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Der NFL - hier Spiele der Giants und der Dolphins - droht 2011 ein Arbeitskampf © getty

Rezession in der NFL: Die reichste Liga der Welt spürt die Wirtschaftskrise und muss mit Tabus brechen. Nur ein Team wird teurer.

New York - Zwei Wochen nach dem Saisonbeginn der National Football League(NFL) schrillen im New Yorker NFL-Hauptquartier die Alarmglocken.

Wegen der schwelenden Wirtschaftskrise wird der Lieblingssport der Amerikaner in diesem Winter erstmals seit Jahren weniger Zuschauer in die Stadien locken.

Bisher konnten nur 20 der 32 Teams ihr Jahreskarten-Kontingent an den Mann bringen. Viele der Klubs versuchen deshalb, mit einfallsreichen Marketing-Kampagnen ihre Fans zurückzugewinnen.

Spiele nicht ausverkauft

Die reichste Liga der Welt sorgt sich um ihre Finanzen.

Vorbei sind die Jahre, als Spötter behaupteten, die NFL hätte eine Genehmigung zum Gelddrucken.

Der Zuschauerschwund hat nicht nur am Kartenhäuschen Folgen. Weil nach NFL-Statuten Spiele, die drei Tage vor Spielbeginn nicht ausverkauft sind, nicht im lokalen Fernsehen des Heimklubs übertragen werden dürfen, gehen vielen Vereinen auch üppige TV-Werbegelder verloren.

"Wir müssen demnächst vor Saisonbeginn härter und kreativer arbeiten, um unseren Fans und Sponsoren Tickets zu verkaufen", sagte NFL-Commissioner Roger Goodell.

Nur Dallas hebt Preise an

Selbst eine Reduzierung der seit Jahren ansteigenden Eintrittspreise - bisher ein Tabu-Thema - ist nicht mehr ausgeschlossen. Für die laufende Saison gingen immerhin 24 Vereine dazu über, die Preise gegenüber dem Vorjahr unverändert zu lassen 154240(DIASHOW: Die Bilder vom 2. Spieltag).

Einzig bei "America's Team", den Dallas Cowboys, ist von Krisenstimmung keine Rede.

Dank einer landesweiten PR-Lawine, in deren Mittelpunkt das neue revolutionäre Texas Stadium stand, konnte es sich der einstige Abonnement-Meister leisten, den Durchschnittspreis auf üppige 159,65 Dollar (ca. 108 Euro) bei einem Liga-Schnitt von 74,99 (ca. 51 Euro) anzuheben.

Raten fürs Jahresabo

Eine vierköpfige Familie, die ein Heimspiel der Cowboys besucht, muss somit für Tickets, Parken, Hot Dogs, Vereinskappen und ein Programmheft 758,58 Dollar (ca. 517 Euro) hinblättern.

Weniger betuchte Klubs aus dem Umland - den sogenannten "Small Markets" - kämpfen derweil verzweifelt um jeden Fan.

Bei den Kansas City Chiefs dürfen Jahreskarteninhaber ihr Billet in vier Raten abzahlen. In Atlanta präsentiert Klub-Besitzer Arthur Blank auf der Webseite des Teams ein Trikot mit dem Namenszug des jeweils neuen Dauerkarten-Besitzers.

Und bei den Detroit Lions können Fans für 57 Dollar (ca. 39 Euro) unbegrenzt essen und trinken.

Arbeitskampf droht

Den Bemühungen, die Fans am Sonntag vom Fernseher in die Arenen zu locken, droht allerdings schon bald eine neue Hürde.

In den Verhandlungen zwischen Liga und der Spielergewerkschaft um einen neuen Rahmenvertrag zeichnet sich bisher keine Einigung ab. Insider gehen deshalb davon aus, dass die Saison 2011 einem Arbeitskampf zum Opfer fällt oder zumindest verspätet beginnt.

Über potenzielle Folgeschäden kann sich die NFL bei ihren Kollegen vom Baseball informieren.

Nach dem 232-tägigen Streik der "Boys of Summer" gingen die Zuschauerzahlen in der folgenden Saison um knapp die Hälfte zurück.

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