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Brett Favre wurde von 1995 bis 1997 dreimal zum MVP in der NFL gewählt © getty

Brett Favre darf endlich für die Vikings das Spiel machen und es seinem Ex-Klub heimzahlen. Doch sein Ruf nimmt Schaden.

Minneapolis - Er kann es einfach nicht lassen: Schon zweimal verkündete Quarterback Brett Favre mit großem Getöse seinen Abschied aus der National Football League (NFL), zum Start der neuen Saison wird der inzwischen 39-Jährige in der kommenden Woche aber doch wieder auf dem Feld stehen.

Sein Haaransatz ist noch ein bisschen grauer geworden, die Beine vielleicht noch ein wenig langsamer. Auf seinen legendären Wurfarm soll aber weiterhin Verlass sein.

Das glauben zumindest die Minnesota Vikings, die der Routinier in der anstehenden Spielzeit zum ersten Super-Bowl-Gewinn der Klubgeschichte führen soll.

"Ich denke, ich kann der Mannschaft mit meiner Erfahrung und meinen Führungsqualitäten viel geben. Zudem wollte ich mir später nicht die Frage stellen, warum ich es nicht noch einmal probiert habe. Also bin ich zurückgekehrt", sagt Favre, der im kommenden Monat seinen 40. Geburtstag feiert.

Zwischen Begeisterung und Spott

Mit einer Mischung aus Begeisterung und Spott war die Comeback-Ankündigung des Spielmachers in den USA begleitet worden.

Nachdem sich Favre eigentlich schon 2008 nach 16 Jahren im Trikot der Green Bay Packers tränenreich in den Ruhestand verabschiedet hatte, war er in der vergangenen Saison für die New York Jets aufgelaufen.

Dort zeigte er zunächst starke Leistungen, schaffte mit seinem Team in den letzten fünf Saisonpartien aber nur noch einen Sieg und verpasste die Playoffs. Es folgte sein zweiter Rücktritt, doch schon wenig später machten erneut Comeback-Gerüchte die Runde.

Packers stellen sich quer

Noch im vergangenen Juli hatte Favre selbst diesen Spekulationen einen Riegel vorgeschoben. Keine drei Wochen später unterschrieb er in Minnesota - ausgerechnet bei den Vikings, dem Erzrivalen seines langjährigen Arbeitgebers Green Bay. Von den Packers war Favre einst im Unfrieden geschieden.

Schon vor seinem ersten Comeback bei den Jets wollte er sich eigentlich dem Team aus Minneapolis anschließen, damals verweigerte Green Bay allerdings die Freigabe.

Nun kann Favre seine vermeintlichen Rachegelüste mit Verspätung befriedidigen. Dabei müsste er eigentlich niemandem mehr etwas beweisen. (DATENCENTER: Der 1. Spieltag)

Kratzer am einst makellosen Ruf

Dreimal wurde der Quarterback zum "wertvollsten" Spieler (MVP) der Liga gekürt, 1997 führte er die Packers zum Super-Bowl-Sieg.

Doch nach dem Hickhack um sein Karriereende beginnen diese Meriten genauso zu verblassen wie sein einst makelloser Ruf. Die Rolle des bodenständigen Sonnyboys, der allabendlich auf US-Bildschirmen für Jeanshosen wirbt, nimmt ihm die Öffentlichkeit jedenfalls kaum mehr ab.

Die Liebe der Amerikaner für nahezu märchenhafte Comebacks könnte Favre allerdings wieder zu altem Ansehen verhelfen. Sollte es dem Spielmacher gelingen, die Vikings um Running Back Adrian Peterson tatsächlich zur Meisterschaft zu führen, gäbe es jenseits des Atlantiks wahrscheinlich kein Halten mehr.

Entzug der Ehrenbürgerwürde?

Nur in Green Bay würde sich die Begeisterung in Grenzen halten.

Dort rüstet man sich bereits für den Auftritt des abtrünnigen Sohnes im heimischen Lambeau Field. Am 1. November gastieren die Vikings bei den Packers und ihren berüchtigten Fans. Glaubt man den Ankündigungen einiger wirrer Internet-User, muss Favre dann sogar um sein Leben fürchten.

Doch auch für gemäßigtere Packers-Anhänger scheint Favres Wechsel nach Minnesota unverzeihlich. In den kommenden Wochen soll darüber entschieden werden, ob man dem einstigen Helden der Stadt die Ehrenbürgerwürde wieder entziehen sollte.

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