants Oklahoma City Thunder vorgeführt und dann geht auch noch der introvertierte Tim Duncan mit einer Titelgarantie aus sich heraus (Bericht).

Die Finals-Revanche gegen die Miami Heat bringt den Spurs so viele Sympathien, dass sogar Kobe Bryant neidisch wird. "Ich hätte auch gern meine gesamte Karriere für so einen großartigen Coach gespielt", sagte der Superstar über Gregg Popovich. Beim Blick auf das Fan-Votum von "ESPN" dürfte es Präsident Barack Obama ähnlich gehen:

[tweet url="//t.co/y02a4P8d9b"]

Ausgeglichenheit als Kunstform

Woher kommt diese Welle der Sympathie? Tatsächlich hat es Popovich geschafft, sein Multi-Kulti-Kollektiv - neun Nicht-Amerikaner stehen im Kader - wieder neu zu erfinden (SHOP: Jetzt Basketball-Artikel kaufen).

Die von Jahr zu Jahr größeren athletischen Nachteile seiner Schlüsselspieler Tim Duncan, Manu Ginobili und Tony Parker fing er mit einer historischen Mega-Rotation auf.

"Das ist unsere große Stärke. Wir hängen nicht von einem oder zwei Spielern ab. Das Team lebt von der Ausgeglichenheit. Wir können alle Stile problemlos mitgehen", sagt Small Forward Kawhi Leonard.

Er und Scharfschütze Danny Green stehen beispielhaft für die Qualitäten von Popovich und Manager R.C. Buford in der Entwicklung talentierter Bausteine für das Spurs-System.

Spurs mit beeindruckenden Zahlen

Seit dem Zusammenschluss von NBA und ABA 1976 sind sie das erste Team ohne einen Spieler mit einer durchschnittlichen Einsatzzeit von mindestens 30 Minuten (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).

Gleich neun Spieler kamen während der regulären Saison auf einen Punkteschnitt von 8,0 oder besser - das war seit den Boston Celtics 1966 keinem Finalisten mehr gelungen.

Heraus kam ein attraktiver Offensiv-Stil mit der besten Dreierquote und den meisten Assists - in den Playoffs ging es nahezu genauso weiter. Den dynamischen Jungstars der Thunder und Portland Trail Blazers wurde so die Show gestohlen.

[image id="6312ba6a-63aa-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Starke Bank um Ginobili

Vor allem die beste Bank der NBA könnte in der Serie gegen Miami zum großen Vorteil werden. Egal ob Schützen (Marco Belinelli, Patty Mills) oder harte Arbeiter (Matt Bonner): Popovich hat immer die freie Auswahl.

Dazu kommen der unverwüstliche Ginobili und X-Faktor Boris Diaw, der nicht nur wegen unzähliger wichtiger Treffer herausragende Playoffs spielt und selbst seinem Coach ein Rätsel ist.

"Er ist so unfassbar vielseitig, ich lerne immer noch, wie ich ihn richtig einsetzen kann", bekennt der viermalige Meistertrainer.

[tweet url="//twitter.com/search?q=%23WestChamp"]

Was tüftelt Popovich aus?

Gegen die Heat nimmt Diaw eine Schlüsselrolle in den Planungen ein, um den Spieß nach der dramatischen 3:4-Pleite 2013 umzudrehen. Damals verteidigte er schon häufig gegen Superstar LeBron James - Neuauflage nicht ausgeschlossen.

Popovichs geniale Schachzüge bekamen zuletzt die Thunder zu spüren. Block-Spezialist Serge Ibaka beraubte er mit einer kleineren Aufstellung seiner Stärken (894579DIASHOW: Die Bilder der Conference-Finals).

Für die zuletzt ebenfalls im "Small Ball" überzeugenden Heat wird der 65-Jährige wieder einige Asse im Ärmel verstecken.

Parker meldet sich einsatzbereit

Einzig die Probleme seines Taktgebers dürften Popovich Sorgen machen.

Genau wie 2013 plagt sich Point Guard Tony Parker mit einer hartnäckigen Blessur. Statt des Oberschenkels ist es diesmal der Knöchel.

"Ich bin vielleicht nicht bei 100 Prozent, aber ich werde dabei sein", schrieb der 32-jährige Franzose auf seiner Homepage. Auf dieses Rädchen würden die Spurs bei aller Ausgeglichenheit nur ungern verzichten.

[tweet url="//t.co/z15XtlPqRP"]

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel