Der Ära Miami droht nach der nächsten Final-Klatsche gegen die Spurs das Ende. LeBron James hängt in der Luft und hadert.

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Von Eric Böhm

München/Miami - Seit seiner berüchtigten Geburtsstunde im Sommer 2010 hat das Starensemble der Miami Heat so manchem NBA-Sturm getrotzt.

Anfeindungen, die Final-Pleite 2011 gegen Dirk Nowitzki, interne Streitigkeiten und diverse Playoff-Rückstände: LeBron James und Co. hielten immer stand. Aber nun scheint der Zauber verflogen.

Die bittere Erkenntnis stand Spielern und Trainern nach der zweiten Heimklatsche in Folge (Bericht) ins Gesicht geschrieben. In diesen San Antonio Spurs haben sie ihren Meister gefunden (Spiel 5, Montag ab 2 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

"Wir haben schon oft Rückschläge weggesteckt, aber diesmal ist es ganz anders. Das ist eine ganz bittere Pille", sagte der entnervte All-Star Chris Bosh.

Baseball-Profi Yasiel Puig (L.A. Dodgers) streute noch zusätzlich Salz in die Wunde:

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Miamis Coach Spelstra geschockt

Tatsächlich scheinen vor allem die Heat selbst nach dem 1:3 in der Finalserie nicht mehr an die dritte Meisterschaft in Folge zu glauben, zu dominant beherrschte das beste Auswärtsteam der NBA sie im eigenen Haus (SHOP: Jetzt Basketball-Artikel kaufen).

"Sie haben einfach großartig gespielt. So eine Vorstellung hatten wir nicht erwartet", musste Coach Erik Spoelstra zugeben.

Zum ersten Mal seit zwei Jahren verloren die Heat zwei Playoff-Spiele in Folge, aber noch mehr als die Zahlen demoralisierte die Art und Weise, zweimal schon zur Pause geschlagen zu sein.

Magic glaubt nicht an Wende

Dabei war das unerschütterliche Selbstvertrauen - neben der individuellen Klasse - stets der große Trumpf. Selbst nach den verlorenen Finals 2011 gegen die Dallas Mavericks hielt sich Miami für das bessere Team (902734DIASHOW: Die Bilder der Finals).

2012 lieferten sie bei 2:3-Rückstand gegen die abgezockten Celtics in Boston eine beindruckende Willensleistung ab, 2013 lagen sie gegen die Spurs dreimal hinten, um dann doch noch Meister zu werden.

Diese Selbstverständlichkeit ist ihnen irgendwo zwischen Klima-Frust in Texas und nun schon acht Viertel andauerndem Offensiv-Spektakel der Spurs abhanden gekommen.

"Wir sind jetzt gezwungen, Geschichte zu schreiben", sagte LeBron James. Noch nie wurde ein 1:3 in den Finals noch umgedreht.

Magic Johnson sieht die Spurs im Rematch vor allem psychologisch im Vorteil:

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Chalmers selbstkritisch

Die bittere Wahrheit für Miami ist aber: Die Spurs sind das in allen Belangen bessere Team. James hängt dagegen in der Luft und muss sich auch noch mit Jungstar Kawhi Leonard herumärgern (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).

"Von uns allen muss mehr kommen. Wir haben in beiden Heimspielen zu viele Fehler gemacht. Das kannst du dir gegen die Spurs nicht erlauben. Sie nutzen das aus", bestätigte Mario Chalmers.

Point Guard ist die Schwachstelle

Neben dem desolaten Frontcourt um den apathischen Bosh (Rebounds in Spiel 4: 27:44) ist Chalmers Teil des Hauptproblems: Point Guard ist die Achillesferse Miamis.

Während bei San Antonio Tony Parker seine Blessuren meisterhaft kaschiert und von Manu Ginobili sowie Patty Mills unterstützt wird, kommt von Chalmers und Norris Cole nichts.

In den vier Finals sammelte Chalmers bisher unterirdische 18 Punkte, versenkte erst einen seiner einst durchaus gefürchteten Dreier (Wurfquote: 29 Prozent) und war auch defensiv überfordert. Bei Cole sieht es noch düsterer aus.

Spoelstra war in Spiel 4 so verzweifelt, dass er Toney Douglas vom Ende der Bank holte, wo der ehemalige Knicks-Profi seit Monaten festgeklebt war.

Wade nur noch ein Schatten

Außerdem schleppen sich Veteran Ray Allen und Dwyane Wade eher mühsam über die Runden. Nach einem kurzen Aufflackern in den Ost-Finals, unterbot Wade seinen mauen Final-Standard 2014 mit einem desaströsen Auftakt in Spiel 4 (902195DIASHOW: Die Finalisten im Head-to-Head).

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Zwei vergebenen Freiwürfen folgten zwei verlegte Layups, "The Flash" wirkt ausgelaugt. Das wie geschmiert funktionierende Kollektiv der Spurs deckt alle Schwächen schonungslos auf und hat sich von Runde zu Runde in diese ultra-effiziente Form gesteigert.

"Sie haben uns zerlegt"

Eine weitere Pleite könnte auch das Ende der aufregenden und extrem erfolgreichen Ära - eines von drei Teams mit vier Endspiel-Teilnahmen in Folge - bedeuten.

Beim aktuellen Blick in die Zukunft dürfte sich James überlegen, ob er nicht doch aus seinem Vertrag aussteigt und geht. Mit fast 30 Jahren braucht er verlässliche Co-Stars - allein hat es schließlich schon in Cleveland nicht geklappt.

"Sie haben uns zweimal in Folge zerlegt. Sie waren klar besser, so einfach ist das", zog der "King" ein brutal zutreffendes Fazit. Der Traum vom "Threepeat" ist fast ausgeträumt.

[kaltura id="0_pjwp1jza" class="full_size" title="Die Demontage der Miami Heat"]

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