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Reggie Bush wurde beim Draft 2006 an zweiter Stelle von den Saints gewählt © getty

Wie Franz Beckenbauer in einem Werbespot wird sich auch Minnesota beim MNG über die vielen Geschenke gewundert haben.

Von Rainer Nachtwey

München/New Orleans - Reggie Bush nimmt den Ball an der 23-Yard-Linie auf, täuscht nach rechts an, läuft nach links, lässt sieben Verteidiger der Minnesota Vikings ins Leere laufen, zieht wieder nach rechts in die Spielfeldmitte und ist auf dem Weg zu einem Touchdown.

Doch ausgerechnet auf dem Team-Logo, das in der Mitte des Platzes aufgetragen ist, gerät der Running Back ins Straucheln und stürzt - Touchdown ade.

Zwar gelangen Bush beim Monday Night Game gegen die Minnesota Vikings im Superdome zwei Punt-Return-Touchdowns, aber so wie er beim Return strauchelte, so strauchelten auch seine Saints.

"Das muss ich erstmal verdauen"

Mit 27:30 musste sich der Playoff-Kandidat aus Louisiana den Vikings vor heimischem Publikum geschlagen geben.

Kicker Ryan Longwell entschied die Partie mit einem Field Goal aus 30 Yards 13 Sekunden vor Schluss.

"Das war eines der verrücktesten Spiele, die ich je erlebt habe", sagte Saints-Quarterback Drew Brees: "Es war ein ständiges Auf und Ab. Das muss man erst einmal alles verdauen. Aber am Ende steht halt auch die Niederlage und das ist das Enttäuschende."

Dass es nicht zum Sieg reichte, hatten sich die Saints selbst zuzuschreiben. Denn die Gastgeber verteilten viele Geschenke. Vier Mal verlor New Orleans den Ball und verhalf den Vikings mit elf Strafen zu 102 Yards Raumgewinn.

"Für uns war das natürlich ein schöner Sieg", freute sich Minnesotas Trainer Brad Childress, gestand aber auch ein: "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich jemals in ein Spiel verwickelt war, das so verlaufen ist."

Running Back mit Touchdown-Pass

Für die Saints begann die Begegnung erfreulich. Brees bediente Devery Henderson mit einem 17-Yard-Pass in der Endzone, und bereits nach 3:49 Minuten stand es 7:0 für die Heimmannschaft.

Kicker Martin Gramatica hätte mit einem Field Goal fünf Minuten später das Ergebnis auf 10:0 schrauben können, doch Vikings-Defensive-Tackle Kevin Williams blockte den Versuch des Argentiniers und Minnesotas Antoine Winfield trug den Ball in die Endzone der Saints.

Statt einer Zehn-Punkte-Führung musste sich New Orleans mit einem 7:7 begnügen.

Und es ging kurios weiter. Beim Stand von 10:10 übergab Vikings-Quarterback Gus Frerotte den Ball an seinen Running Back Chester Taylor. Doch statt aus vier Yards in die Endzone zu laufen, warf Taylor den Ball auf Visanthe Shiancoe, der den Ball in der Endzone fing.

Bush stellt Rekord ein

Anschließend war für die Vikings-Linebacker Bescherung angesagt.

Beim nächsten Ballbesitz "schenkte" Bush Chad Greenway den Ball. Im darauffolgenden Spielzug warf Brees den Ball in die Arme von Ben Leber. Aber die Vikings nutzten dies nur zu drei Punkten durch ein Field Goal von Longwell.

Ende des dritten Spielabschnitts kam dann der Auftritt von Bush. Nachdem er den Punt von Chris Kluwe über 71 Yard in die Endzone der Vikings getragen hatte, bebte die Arena. Keine drei Minuten wäre der Superdome wohl auseinander geplatzt, wäre Bush nicht auf dem Saints-Logo ins Stolpern gekommen.

Immerhin glich Gramatica mit einem 53-Yard-Field-Goal zum 20:20 aus. Doch es war noch nicht Schluss mit der Reggie-Bush-Show. Denn drei Minuten später gelang Bush, was ihm durch das Klubzeichen zuvor noch versagt blieb. Diesmal trug er den Ball über 64 Yards in die Endzone.

"Die Jungs haben mir mit ihren Blocks den Weg geebnet. Das war grandios, was sie geleistet haben", gab sich Bush bescheiden, obwohl er mit zwei Touchdown-Punt-Returns in einer Partie einen NFL-Rekord einstellte.

Longwell mit der Entscheidung

Frerottes Touchdown-Pass auf Bernard Berrian brachte den Vikings den erneuten Ausgleich. Gramatica hätte zwei Minuten vor Ende die Saints zum Sieg schießen können, doch bei seinem Versuch aus 46 Yards kickte er den Ball links neben die Torstangen.

Doch das blieb nicht das letzte Geschenk der Saints. Einen 42-Yard-Pass von Frerotte hätte Berrian nie erreicht, doch Saints-Safety Kevin Kaesviharn behinderte den Wide Receiver und die Vikings erhielten den Ball an der 14-Yard-Linie der Saints.

Diese Chance ließ Longwell nicht verstreichen und sorgte mit seinem Kick aus 30 Yards für die Entscheidung.

Nach fünf Spieltagen weisen beide Teams nun eine Bilanz von zwei Siegen bei drei Niederlagen auf. Während die Vikings in der NFC North damit gemeinsam mit den Green Bay Packers Platz zwei belegen, finden sich die Saints in der NFC South am Tabellenende wieder.

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