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Sieger Peyton Manning (l.) tröstet den unterlegenen Tom Brady © getty

Das Topspiel des 10. NFL-Spieltags gewinnen die Colts gegen New England - weil sich Patriots-Coach Bill Belichick verzockt.

Von Roland Schekelinski

München/Indianapolis - Bill Belichick ist als gewiefter Stratege bekannt.

Als einer, der immer für eine Überraschung gut ist. Als einer, der immer noch ein Ass im Ärmel hat.

Dieses Mal hat sich der Coach der New England Patriots bei der 34:35-Niederlage bei den Indianapolis Colts allerdings gehörig verzockt.

Zwei Minuten und acht Sekunden vor Ende des Topspiels der 10. NFL-Woche lagen die Patriots mit 34:28 vorne, mussten aber an der eigenen 28-Yard-Linie noch zwei Yards überbrücken, um ein First Down zu holen. Es wäre die Vorentscheidung gewesen.

Einziges Problem: New England hatte schon drei Versuche und befand sich bereits beim Vierten Down. In den meisten aller Fälle wird in solch einer Situation gepuntet, um den Ball so weit wie möglich aus der Gefahrenzone zu bringen.

Einen halben Yard am Sieg vorbei

Belichick jedoch wollte nicht auf Nummer sicher gehen, ließ das Special Team für den Punt draußen und gab seinem Quarterback Tom Brady die Anweisung, den Spielzug fortzuführen.

Doch aus dem vermeintlichen taktischen Geniestreich wurde die Fehlentscheidung des Spiels. (DATENCENTER: 10. Spieltag)

Brady (375 Yards, 3 Touchdowns, eine Interception) wirft den Ball über kurze Distanz zu Kevin Faulk. Doch der Running Back wird zum Entsetzen der Patriots nur einen halben Yard vom neuen First Down entfernt von Colts-Safety Melvin Bullitt zu Boden gebracht.

"Dieser Vierte-Down-Spielzug ist einer unserer besten, den wir in petto haben", sagte Brady. "Wir hatten zu diesem Zeitpunkt 450 Yards auf dem Konto. Wir haben viele großartige Spieler in unserer Offensive. Aber sie haben uns gestoppt."

Wayne fängt zum Sieg

Der Ballbesitz ging an die Colts über und versetzte Indianapolis' Superstar Peyton Manning unverhofft in eine äußerst komfortable Position.

Manning (327 Yards, vier Touchdowns, zwei Interceptions) passte auf die linke Seite zu Reggie Wayne, der den Ball an die 14 Yard-Linie brachte.

Dann drückte Manning Joseph Addai den Ball in die Arme. Der Running Back (41 gelaufenene Yards) wurde von der Patriots-Verteidigung erst an der 1-Yard-Linie gestoppt.

Beim folgenden Versuch, den Touchdown zu erzielen, scheiterte Addai allerdings. Manning wählte daraufhin eine andere Option - und die brachte den Sieg.

Wieder bediente Manning Wayne auf links: Touchdown-Pass über einen Yard. Für den dann alles entscheidenden Extra-Punkt 13 Sekunden vor Schluss sorgte Kicker Matt Stover.

Manning: "Ein wenig nervös"

"Als sie beim Vierten Down weitermachten, da wurden wir schon ein wenig nervös", sagte Manning, der sein achtes Spiel mit mehr als 300 Passing-Yards ablieferte.

"Es hat unsere Strategie über den Haufen geworfen", so Manning. "Denn wir mussten davon ausgehen, dass wir 60, 70 Yards in fünf, sechs, sieben Spielzügen überbrücken müssen. Im Huddle habe ich gesagt: Wir brauchen einen Touchdown. Aber lasst es uns nicht übers Knie brechen."

Belichick verstand die Welt nicht mehr. "Wir wollten den Sieg bei diesem Vierten Down sicherstellen. Ich war mir sicher, dass wir diesen einen Yard holen. Es ist mir nicht begreiflich, warum wir das nicht geschafft haben."

Die Colts holen den neunten Sieg im neunten Spiel und sind zusammen mit den New Orleans Saints die einzig ungeschlagenen Teams. Zudem war es für die Colts der 18. Sieg in Folge in der Regular Season.

Die Patriots stehen in der AFC East Division trotz der dritten Saisonniederlage mit sechs Siegen vor den Miami Dolphins und den New York Jets (beide 4:5) auf Platz eins.

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