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Tim Duncan (l.) wurde schon vier Mal NBA-Champ, Dirk Nowitzki noch nie © getty

Vor dem Playoff-Auftakt spricht Dirk Nowitzki über das Erstrunden-Duell mit den San Antonio Spurs, die ein großes Problem haben.

Von Roland Schekelinski und Rainer Nachtwey

München/San Antonio - Kein anderer Klub wurde in den letzten zehn Jahren so oft NBA-Meister wie die San Antonio Spurs.

Und doch hätten es die Dallas Mavericks in der ersten Playoff-Runde schlimmer erwischen können als mit dem Champion von 2007, 2005, 2003 und 1999, der dieses Mal nur an drei gesetzt ist.

Lange Zeit sah es so aus, als ob Dirk Nowitzki mit seinem Team als Achter im NBA-Westen und Erstrunden-Aufbaugegner für Mannschaften mit Titel-Ambitionen enden würde.

Ein Duell mit Kobe Bryant und den Los Angeles Lakers, der Nummer eins in der Western Conference? Die Mavericks wären wohl den schnellen Playoff-Tod gestorben.

Aber selbst das lässt sich neuerdings nicht mehr mit absoluter Sicherheit sagen.

Nach einer durchwachsenen Saison, in der Nowitzki zwischenzeitlich kleinlaut konstatierte, man habe "die Playoffs nicht verdient", scheinen die Mavericks spät - aber effektvoll - die Kurve gekriegt zu haben.

Nowitzki: "Aus dem Schatten herausgetreten"

Und zwar so deutlich, dass selbst die Spurs, die dafür bekannt sind, in den 82 Spielen der Regular Season eher selten in einen der höheren zur Verfügung stehenden Gänge zu schalten, in der K.o.-Runde dann aber für Angst und Schrecken sorgen - also die Playoff-Mannschaft schlechthin - den an sechs gesetzten Mavericks keineswegs die Hoffnung auf ein Weiterkommen rauben.

Vor dem ersten Spiel (So., 2 Uhr in den LIVESCORES) verweist Nowitzki auf das denkwürdige Conference-Halbfinale 2006, dem letzten Playoff-Duell mit den Spurs, als die Mavericks bereits in der Serie mit 3:1 führten, dann ins Wanken kamen und am Ende doch noch mit 4:3 und hochdramatisch die Oberhand behielten. (NBA-Playoffs 2009: Alle Paarungen auf einen Blick)

"Davor haben uns die Spurs immer geschlagen. Ob in den wichtigen Spielen der Regular Season oder den Playoffs. Die Spurs waren immer diejenigen, die unsere Saison beendet haben. Dass wir dann in Spiel sieben unter so viel Druck auswärts noch gewonnen haben, hat uns 'ne Menge Selbstvertrauen gegeben für die nächsten Jahre", sagt Nowitzki während einer NBA-Pressekonferenz via Telefon. "Die Spurs waren bis dahin immer so der große Bruder. Und der große Bruder hat den kleinen Bruder immer 'n bisschen verhauen. Und da war es dann so, dass der kleine Bruder aus dem Schatten herausgetreten ist."

Ginobilis Ausfall verschlechtert die Bilanz

Es gibt einiges, was in dem Texas-Derby im Modus Best of Seven für Dallas spricht. Ohne Manu Ginobili, dem argentinischen Wirbelwind, der bis zum Saisonende verletzt ausfällt, sind die Spurs zwar noch mehr als die Hälfte wert, aber vielleicht nicht mehr als 75 Prozent.

Mit Ginobili hat San Antonio eine Bilanz von 33 Siegen und zwölf Niederlagen vorzuweisen. Ohne den Flügelspieler sprangen nur 22 Siege und 16 Pleiten heraus. Eine einfache Rechnung: Mit einem fitten Ginobili würden die Spurs dieses Jahr auf dem Lakers-Level operieren.

"Ohne Ginobili wird Tony Parker seine Systeme und seine Würfe bekommen, wird seine Punkte machen. Das ist keine Frage. Er ist einfach ein super Spieler", so Nowitzki. "Aber ich hoffe, dass wir als Mannschaft die Spiele gewinnen, dass, wenn es darauf ankommt, wir ihn doch im Zaum halten können. Dass wir den Tim Duncan einigermaßen gut verteidigen können, die Schützen von außen wie Finley, wie Roger Mason, wie Bonner. Die haben schon die besten Schützen, die die Liga zu bieten hat."

