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Coach Sean Payton wurde 2006 zum Trainer des Jahres gewählt © getty

Die New Orleans Saints drehen Super Bowl XLIV gegen die Indianapolis Colts. Trainer Sean Payton verdient größtes Lob.

Von Rainer Nachtwey

München/Miami - Bereits während des Spiels schwärmten die Experten vom taktischen Geistesblitz Sean Paytons und lobten den Coach der New Orleans Saints in höchsten Tönen.

Da war die Entscheidung zu Gunsten der Saints in Super Bowl XLIV gegen die Indianapolis Colts noch gar nicht gefallen 201072(DIASHOW: Die Bilder vom Super Bowl).

Der Trickspielzug zu Beginn der zweiten Hälfte - als Payton einen Onside Kick durchführen ließ, damit seine Saints die Chance auf Ballbesitz bekamen - war der Startschuss für 30 Minuten Football, die den Spielverlauf aus dem ersten Durchgang, zumindest den des ersten Viertels völlig auf den Kopf stellten und den Saints den 31:17-Sieg bescherten.

Kicker völlig verängstigt

"Er hat damit die Welt geschockt", schrieb NFL-Experte Pat Yasinkas in seiner Kolumne bei "ESPN". Allerdings schockte Payton nicht nur den Gegner und die Welt, sondern auch seinen eigenen Kicker, als er ihm zu Beginn der Halbzeitansprache den Onside Kick vorgab.

"Das ist die größte Bühne der Welt. Ich saß die ganzen 20 Minuten völlig verängstigt in der Umkleide", gestand Liganeuling Thomas Morstead.

Spieler spüren Selbstvertrauen

Während der Rookie an seinen Fähigkeiten zweifelte, spürten die Saints das Vertrauen ihres Trainers. "Wenn jemand mit so einer Aktion in die zweite Hälfte startet, weißt du, dass der Coach voll hinter dir steht. Das gibt einem Selbstvertrauen", sagte Linebacker Scott Fujita.

"Ich habe den Onside Kick die ganze Woche über trainieren lassen. Die Jungs haben das ausgesprochen gut ausgeführt. Ich sah darin eine gute Chance, in Ballbesitz zu kommen", begründete Payton sein Vorgehen.

Onside Kick verleiht Auftrieb

Und die nutzte New Orleans. Nach einem Pass von Quarterback Drew Brees lief Running Back Pierre Thomas über 16 Yards in die Endzone und sorgte für die erste Führung im Endspiel nach zwischenzeitlichem 0:10-Rückstand.

"Der Onside Kick hat das Spiel verändert. Als wir den Ball erobert haben, hat uns das einen enormen Auftrieb verlieren", sagte Linebacker Jonathan Casillas.

Zwar schlug Indianapolis noch einmal durch Joseph Addais Touchdown-Lauf über 4 Yards zurück und stellte den alten 4-Punkte-Vorsprung wieder her, aber Indy wirkte von nun an unsicher.

Ein Sieg für die Region

Und als Colts-Kicker Matt Stover seinen Field-Goal-Versuch aus 51 Yards zu Beginn des letzten Viertels links neben das Torgestänge setzte, war Indianapolis' Zittern und New Orleans' Stärke spürbar.

Zumal die Fans komplett hinter dem Außenseiter standen. "Wir haben für viele mehr als nur für uns gespielt. Dieser Sieg ist für unsere Stadt, für die Golfküsten-Region und für all unsere Anhänger", sagte Brees, der zum Super-Bowl-MVP ausgezeichnet wurde.

Zwei Hoffnungsträger

Brees und Payton galten bereits nach ihrer Verpflichtung 2006 - im Jahr nach der Verwüstung New Orleans' durch Hurrikan Katrina - als Hoffnungsträger im "Big Easy". Erfolgreicher Football sollte die Bewohner von der Naturkatastrophe ablenken. Und das gelang dem Duo. In ihrer ersten Saison führten sie die Saints ins NFC Championship Game.

Bis zu einer weiteren Playoff- und der ersten Super-Bowl-Teilnahme mussten sich die Anhänger aufgrund zweier schwacher Spielzeiten gedulden. "Das bedeutet uns viel. Wir sind auch wegen ihnen hier. Sie haben uns unglaublich unterstützt, obwohl sie so viel mitmachen mussten. Wir verdanken ihnen den Sieg", sagte Brees.

Richtige Entscheidung von Payton

Während Indys Coach Jim Caldwell die falsche Entscheidung traf, und auf einen Field-Goal-Versuch Stovers setzte statt zu punten, traf Payton erneut die richtige Entscheidung.

Nach dem Touchdown von Jeremy Shockey nach Brees zweitem Pass in die Endzone, schickte er sein Team zu einer Two-Point-Conversion aufs Feld. Mit dem Erfolgserlebnis im Rücken fing Lance Moore Brees Pass spektakulär und drehte den Ball in der Luft über die Linie.

Payton beantragt Videobeweis

Die Fehlentscheidung des Schiedsrichters, der der Two-Point-Conversion die Anerkennung verwehrte, ließ Payton per Videobeweis überprüfen und erhielt Recht.

"Alles was der Coach heute angepackt hat, war richtig", lobte Jonathan Vilma seinen Trainer.

"CBS"-Kolumnist Gregg Doyel ging sogar so weit, dass er Brees die MVP-Auszeichnung wegnehmen und an den Coach verleihen wollte. "Drew Brees hat nahezu perfekt gespielt, 29 von 32 Pässen an den Mann gebracht, aber er hätte trotzdem nicht MVP werden dürfen. Diese Auszeichnung hätte nur Sean Payton erhalten dürfen."

Frustrierter Manning

Tracy Porters Interception-Return-Touchdown über 74 Yards war der krönende Schlusspunkt auf eine taktische Meisterleistung der Saints. "Das war eine gute Aktion von ihm", lobte Indys Quarterback Peyton Manning den Cornerback, der Mannings Pass auf Reggie Wayne abgefangen hatte. "Großartiger Spielzug. Verdammt guter Spielzug."

Ähnlich wortkarg gab sich Manning auf der PK als erneut seine Interception zur Sprache kam. "Das ist natürlich frustrierend", sagte Manning. "Sehr frustrierend."

Vorgezogener Karneval

700 Meilen nordwestlich vom Sun Life Stadium ließ die Interception die Leute auf den Straßen tanzen. New Orleans' Karneval Mardi Gras, der erst in einer Woche seinen Höhepunkt finden sollte, wurde vorgezogen.

Die Saints-Anhänger feierten und die Bourbon Street im French Quarter wurde zur Partymeile.

"Wenn man bedenkt, was wir an Widerstände überwunden haben. Wer hätte vor vier Jahren an uns geglaubt, dass wir hier als Super-Bowl-Sieger stehen? Das ist unglaublich", sagte Brees beeindruckt und schob hinterher: "Damals stand 85 Prozent von New Orleans unter Wasser. Die meisten Leute, die New Orleans verlassen mussten, wussten nicht einmal, ob es die Stadt wieder geben wird."

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