Die Spurs bauen Kawhi Leonard vom ersten Tag an zu ihrem Musterbeispiel auf. In Miami zahlt er zurück und begeistert Legenden.

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Von Eric Böhm

München/Miami - Als die Dynastie der San Antonio Spurs begann, wurde Kawhi Leonard gerade eingeschult.

Inzwischen hat sich der schüchterne Junge aus Kalifornien zum großen Hoffnungsträger auf den fünften NBA-Titel seit 1999 entwickelt. Dem dritten Finale bei den Miami Heat drückte Leonard seinen Stempel auf (Die Finals LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Beim überraschend klaren 111:92-Erfolg (Bericht) gelang ihm mit 29 Punkten nicht nur eine Karrierebestleistung, sondern er degradierte Superstar LeBron James auch noch zum Nebendarsteller.

"Kawhi ist unglaublich. Er redet nicht viel, aber spielt großartig", sagt Teamkollege Tiago Splitter. NBA-Ikone Magic Johnson sieht Leonard auf dem Sprung zum Superstar:

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Leonard verkörpert den Spurs-Weg

Der ungemein athletische Small Forward ist das Paradebeispiel für die erfolgreiche Philosophie der Spurs (SHOP: Jetzt Basketball-Artikel kaufen).

Seinen Statistiken fehlt der Wow-Faktor, er kennt kein Ego, verzichtet auf markige Sprüche und verleiht dem Attribut Vielseitigkeit eine ganz neue Dimension.

"Er hat den eisernen Willen, arbeitet Tag und Nacht an sich und saugt alles wie ein Schwamm auf. Er wird über Jahre das Gesicht der Spurs werden", hatte Coach Gregg Popovich schon kurz nach seiner Verpflichtung geschwärmt (902734DIASHOW: Die Bilder der Finals).

Durchbruch mit Verspätung

Für den 15. Pick im NBA-Draft 2011 gab der Trainerfuchs in George Hill sogar einen seiner absoluten Lieblingsspieler her, denn Leonards Potenzial erkannte er schon damals.

Der heute 22-Jährige ist einer der wenigen Spieler, die einem "King" James auch eins-gegen-eins Paroli bieten können, umso mehr kann sich "Pop" auf die Strategie gegen den Rest der Heat konzentrieren (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).

Viele Experten hatten Leonard schon vor den Finals 2013 den großen Durchbruch prophezeit, "damals war ich vielleicht noch nicht bereit. Diese Atmosphäre zum ersten Mal zu erleben, war überwältigend", sagte er ein Jahr später vor dem ersten Finale 2014. Nun wird mit Lob von Legenden wie James Worthy überschüttet:

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In Kobe Bryants Sphären

Nach zwei suboptimalen Auftritten in San Antonio - mit großen Foulproblemen - zahlte Leonard das große Vertrauen im für die Spurs ganz wichtigen Moment zurück (902195DIASHOW: Die Finalisten im Head-to-Head).

Nicht Tim Duncan oder Tony Parker setzten im Hexenkessel von Miami die Akzente, der jüngste Stammspieler powerte die Texaner zu einer der besten Offensiv-Hälften der Finals-Geschichte.

Seit Kobe Bryant vor 13 Jahren hatte kein 22-Jähriger mehr so viele Punkte in einem Finals-Spiel markiert.

"Ich war im Angriffsmodus. Coach Pop hat gesagt, ich soll ich selbst und aggressiv sein. Das wollte ich umsetzen. Die Jungs haben mich auch sehr gut eingesetzt", erklärte Leonard in der Kabine.

Noch immer Medienscheu

Denn auf das große Podium der Pressekonferenz, dort sitzen normalerweise die entscheidenden Spieler und stellen sich den Medien, traut er sich dann doch noch nicht.

Eine Bescheidenheit, die ihm bei den Spurs und dem schroffen Popovich Sympathiepunkte einbringt. Obwohl sein Vater erschossen wurde als er 17 war, ist Leonard zu einer gefestigten Persönlichkeit herangereift.

"Das er so gut wird, hätten wir uns nicht erträumt. Kawhi hat sich das hart erarbeitet und verdient", betont Spurs-Manager R.C. Buford.

Wurf unter Zeitdruck umgestellt

Mittlerweile ist sogar sein zu College-Tagen eher unorthodoxer Wurf zu einer Stärke geworden, daran arbeitete Leonard buchstäblich seit seinem ersten Tag bei den Spurs.

Direkt von seiner Vorstellung weg verfrachtete ihn das Team mit Wurfguru Chip Engelland in die Trainingshalle und stellte seine komplette Technik in der Nacht auf den 1. Juli 2011 um.

Denn danach durften sie mit Leonard aufgrund des beginnenden NBA-Lockouts keinen Kontakt mehr haben. "Chip hat drei Tage mit ihm gearbeitet, dann hat er über den gesamten Sommer allein geübt", erinnerte sich Buford.

Die Schinderei hat sich gelohnt, vielleicht kann der stille Star dieser Finals mit dem ersten Titel nun seine eigene Spurs-Dynastie begründen.

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