Keine Angst vor Edwards Scherenhänden

Die Aussicht auf eine Begegnung mit Bruce Bowen, San Antonios Kettenhund in der Defensive mit dem Spezialauftrag, gegnerische Superstars so mürbe zu machen, das diese die Lust am Körbe werfen verlieren, bereitet einem wie Nowitzki, der in den letzten 25 Spielen 20 Punkte oder mehr erzielt hat, keine schlaflosen Nächte. (Statistik: Der Sport1.de-Nowitzki-Watch)

"Es ist schon ganz witzig, gegen ihn zu spielen. Er spielt sehr hart, manchmal an der Grenze, aber ich bin immer ganz gut mit ihm ausgekommen. Wir haben nie große Probleme miteinander gehabt. Wir haben hart aber sehr professionell gegeneinander gespielt. Danach war wieder alles gut. Es gab nie während oder nach dem Spiel etwas Hässliches. Da freue ich mich jetzt auch wieder drauf", sagt Nowitzki.

Wie groß die Freude dann während der Serie sein wird, ist offen. Immerhin hat Lakers-Coach Phil Jackson Bowen mal als "Edward mit den Scherenhänden" bezeichnet. Allerdings ist Bowen schon 37 Jahre alt. Und ob er sein Hauptaugenmerk tatsächlich auf den deutschen Nationalspieler richten wird, ist fraglich.

Terry kontert "Respektlosigkeiten"

Durchaus möglich, dass Bowen zum Multi-Tasker in San Antonios Verteidigung werden muss. Je nachdem, welcher Maverick gerade das Heft in die Hand nehmen wird. Mit den Mavericks in der Form der letzten Wochen dürfte jedenfalls Schwerstarbeit auf San Antonios Defensiv-Abteilung zukommen.

Vor allem die Motivation bei den Mavericks lässt einiges erwarten. Richtig angefressen sind manche. "Es ist respektlos, wie da einige in den TV-Shows sagen: Die Mavericks schiebt man locker beiseite, gegen die wollen alle spielen", grantelt Dallas' Jason Terry, in dieser Saison heißer Kandidat auf den Titel "Bester Sechster Mann" der Liga. "Na gut, wir werden ja sehen, ob wir es waren, gegen die ihr tatsächlich spielen wolltet."

So lief das Duell in der Regular Season:

4. März: Mavericks - Spurs 107:102Beste Spieler für Dallas: Josh Howard (29 Punkte), Dirk Nowitzki (24 Punkte, 12 Rebounds), Jason Kidd (17 Punkte, 9 Assists, 7 Rebounds), Jason Terry (17 Punkte)Für San Antonio: Tony Parker (37 Punkte), Roger Mason (23 Punkte), Tim Duncan (19 Punkte, 12 Rebounds)

24. Februar: Spurs - Mavericks 93:76Für San Antonio: Tony Parker (37 Punkte, 12 Assists), Michael Finley (16 Punkte), Kurt Thomas (10 Punkte, 15 Rebounds)Für Dallas: Josh Howard (19 Punkte), Jose Juan Barea (16 Punkte), James Singleton (14 Punkte, 14 Rebounds), Dirk Nowitzki (14 Punkte, 10 Rebounds)

9. Dezember: Mavericks - Spurs 126:133 nach Double-OvertimeFür Dallas: Dirk Nowitzki (35 Punkte, 10 Rebounds), Jason Kidd (24 Punkte, 12 Assists), Jose Juan Barea (21 Punkte), Jason Terry (19 Punkte)Für San Antonio: Tim Duncan (32 Punkte, 14 Rebounds), Tony Parker (29 Punkte, 10 Assists), Manu Ginobili (18 Punkte, 8 Assists)

4. November: Spurs - Mavericks 81:98Für San Antonio: Tony Parker (22 Punkte), Tim Duncan (19 Punkte, 15 Rebounds)Für Dallas: Dirk Nowitzki (30 Punkte, 7 Rebounds), Jason Terry (29 Punkte, 6 Assists), Jason Kidd (9 Punkte, 10 Assists), Josh Howard (14 Punkte, 12 Rebounds)

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