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Jubel bei Josh Howard und Brandon Bass (l.): Dallas steht erstmals seit 2006 in Runde zwei © getty

Allen Unkenrufen zum Trotz steht Nowitzkis Team unter den letzten Acht und entdeckt die Härte. Terry macht eine erneute Ansage.

Von Rainer Nachtwey

München/San Antonio - Eigentlich war das Scheitern der Dallas Mavericks in der ersten Runde bereits beschlossene Sache - zumindest, wenn man nach dem Tenor der Presse in den USA ging.

Nur für die Spieler der Mavericks wohl nicht. Jason Terry hatte angekündigt, Dallas werde die erste Playoffrunde überstehen, nur wisse er noch nicht, wie weit der Weg die Mavericks führen werde.

Und der zum besten sechsten Mann der NBA gewählte Shooting Guard der Mavs sollte Recht behalten.

Als drittes Team in Runde zwei

Nach dem 106:93-Erfolg in Spiel fünf der Best-of-Seven-Serie (SPIELBERICHT: 106:93! Mavericks im NBA-Viertelfinale) und dem damit verbundenen Gesamtsieg über die San Antonio Spurs kündigte Terry erneut etwas an: "Unser Weg ist noch lange nicht beendet."

Diesmal werden die Pressevertreter und Gegner genauer hinhören.

Denn nach den derzeit alles überragenden Cleveland Cavaliers und Los Angeles Lakers sind die Mavericks das dritte Team, das sich vorzeitig für die Conference Semifinals qualifiziert hat - noch vor Titelverteidiger Boston, der in seiner Serie mit den Chicago Bulls schwer zu kämpfen hat. (DATENCENTER: Ergebnisse)

Fünf Wochen Playoffs in der Regular Season

Dies wirft die Frage auf, warum die Mavericks auf einmal so stark spielen? Oder muss man sich doch eher fragen: Waren die Spurs so schlecht?

Mavericks Coach Rick Carlisle setzt auf die Stärke der Mavericks, vor allem im mentalen Bereich.

"Unsere Playoffs hatten bereits im letzten Fünftel der Regular Season begonnen", meint der Coach. "Während der letzten fünf Wochen hatten wir schwere Spiele gegen sehr schwere Spiele gegen direkte Konkurrenten zu Hause und auswärts. Das hat meine Jungs stark gemacht."

Mit Leidenschaft und Willen in die Playoffs

Sie hätten die Leidenschaft und den Willen aus dem Kampf um die Playoffs in diese mit hinübergenommen, stellt Carlisle zudem fest.

"Die Jungs sind hart gegen sich selbst. Sie haben schwer für die Siege gekämpft und wollten unbedingt gewinnen."

Vor allem in der Abwehrarbeit, in der regulären Saison eines von Dallas' Sorgenkindern, zeigen die Mavericks ihre Härte. Zwar steigerten sich die Spurs in der fünften Begegnung auf 52 Prozent Trefferquote - in Spiel drei waren es noch 32 Prozent -, dies spiegelt jedoch nicht die Defensivbemühungen wider.

Howard ist Carlisles MVP

Vor allem der genesene Josh Howard dreht in den Playoffs auf.

"Joshs Gesundheit ist ein Faktor für den Sieg", sagt Carlisle und kürt den Small Forward inoffiziell zum wertvollsten Spieler der Serie. "Für mich ist er der MVP der Serie."

Howard selbst spielte seine Leistung herunter. "Ich habe nichts Besonderes gemacht. In den Playoffs musst du einfach immer alles geben und dein 1A-Spiel zeigen. Ein mittelmäßiges reicht dafür nicht aus", sagt Howard, der am Dienstagabend auf 17 Punkte, acht Rebounds und zwei Steals kam.

Mavs nehmen Schützen aus dem Spiel

Zwei Faktoren beim Erfolg über die Spurs waren entscheidend: Das Ausschalten der von Dirk Nowitzki so gefürchteten Außenschützen Michael Finley und Roger Mason sowie die mannschaftliche Geschlossenheit beim Scoring.

Außer Tim Duncan und Tony Parker, die 19,8 bzw. 28,6 Punkte im Schnitt erzielten, kam kein Spur auf eine zweistellige Ausbeute. Finley war mit durchschnittlich 8,0 Zählern drittbester Scorer, Masons Wert sank gegen die Mavs im Vergleich zur Regular Season um satte fünf Punkte.

Bester Basketball zum rechten Zeitpunkt

"Wir spielen zurzeit sowohl in der Defensive als auch in der Offensive unseren besten Basketball", stellt Center Erick Dampier fest, der mit 11 Punkten und 12 Rebounds erneut eine sehr gute Vorstellung ablieferte.

Besonders imponierend ist, dass die Mavericks die Punkteflaute von Nowitzki und Terry, den beiden besten Scorern in der Regular Season wegstecken konnten, weil Howard, Jason Kidd, Dampier und J.J. Barea konstant punkteten.

Duncan stellte dementsprechend konsterniert fest. "Wir hatten nicht genug Waffen, um sie zu besiegen."

Auch damit hatte vor dem texanischen Derby keiner gerechnet.

Vergleich mit 1995er-Rockets

Und vielleicht trifft auf die Mavericks doch das zu, was Co-Trainer Mario Ellie bereits vor der Serie gegen die Spurs festgestellt hatte.

"Diese Mannschaft erinnert mich sehr an mein 1995er-Rockets-Team", sagte Ellie damals. "Uns hatte damals auch keiner auf der Rechnung."

Die Houston Rockets wurden am Ende Meister. Ob Terry vom gesamten Weg sprach, wird sich in der anstehenden Serie - vermutlich gegen die Denver Nuggets - zeigen.

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