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Folgt bereits dem Vorbild von Kerry Collins: Vince Young (l.) © getty

Nach Jahren der Verjüngungskur folgen immer mehr NFL-Trainer einem Trend: Sie setzen wieder auf die erfahrenen Quarterbacks.

Von Rainer Nachtwey

München - In den letzten beiden Spielzeiten hat sich ein Trend entwickelt: "Jugend forscht" war in der NFL angesagt.

Statt der alternden Quarterbacks setzten die Trainer auf hungrige Nachwuchsspieler, die noch keine oder erst wenige Spiele bestritten hatten.

Ob Matt Leinart in Arizona, Vince Young bei den Titans oder Tarvaris Jackson in Minnesota, sie alle erhielten den Vorzug vor den erfahrenen Spielmachern.

Kein Grund zu wechseln

So löste Leinart in Arizona den mittlerweile 37 Jahre alten Kurt Warner ab und Young trat in Tennessee die Nachfolge des 35-jährigen Kerry Collins an.

Doch mittlerweile haben die Coaches - zum Teil auch durch Verletzungen gezwungen - umgedacht.

Warner ist als Starter der Cardinals zurückgekehrt, bei den Vikings hat der 37 Jahre alte "Wandervogel" Gus Frerotte Jackson als Nummer Eins verdrängt und Young findet sich nach einer Oberschenkelverletzung auf der Ersatzbank wieder.

"Vince hat sich nach seiner Verletzung im Training gut zurückgemeldet, aber Kerry wird vorerst weiter starten. Er hat in der Preseason gezeigt, was er drauf hat und im Moment sehe ich keinen Grund zu wechseln", sagt Coach Jeff Fisher. "Erst wenn er einen Fehler macht, werde ich über einen Wechsel nachdenken."

"Oldies" souveräner unter Druck

In St. Louis hatte Ex-Coach Scott Linehan vor seinem letzten Spiel als Trainer Marc Bulger auf die Bank verbannt und dafür den 38-jährigen Trent Green auflaufen lassen.

Nach Linehans Entlassung gab der neue Coach Jim Haslett bekannt, er werde wieder auf Bulger setzen, aber der Trend ist dennoch eindeutig.

Brett Favre (38) leitet in New York das Spiel der Jets, nach Brodie Croyles Schulterverletzung bevorzugt Chiefs-Head-Coach Herm Edwards den 35 Jahre alten Damon Huard anstelle von Tyler Thigpen (24) und in Miami müssen John Beck (27) und Rookie Chad Henne (23) akzeptieren, dass Neuzugang Chad Pennington (32) das Vertrauen von Coach Tony Sparano erhält.

"Wir sind ein junges Team und da hilft es sehr, wenn ein erfahrener Mann unser Spiel leitet", sagte Sparano, als er zu Saisonbeginn seine Entscheidung auf Pennington zu setzen, bekannt gab. "Er das Talent, das Spiel zu leiten und er ist ausgeglichener, wenn er sich in schwierigen Situationen befindet. Er kennt das ja schon."

Von den "Oldies" lernen

Dennoch soll es sich bei den meisten Teams, die derzeit auf einen "Oldie" setzen, nur um eine Übergangslösung handeln. Denn die Nachwuchskräfte wie Young und Leinart gelten als die Zukunftshoffnungen ihrer Franchises.

"Vince kann ungemein viel von Kerry lernen, schließlich war Kerry auch ein Erstrunden-Pick und kennt den Druck. Vielleicht ist es gar nicht schlecht, dass Vince nach seinem schwachen Saisonstart erst einmal Kerry von der Außenlinie beobachtet, wie er reagiert, wie er Entscheidungen trifft, wie er mit den Drucksituationen umgeht", führt Fisher weiter aus.

Ähnlich sieht es Ken Whisenhunt, der Trainer der Cardinals. Leinart, der in der Offseason mehr durch feiern aufgefallen war, fand in der Saisonvorbereitung nie zu seiner Form aus den beiden Vorjahren und aus dem College wiederfand.

Mit Warner hat Leinart einen der besten Lehrmeister. Schließlich gewann der ehemalige Quarterback der Amsterdam Admirals zweimal die MVP-Auszeichnung und mit den St. Louis Rams einmal den Super Bowl.

Negativ-Beispiele Smith und Carr

Dass Fisher und Whisenhunt nicht schlecht damit fahren, beweisen die Negativ-Beispiele Alex Smith und David Carr. Beide wurden als Nummer-Eins-Pick ihres Draft-Jahrgangs gewählt, mussten aber aufgrund ihrer Unerfahrenheit reichlich Verletzungen und Sacks einstecken.

Während Smiths Zukunft in San Francisco wegen einer Schulter-OP voraussichtlich beendet ist, findet sich Carr nach seiner Entlassung in Houston vor zwei Jahren mittlerweile bei den New York Giants als Backup wieder. In der Saison zuvor konnte er als Ersatzmann in Carolina nicht überzeugen.

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