San Antonio vermöbelt Miami erneut und feiert die fünfte Meisterschaft. Kawhi Leonard ist der MVP. LeBron James ist isoliert.

[kaltura id="0_z4smea46" class="full_size" title=""]

Von Eric Böhm

München/San Antonio - Die San Antonio Spurs haben ihre beeindruckende Revanche vollendet.

Zum dritten Mal in Folge deklassierten sie die Miami Heat beim 104:87 (47:40) und entrissen dem NBA-Champion die Larry O'Brien Trophy mit einem überdeutlichen 4:1 in der Best-of-Seven-Serie.

Für die Spurs ist es der fünfte Meistertitel. Jungstar Kawhi Leonard (22 Punkten und zehn Rebounds in Spiel 5) wurde zum Finals-MVP gewählt. Nach der bitteren Pleite 2013 verspürten die Texaner eine besondere Genugtuung (902734DIASHOW: Die Bilder der Finals).

"Kawhi denkt, er hat es alleine gemacht", witzelte Coach Gregg Popovich in seiner Kabinenansprache: "Jeder hat einen wichtigen Anteil. Ich habe nie eine befriedigendere Saison erlebt. Ihr solltet sehr stolz sein." SPORT1-Handballexperte Stefan Kretzschmar gratulierte:

[tweet url="//twitter.com/spurs"]

Popovich krönt sein Lebenswerk

Tatsächlich war die Rückkehr auf den NBA-Thron auch Popovichs Meisterstück. Mit fantastischem Offensiv-Basketball zog er dem vermeintlichen Superteam Miami den Zahn (SHOP: Jetzt Basketball-Artikel kaufen).

Zudem vertraute er dem 22-jährigen Leonard im direkten Duell mit LeBron James und isolierte so den viermaligen MVP von den völlig abgemeldeten Teamkollegen.

"Wir sind in diesem Jahr auf ein deutlich besseres Team getroffen. Mehr gibt es nicht zu sagen. Sie sind der verdiente Champion", sagte James, der auch in Spiel 5 mit 31 Punkten und zehn Rebounds überzeugte.

James alleingelassen

Erneut fehlte ihm aber jegliche Unterstützung. Ein Viertel lang (29:22) hielt er Miami im Do-or-Die noch auf Kurs, ehe sich der Rest der Heat seinem Schicksal ergab.

Cheftrainer Erik Spoelstra hatte mit der Beförderung von Ray Allen in die Startformation für den zuletzt völlig indisponierten Mario Chalmers seinen letzten Joker gezogen. James übernahm nun auch noch den Aufbau, aber Allen versemmelte sieben seiner acht Würfe.

Der frühe Vorsprung von 16 Punkten schmolz in Rekordzeit. Leonard leitete einen furiosen 22:5-Lauf ein, der aus einem 20:29-Rückstand eine klare Führung der Spurs kurz vor der Pause machte.

[image id="aeebc1c0-63a8-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Leonards Coming-Out

Nach zwei eher durchschnittlichen Auftritten zu Beginn der Serie dominierte der athletische Freak die letzten drei Partien der letztlich überraschend einseitigen Finals.

Wenn aus dem herausragenden Kollektiv jemand herausgepickt werden musste, war es Leonard. Manu Ginobili (19 Zähler) und Tony Parker (16) überzeugten an seiner Seite.

"Es ist unglaublich. Ich bin überglücklich. Ich hätte nie gedacht, dass ich MVP werden würde. Jeder hat seine Rolle überragend ausgefüllt", jubelte Leonard, der sieben Jahre alt war, als Popovich und Tim Duncan 1999 die erste Meisterschaft holten.

[tweet url="//t.co/78FP2ERn4M"]

Diverse NBA-Rekorde

Die ungeheuer effiziente Angriffsmaschine überbot mit der Wurfquote von 52,8 Prozent den alten Finals-Rekord von Michael Jordans Chicago Bulls aus dem Jahr 1991 und feierte zwölf Playoff-Siege mit wenigstens 15 Punkten Vorsprung - ebenfalls eine neue Bestmarke (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).

Die einzig echte Herausforderung für das beste Team der Vorrunde (62 Siege) stellten bereits in Runde eins Dirk Nowitzki und seine Dallas Mavericks dar, die es immerhin in ein siebtes und entscheidendes Spiel schafften.

"Die Spurs haben exquisiten Basketball gespielt - speziell in diesen letzten drei Partien. Davor muss man den Hut ziehen. Wir fanden keine Antworten", bekannte Spoelstra. Seine Rollenspieler kamen nie an die Mehrzweckwaffen der Spurs wie Boris Diaw heran. Der Franzose holte an der Seite seines Kumpels Parker seinen ersten Titel.

[tweet url="//twitter.com/tonyparker"]

Wade und Bosh abgemeldet

Miami ließ nach der Pause jegliche Gegenwehr vermissen und war spätestens nach Ginobilis Dreier zum 65:44 erledigt.

Vier Finals in Folge sind eine große Leistung, aber am Ende sprangen "nur" zwei Titel heraus. Der Traum vom "Threepaet" und einer Dynastie wie Bulls oder Lakers endete bitter.

Vor allem auch James' All-Star-Mitstreiter Dwyane Wade und Chris Bosh lieferten enttäuschende Serien ab und verfehlten in Spiel 5 zusammen 16 ihrer 26 Würfe.

Wie es angesichts der Ausstiegsklauseln in Miami weitergeht, ist offen. Shane Battier erklärte bereits seinen Rücktritt. Ob auf der anderen Seite Duncan und Popovich wirklich aufhören, ist unklar.

"Darüber werde ich jetzt nichts sagen. Das ist gigantisch und entschädigt uns für 2013. Es ist fantastisch, so lange Teil dieser Erfolgsgeschichte zu sein", ließ sich Duncan nicht locken. Den ersten Titel seit 2007 und den Höhepunkt seiner Ära wollte er einfach nur genießen.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel