Der Titelgewinn über Miami macht die Spurs und Tim Duncan zu Ikonen. Auch für die NBA ist das Popovich-System ein Segen.

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Von Eric Böhm

München/San Antonio - Nach dem großen Coup hat selbst Tim Duncan seinen Emotionen freien Lauf gelassen.

Mit einem breiten Grinsen sprang der sonst so stoische 38-Jährige über das Parkett und hielt in jede Kamera fünf Finger für die fünfte Meisterschaft mit seinen San Antonio Spurs.

Der Triumph in fünf NBA-Endspielen über Titelverteidiger Miami Heat (Bericht) war nicht nur für Duncan der süßeste. Die Dynastie, die er und Coach Gregg Popovich mit dem Titel 1999 einleiteten, hat einen spektakulären Höhepunkt erreicht (902734DIASHOW: Die Bilder der Finals).

"Es ist schöner als bei den anderen Meisterschaften. Vielleicht liegt es an der langen Zeitspanne dazwischen oder weil sich meine Karriere dem Ende zuneigt. Es ist großartig", sagte Duncan mit seinen Kindern Draven und Sydney auf dem Arm. Mit 15 Jahren zwischen erstem und bis dato letztem Titel befindet er sich in elitärer Gesellschaft:

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Spurs werden zum Publikumsliebling

Vielleicht liegt es aber auch am Gegner, denn nach den aus der Hand gegebenen Finals 2013 waren die Spurs 2014 erstmals auch der Champion des NBA-Volkes (SHOP: Jetzt Basketball-Artikel kaufen).

Früher als Quotengift und langweilig verschrien wurden sie heuer als Gegenspieler der ungeliebten Heat plötzlich für ihren perfekten Offensiv-Basketball gefeiert.

"Das ist Coach Pops Verdienst. Er hat die Leidenschaft, Beharrlichkeit und Liebe zum Spiel. Und das jedes Jahr aufs Neue", sagte der 14-malige All-Star. Nach dem Erstrundenaus 2011 gegen Memphis erfand Popovich die Mannschaft noch einmal neu.

Kobe Bryant überholt

Es verbietet sich eigentlich, aus diesem überragenden Kollektiv jemanden herauszuheben, aber Duncan ist die Galionsfigur, die sich endgültig unter den ganz großen NBA-Legenden etablierte.

Mit fünf Titeln, drei Finals-MVPs und zwei Saison-MVPs überflügelte "The Big Fundamental" nun Kobe Bryant und reiht sich hinter Ikone Michael Jordan ein:

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Neben John "Spider" Salley ist Duncan der einzige Spieler, der in drei Jahrzehnten eine NBA-Meisterschaft gewinnen konnte.

Lob für Stilikone Duncan

Was die großen Positionen angeht, hob ihn einer seiner Vorgänger höchst persönlich in den Olymp. "Tim gehört ganz oben auf die Liste", sagte der elfmalige Champion Bill Russell.

An der Seite des "Admirals" David Robinson revolutionierte Duncan die Position des Power Forwards als elegante Double-Double-Maschine mit seinem "Bank Shot" über das Brett.

Zudem verkörpert er mit der introvertierten und teambezogenen Art den schnörkellosen Stil der Spurs. Große Reden und Gesten sind ihm fremd. Der einst talentierte Nachwuchs-Schwimmer lässt lieber Taten sprechen.

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Team schlägt Einzelspieler

Gemeinsam mit Tony Parker und Manu Ginobili, die erstmals 2003 zum Meisterteam gehörten, schuf er eine Kultur, die sich 2014 als Segen für die NBA erwies.

Im Zeitalter der Konzentration der größten Stars auf die großen TV-Märkte zeigten die Spurs, dass ein echtes Team immer noch Einzelspieler schlägt - ähnlich wie 2011 Dirk Nowitzki und seine Dallas Mavericks bei ihrem Sieg über Miami.

Nicht zufällig waren die Mavs in der ersten Playoff-Runde der härteste Prüfstein. "Ihr habt der Welt gezeigt, wie schön dieses Spiel ist", sagte der neue NBA-Boss Adam Silver treffend bei der Übergabe der Larry O'Brien Trophy (DATENCENTER: Alle Playoff-Ergebnisse).

Poker um Zukunft

Während Parker sowieso weitermacht und auch Ginobili noch "ein, zwei Jahre" dranhängen will, wird über "die größte Lovestory im Sport", wie "ESPN" einst das Gespann Duncan-Popovich bezeichnete, munter spekuliert.

Duncan hatte schon vor Jahren klaglos eine kleinere Rolle neben Topscorer Parker akzeptiert, der beim Titel 2007 Finals-MVP geworden war.

"Ich genieße es jeden Tag, dass ich drei solche Spieler habe, die teamorientiert sind und nie zuerst an sich selbst denken", sagte Popovich. Mehr war ihm oder Duncan zur Zukunft nicht zu entlocken.

Abstecher nach Berlin

Ein Ende der Erfolgsstory in Texas steht so oder so nicht zu befürchten. Denn Duncan hat den Staffelstab schon an seine "Enkel-Generation" weitergereicht.

Kawhi Leonard ist mit 22 Jahren der jüngste Finals-MVP seit Duncan (1999) und übernahm nicht nur wegen des direkten Duells mit Superstar LeBron James Parkers Führungsrolle.

Beim ersten Spurs-Titel war er Erstklässler, nun steht er gemeinsam mit Danny Green und Patty Mills für die neuentwickelte Generation.

Vermutlich hängen Timmy und Pop aber noch ein Jahr dran, davon hätten auch die deutschen Fans etwas. Am 8. Oktober tritt der Champ bei ALBA Berlin an - die Duncan-Dynastie lebt.

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